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27. Februar 2010 00:06 Uhr
Rotteck-Gymnasium
Bei Uli Hoeneß geht’s um die Wurst
Uli Hoeneß, Präsident des FC Bayern München, hat sich nicht lumpen lassen. Bei seinem Auftritt am Freiburger Rotteck-Gymnasium sprach Hoeneß offenüber Gott, die Welt, seinen Hund und das Leben als Wurst-König.
Und äußerst amüsant. Der Ex-Manager, amtierende FC-Bayern-Präsident ("Ich gebe Rat, aber ich entscheide da nicht mehr") und künftige Aufsichtsratsvorsitzende, befragt von den Schülern Leon Löffler, 16, und Sophie Wenner, 17, lief zu Hochform auf. Das rappelvolle Rotteck-Foyer bebte. Die Themen des Abends: natürlich König Fußball, Deutschlands Politiker, Krisen (die eigenen und die der Finanzwelt), Hund Kuno und Doppelolympiasiegerin Magdalena Neuner, die – wenn’s nach Hoeneß geht – gleich in der Marketingabteilung des FC Bayern anfangen könnte. Ganz wichtig: Für den SC Freiburg hofft Hoeneß, dass er nicht absteigt.
DER HUND
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Längst ist die Regel "Der kommt mir nie ins Bett" über den Haufen geworfen. Stattdessen ist ein heißer Kampf ausgebrochen, ob es sich Kuno nachts nun bei Frau oder Herrn Hoeneß bequem macht. Im Moment ist Herrchen hoch im Kurs, allerdings hat er größte Schwierigkeiten, die Decke zu verteidigen. Dafür ist Hoeneß’ Frau beim Gassigehen und Füttern die Nummer eins. Wobei: Seit Hoeneß nicht mehr Manager ist und mehr Zeit hat, verändert sich das... "Meine Frau ist ziemlich eifersüchtig."
DER WURST-KÖNIG
Der Studienabbrecher (Anglistik und Geschichte) war nicht nur ein großer Kicker in den 70er Jahren und ein Topmanager bis vor wenigen Wochen, sondern er hat in Nürnberg auch eine Würstlefirma mit 200 Angestellten und 100 Saisonarbeitern aufgebaut. Dort hat er schon vor langem einen Mindestlohn eingeführt, weil er "ein totaler Freund" davon ist. Mittlerweile hat sich Hoeneß aus der Chefetage zurückgezogen, die Nachfolge ist geregelt. Tochter Sabine wollte nicht, sie entschied sich fürs Promovieren in BWL, trotz Papas Appell: "Wir brauchen keinen Doktor in der Familie, wir müssen eine gescheite Wurstfabrik haben."
Nun ist Filius Florian Chef des Unternehmens, das drei Millionen Würste am Tag produziert. Würste, die so unverkennbar schmecken, dass sie der Ex-Firmenchef beim Test im Rotteck-Foyer problemlos rausschmeckt. Logisch, dass er zum Dank für den Abend Würste spendiert, und zwar für die ganze Schule. Das nächste Schulfest kann kommen.
LEBEN UND TOD
28 Jahre ist es her, dass Uli Hoeneß beinahe gestorben wäre. Als einziger von vier Passagieren – einer der Toten war ein enger Freund – überlebte er einen Flugzeugabsturz bei Hannover. Ein Riesenglück sei das gewesen. "Wenn man das Flugzeug sieht, kann man sich nicht vorstellen, dass da ein Mensch lebend rausgekommen ist."
Hoeneß schlief in den Minuten vor der Katastrophe, wohl deshalb hat er einen Filmriss, der es ihm bis heute ermöglicht, in der Weltgeschichte rumzufliegen. Warum gerade er überlebt hat? "Das ist einfach unbegreiflich" – Hoeneß saß in der Maschine hinten rechts, "das war der einzige Platz, wo man eine Chance hatte zu überleben."
LIEBE UND FAMILIE
42 Jahre ist es her, dass Hoeneß, damals noch Gymnasiast in Ulm, seine Frau Susanne kennenlernte. Vor 15 Jahren hing der Haussegen mal mächtig schief – Uli Hoeneß war in der Midlife-Krise, wie er sagt: Da habe ich ein bisserl durchgedreht. Er verließ seine Frau einer schönen Österreicherin wegen, die ihm den Kopf verdreht hatte. Und lauter Dinger wollte er lernen, die er nicht konnte: Klavier spielen zum Beispiel und malen.
