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05. August 2011 20:48 Uhr

Schluss mit Lustig

Besetztes Häuschen in der Gartenstraße wird zur Tabuzone

Die Gartenstraße 19 ist leer. Seit 15 Monaten ist das Häuschen in der Altstadt besetzt, jetzt hat das Rathaus die derzeitige Nutzung verboten. Die Nachbarn waren mit ihrer Geduld am Ende.

  1. Nun herrscht wieder Ruhe im Quartier. (Archivbild) Foto: Ingo Schneider

In der Nacht auf Freitag setzte die Polizei eine Verfügung durch, zwei Personen, die sich im Gebäude aufhielten, mussten es verlassen. Die Nachbarschaft der Gartenstraße 19 war mit der Geduld am Ende. Mit knapp 50 Anwohnern unterschrieben fast alle, auch Studenten, ein Schreiben ans Rathaus.

In dem fordern sie, wieder für Ruhe im Quartier zu sorgen. Die Zustände rund um das Gebäude ohne Strom und Wasser seien unhaltbar: Höfe und Hausflure würden als Toilette missbraucht, Fotos zeigen die regelmäßige "Volxküche" und Essensreste. Die Nachbarn berichten von den Hygieneproblemen, Trinkgelagen auf Garagendächern, nächtlichen Happenings mit Feuer und einem Angriff: Ein Anlieger, der sich über Lärm bei der Jahresfeier der Besetzung beschweren wollte, bekam eine Ohrfeige. Strafanzeige ist gestellt.

Wohnverbot im Häuschen

Anfangs war das anders. "Die Besetzer waren ein bisschen besonders, aber nicht schwierig", sagt Nachbar Michael Geis. Mit der Zeit habe die Besetzung komplett gewechselt. "Wir haben sehr lange sehr viel toleriert und immer das Gespräch gesucht, aber es herrschte hier ein Zustand der Verwahrlosung" sagt Joachim Röderer, Anwohner und BZ-Redakteur. Zuletzt, schreiben die Nachbarn, ging es zu wie in einem rechtsfreien Raum.

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Die Bürgermeisterrunde beriet das Thema. Die CDU-Fraktion fragte die Stadtspitze, ob sie eine Räumung veranlassen kann. Am Montag fand ein Ortstermin mit diversen Ämtern statt. Beschlossen wurde: Der Gehweg muss freigeräumt und der Müll vom Hauseigentümer entsorgt werden, außerdem wird geprüft, ob die Nummer 19 widerrechtlich genutzt wird. In dieser Sache hakte Stefan Schillinger für die SPD-Fraktion nach.

Dann ging’s schnell: Vor der Räumung von Kommando Rhino kam es in der Nacht auf Mittwoch zu Ausschreitungen in Vauban. Weil laut Ordnungsamt und Polizei zum Teil die gleichen Leute das Vauban-Gelände wie die Gartenstraße nutzten, befürchtete die Stadtverwaltung eine Verlagerung, erklärt Stadtsprecherin Edith Lamersdorf. Die Nutzungsuntersagung ging am Mittwoch mit sofortiger Wirkung an den Eigentümer. Er lebt nicht in Freiburg und duldet die Besetzung bislang. Nun muss er dafür sorgen, dass niemand das Häuschen bewohnt und sich auf Dächern oder im Schuppen aufhält. "Auch Veranstaltungen im Hof gehen nicht", sagt Lamersdorf. Hält der Besitzer sich nicht dran, müsse er Strafe zahlen.

Dies und die Polizeiaktion am Freitag sieht die Autonome Antifa als Bedrohung eines Freiraumes und neuen Angriff auf ein linkes Projekt. Die Polizei kündigte an, auch künftig die Einhaltung der Verfügung zu überprüfen.

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Autor: Simone Höhl