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02. Juli 2014

Bahnhof ohne Hindernisse als Ziel

Die breit aufgestellte Initiative "Bahnhof ohne Barriere" fordert dringend Verbesserungen für den Hauptbahnhof.

  1. Wer mit Kinderwagen am Hauptbahnhof ankommt und den Aufzug nicht findet, muss tragen. Foto: Rita Eggstein

  2. Weite Wege: per Aufzug über die Stadtbahnbrücke von Gleis zu Gleis. Foto: Rita Eggstein

Ist der Freiburger Bahnhof für alle da? Nein, kritisiert die Initiative "Bahnhof ohne Barrieren" – es gibt viel zu viele Hindernisse. Für Menschen mit Behinderungen, für Reisende mit schwerem Gepäck, für Radfahrerinnen und Radfahrer, für Familien. Die Mitglieder des Mitte Mai gegründeten Bündnisses sind keineswegs die Ersten, die das Thema aufgreifen. Doch sie sind besonders breit aufgestellt. Und sie haben sich vorgenommen, dran zu bleiben, auch wenn es lange dauern sollte, bis ihre Visionen wahr werden.

Der Bahnhof in Emmendingen ist ein abschreckendes Beispiel. 25 Jahre habe es gedauert, bis dieser jetzt endlich barrierefrei wurde, bilanziert Anke Dallmann, Sprecherin der Initiative und Stadträtin der Freien Wähler. Ihr Ziel: Die ersten Freiburger Forderungen sollen auf jeden Fall schneller umgesetzt werden. Genauer festlegen will sie sich nicht, alles ist noch mitten im Entwicklungsprozess. Am heutigen Mittwoch trifft sich die Initiative zu einem Steuerungsgespräch, um zu klären, wie es weitergehen soll.

Mitte Mai war die Initiative mit einem breiten Forderungskatalog erstmals an die Öffentlichkeit getreten. Und breit ist auch das Spektrum der beteiligten Gruppen: Mit dabei sind nicht "nur" etliche aus dem sozialen Bereich, wie unter anderem die Arbeiterwohlfahrt, der Deutsche Familienverband und die Behindertenbeiräte von Freiburg und dem Landkreis Breisgau-Hochschwarzwald, sondern zum Beispiel auch der Hotel- und Gaststättenverband oder die Werbegemeinschaft "Z’ Friburg in der Stadt". Genau diese Breite macht den Beteiligten Hoffnung: "Wir werden auf allen Ebenen präsent sein, bundes- und landesweit", kündigt Anke Dallmann an.

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Die Geschichte der Kritik am Freiburger Bahnhof reicht weit zurück: Seit den 1990ern habe er immer wieder in verschiedenen Initiativen mitgearbeitet, die sich mit dem Freiburger Hauptbahnhof beschäftigt hätten, erzählt Kai Fischer, der früher in mehreren Gremien engagiert war. Seine ernüchternde Bilanz: Im Lauf von rund 20 Jahren sei nichts geschehen. Beim Behindertenbeirat taucht das Thema naturgemäß regelmäßig auf. Vor allem die "AG Bau und Verkehr" habe sich in den vergangenen drei Jahren verstärkt damit beschäftigt, sagt die städtische Behindertenbeauftragte Esther Grunemann.

Barrierefreiheit als gesellschaftliche Aufgabe

Grunemann kennt als Rollstuhlfahrerin die unbefriedigende Situation aus eigener Erfahrung – etwa wenn sie verreisen will. Das sei spontan unmöglich, weil sie spätestens einen Tag vorher die "Mobilitätszentrale" der Bahn benachrichtigen müsse. Denn nur ein Teil der Züge hat integrierte Rampen, bei den anderen müssen "Aus- und Einstiegshilfen" nach Absprache organisiert werden.

Grund genug, an die Behindertenrechtskonvention der Vereinten Nationen zu erinnern, die seit fünf Jahren garantieren soll, dass Menschen mit und ohne Behinderung dieselben Rechte haben – für Jörg Dengler vom Verkehrsclub Deutschland (VCD) ist deshalb längst klar: "Barrierefreiheit ist eine gesellschaftliche Aufgabe. Und der Bahnhof ist ein wichtiger Ort."

Der VCD hat 2012 zusammen mit dem Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Club (ADFC), dem Stadtseniorenrat und dem Deutschen Familienverband einen Bahnhofstest in Freiburg gemacht – das Ergebnis war nur ein "ausreichend". Danach kam eine darauf aufbauende Machbarkeitsstudie der Bahn zu dem Ergebnis, dass 3,75 Millionen Euro nötig wären, um Barrierefreiheit zu schaffen.

Der Freiburger Initiative ist klar: Alles klemmt an der Finanzierung. "Damit müssen wir uns auseinandersetzen", sagt Jörg Dengler. Und Stadträtin Anke Dallmann will auf möglichst weit ausgearbeitete Konzepte setzen: "Wir brauchen Pläne in der Schublade, die umgesetzt werden können, wenn eine Förderung auftaucht."

Autor: Anja Bochtler