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22. Februar 2016 11:18 Uhr

Flüchtlingsinitiative

Berliner Projekt "Start With a Friend" jetzt auch in Freiburg

Die gelobte Berliner Flüchtlingsinitiative "Start With A Friend" bekommt ihren ersten Ableger – in Freiburg. Das Prinzip: Flüchtlingshilfe ohne Vorgaben und auf freundschaftlicher Basis.

  1. Ein Begleiter geht mit einem Flüchtling durch den Alltag – im Kleinen wie hier an der Freiburger Uni gibt es solche Projekte schon. Foto: Rita Eggstein

Die einfachste Methode, Geflüchteten die ersten Schritte in ihrer neuen Umgebung zu erleichtern, ist, wenn ein Freund zur Seite steht. "Start With A Friend" vermittelt solche Partnerschaften, zwei Freiburger starten das Projekt jetzt auch im Breisgau – mit namhafter Unterstützung.

Eine Begegnung auf Augenhöhe

Ein Mensch, mit dem man die Umgebung entdecken oder Fußball gucken kann, der einem aber auch bei Problemen hilft: Was man gemeinhin als Freund bezeichnet, könnte auch die direkteste Form der Flüchtlingshilfe sein, haben sich Daniel Wolber und Hanno Dihle überlegt. Das Prinzip: Ein interessierter Mensch vor Ort lernt einen Geflüchteten kennen und verbringt mit ihm Zeit, ohne große Vorgaben, je nach Lust. Hier soll kein Hilfsbedürftiger vor einer Organisation stehen, das Ziel ist eine Begegnung "auf Augenhöhe", betonen die Initiatoren.

Damit keine zu unterschiedlichen Ansprüche aufeinandertreffen, wollen die Vermittler von "Start With A Friend" herausfinden, welcher Unterstützer gut zu welchem Geflüchteten passt.

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Als Dihle und Wolber im vergangenen Jahr begannen, im Freiburger Startup-Treffpunkt Grünhof über die Umsetzung ihrer Idee nachzudenken, informierten sie sich auch bei einer Initiative in Berlin, die in etwa das tat, was ihnen für Freiburg vorschwebte. "Auf die Dauer wurde die Beziehung zu den Berlinern dann immer enger", berichtet Hanno Dihle. Und ja, in Berlin war man vom Gedanken, das Modell expandieren zu lassen, auch angetan.

"Wir sind der erste Ableger, das Pilotprojekt dafür, wie man das an anderen Orten aufzieht" Hanno Dihle
Jetzt findet man auf der Webseite von "Start With A Friend" neben Berlin auch Freiburg als Projektort. "Wir sind der erste Ableger", sagt Hanno Dihle, "das Pilotprojekt dafür, wie man das an anderen Orten aufzieht." Umgekehrt profitieren die Freiburger vom Know-how des Vorreiters aus der Hauptstadt und von deren Materialien wie Info-Broschüren und einem umfassenden Leitfaden zum Asylverfahren, der bürokratische Hürden zu meistern helfen soll.

Auch nützlich ist, dass die Berliner Dachorganisation mit Förderung durch das Bundesministerium für Familien, Senioren, Frauen und Jugend rechnen kann. "Wie wir die Integration der Zuwanderer meistern, wird eine der entscheidenden Fragen sein", erklärte Ministerin Manuela Schwesig Anfang Januar. ",Start with a Friend’ gibt darauf eine gelungene Antwort."

Daniel Wolber und Hanno Dihle wiederum konnten kurzerhand die Freiburger Grünen-Bundestagsabgeordnete Kerstin Andreae als Schirmherrin gewinnen. "Mit der Idee von Tandems scheinen sie durchaus in eine Lücke zu stoßen, die andere haupt- und ehrenamtliche Flüchtlingshelfer so noch nicht abdecken", sagt Andreae.

Das Projekt soll im Laufe des Frühjahrs starten

Richtig starten soll das Projekt im Laufe des Frühjahrs, für März ist ein erstes Treffen mit Tandempartnern geplant. Dann gilt es, unter Flüchtlingen Interessierte zu finden, via Internet oder über Flugblätter beispielsweise. Schließlich sollen sich die ersten Tandems auf die gemeinsame Reise durch den Alltag machen. "Du solltest circa drei bis vier Stunden Zeit in der Woche für mindestens ein halbes Jahr einplanen", heißt es auf der Webseite von "Start With A Friend". Ansonsten soll der Kontakt niederschwellig und unkompliziert sein. "Alles kann, nichts muss", sagt Hanno Dihle. Besteht das gemeinsame Interesse erstmal nur aus Musikhören und Um-die-Häuser-Ziehen? Egal – auch das fördert Sprachkenntnisse und Zugang zur Kultur des Gastlandes. Probleme mit Amtsbesuchen oder auszufüllenden Formularen, so der Gedanke, erledigt das Tandem da nebenbei fast von selbst. Und wenn beide mal ratlos sind, soll die Vernetzung helfen. "Vielleicht", sagt Daniel Wolber, "hat ja schon jemand anders aus der Community ein ähnliches Problem gelöst."
Dieser Artikel erschien ursprünglich am 21. Februar 2016 in der Wochenzeitung "Der Sonntag".

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Autor: Jens Kitzler (Der Sonntag)