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09. Juli 2016

Amtsgericht

Bewährungsstrafe für Menschenhandel: 26-Jähriger vermittelte junge Frau an Zuhälter und kassierte Provision

Sie war jung und brauchte das Geld, er war skrupellos und hatte Kontakte. Weil die Polizei Telefongespräche und Whats-App-Nachrichten überwachte, konnte sie ihn überführen.

Vier Monate auf Bewährung und 500 Euro Schmerzensgeld lautet das Urteil gegen einen 26-Jährigen, der wegen Beihilfe zum Menschenhandel zum Zwecke der sexuellen Ausbeutung angeklagt war. Das Amtsgericht sah es als erwiesen an, dass der junge Mann im April 2015 einer 18-Jährigen die Nummer eines ihm bekannten Zuhälters gegeben und sie somit zur Prostitution gebracht hatte. Für die Vermittlung erhielt er vom Zuhälter zehn Prozent der Einnahmen der jungen Frau.

Sie war jung und brauchte das Geld, er war skrupellos und hatte Kontakte. Als die 18-jährige Geschädigte dem gelernten Veranstaltungskaufmann von finanziellen Sorgen erzählte, gab er ihr kurzerhand die Telefonnummer eines Zuhälters. "Melde dich bei ihm, wenn du Interesse hast", schrieb er ihr laut Polizeiprotokoll via WhatsApp. Den Zuhälter ließ er wissen, dass er eine potentielle Interessentin habe. "Sie ziert sich aber noch", sagte er ihm am Telefon. Kein Problem, meinte der Zuhälter: "Es reicht, wenn ich eine halbe Stunde mit ihr quatsche."

Am 14. April kam es schließlich zu einem Telefonat zwischen der Geschädigten und dem Zuhälter. Die Polizei war zu diesem Zeitpunkt bereits auf den Zuhälter aufmerksam geworden und ließ sein Handy überwachen. Dadurch lag dem Gericht der komplette Gesprächsverlauf im Wortlaut vor. In dem knapp halbstündigen Telefonat schmeichelte der Zuhälter der jungen Frau ("Du bist voll süß") und versprach ihr lukrative Verdienstmöglichkeiten: "An guten Tagen kannst du 1000 Euro verdienen." Die negativen Seiten spielte er herunter: Sie müsse nur arbeiten, wenn sie wolle, die Männer seien alle gepflegt und müssen vorher duschen, sogar Spieler des SC Freiburg seien regelmäßig Kunden.

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Die Geschädigte ließ sich überzeugen und begann eine Woche nach dem Telefonat, für ihn anzuschaffen. Die Arbeit wurde bald zum Albtraum, die Geschädigte wurde schwanger, der Zuhälter verhaftet. "Seither leidet sie unter einer posttraumatischen Belastungsstörung, Panikattacken und Albträumen", berichtete die Anwältin der Geschädigten, die als Nebenklägerin auftrat.

Wie der 26-jährige Angeklagte versicherte, habe er in der Vermittlung der jungen Frau an den Zuhälter die letzte Möglichkeit gesehen, ihr zu helfen. "Ich hätte ihr gerne selber Geld gegeben, konnte es aber nicht", sagte er. Dieser Darstellung schenkte das Gericht keinen Glauben. "Ihnen ist es rein um den eigenen Verdienst gegangen", resümierte der Vorsitzende Richter Nils Klein bei der Urteilsverkündung. Der in Lörrach aufgewachsene Angeklagte habe sich mehrmals beim Zuhälter nach der Höhe des Verdienstes der Geschädigten erkundigt, um seine Anteile zu kassieren. Als er erfuhr, dass sie nicht sieben Tage die Woche arbeiten wolle, und ihm dadurch Einnahmen verloren gingen, bezeichnete er sie als "blöde Kuh". Bei seinem Urteil blieb das Gericht unter der Forderung der Staatsanwaltschaft von fünf Monaten Haft ohne Bewährung. Auch die Nebenklage forderte sechs Monate ohne Bewährung, die Verteidigung hingegen hielt eine Geldstrafe für ausreichend.

Der Zuhälter war bereits im Februar vom Landgericht in einem gesonderten Verfahren für die Prostitution der Geschädigten zu zwei Jahren und drei Monaten Haft verurteilt worden. Die Gesamtstrafe, in der noch andere Vergehen des Zuhälters berücksichtigt wurden, lag bei drei Jahren und sieben Monaten.

Autor: Merlin Gröber