Heute ist alles wieder im Lot und Hoeneß lauscht der Musik, anstatt sie selbst zu machen. Und freut sich an seinem jüngst geborenen Enkel Anton Maximilian. Fußballer solle der besser nicht werden – bei dem berühmten Opa. Wobei: "Wenn er Spaß dran hat, bitteschön!"
SPIELER UND MANAGER
Der schönste Sieg als Spieler war der Europapokalsieg der Bayern 1974 – schöner als der WM-Titel sei das damals gewesen, jener 4:0-Sieg gegen Atletico Madrid im Rückspiel nach einem in letzter Minute erkämpften Unentschieden im Hinspiel. Damals hätte er die Welt anhalten wollen. Als Manager war’s zweifellos der Champions-League-Sieg 2001. Geholfen hat dem abergläubischen Manager damals im Mailänder Stadion eine dicke rote Jacke, die viel zu warm für jenen Abend war ("Ich habe geschwitzt wie ein Schwein"), aber spielentscheidend für die Wende in der zweiten Hälfte. Glaubt Hoeneß.
DER FC BAYERN VON HEUTE
Über den FC Bayern des Jahres 2010 macht sich Hoeneß keine Sorgen. Ballkontrolle, starke Pässe und ein gutes Spiel ohne Ball mache das Team unter Louis van Gaal so stark. Torwart Hans-Jörg Butt bleibe voraussichtlich auch in der kommenden Saison die Nummer eins, denn "eins ist klar: Manuel Neuer läuft uns nicht davon." Abgehakt ist hingegen das Thema Michael Rensing ("eine ganz delikate Problematik"): Der sei "in einem katastrophalen Zustand" aus den Sommerferien zurückgekommen. "Ich hätte erwartet, dass er sich den Arsch aufreißt", ärgert sich Hoeneß. Sein Fazit: Für Rensing sei es besser, wenn er woanders neu anfange.
Und was ist mit Hoeneß’ Liebling Franck Ribery? Der sei ein Filou undn Schlawiner, der angekündigt habe zu bleiben, wenn er das Gefühl habe, mit Bayern auch mal die Champions League gewinnen zu können.
POLITIKERSCHELTE
Das CSU-Mitglied Hoeneß ist in diesen Tagen enttäuscht und sauer auf die Regierung, es herrsche ein Chaos, "wie ich es in den letzten 30 Jahren nicht erlebt habe". Die Politik, schimpft Hoeneß, begreife überhaupt nicht, worum es geht. "Die Ursachen muss ich bekämpfen." Hoeneß gerät in Rage: "Was braucht die Welt in Öl zu spekulieren?" 25-prozentige Renditen seien Wahnsinn. "Es geht um den gesunden Menschenverstand."
Viel zu wenige Politiker reißen das Maul auf. Hoeneß tut’s – und hätte große Lust auf eine Karriere in der Politik. Westerwelle nennt er einen "Oberschlaumeier". Und die Kanzlerin? Die wolle partout nicht belehrt werden, "sie weiß ja eh alles besser". Hoeneß grummelt, der Kopf wird rot im Scheinwerferlicht. Und er legt nach: "Am wichtigsten sind ihr die Umfragewerte."
DIE LIEBE ZUM ESSEN
An wem er seinen Frust ablasse? "An mir selbst, indem ich mich totfresse", gibt Hoeneß zu – und bringt das Problem auf den Punkt: Er, der Liebhaber von Kalbsgeschnetzeltem und hausgemachten Spätzle und Rösti, muss abnehmen und macht das derzeit auch mal wieder. "Wenn ich meine Figur sehe, muss ich sagen: Ich bin sicherlich nicht durch Salat so geworden." Immerhin: Sechs Kilo ist er jüngst losgeworden, fünf weitere sollen noch purzeln. Moderator Leon kommentiert’s mit einem rotzfrechen "Nur noch?". Autsch.
Autor: Frank Zimmermann
