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02. November 2010 12:52 Uhr

Kronenstrasse

Blitzer-Panne: Behörde verschläft Zeitumstellung

Peinliche Panne: Zwei Tage lang haben die beiden Radarfallen in der Freiburger Kronenstraße falsch funktioniert und etliche Autofahrer geblitzt, die völlig korrekt unterwegs waren. Denn: In der zuständigen Behörde wurde die Zeitumstellung verschwitzt.

  1. Tempo 30 gilt in der Freiburger Kronenstraße erst von 22 Uhr an – doch während sich das Gros der Autofahrer mittlerweile an die Regel hält, hat der Blitzer Probleme mit der Zeitumstellung. Foto: Thomas Kunz

Auf Freiburger Durchgangsstraßen gilt in der Nacht Tempo 30 – genauer: von 22 bis 6 Uhr. Das wird auch kontrolliert, unter anderem durch die beiden fest installierten Messgeräte in der Kronenstraße. Es sind Freiburgs berühmteste Blitzer – denn kurz nach der Umstellung auf die neue Geschwindigkeitsregel hatte sich ihr Dauereinsatz zu einem nächtlichen Kuriosum mit Event-Charakter entwickelt. Mittlerweile haben sich die meisten Autofahrer allerdings an die Tempo-30-Regelung gewöhnt und halten sich daran. Auch am Sonntag und Montag.

Da jedoch spielten sich erneut kuriose Szenen auf der stark befahrenen Straße am Knotenpunkt Kronenbrücke ab: Die Geschwindigkeitsmesser arbeiteten auf Hochtouren. Im Minutentakt wurden Fahrzeuge geblitzt – und zwar auch solche, die keineswegs mit mehr als den erlaubten 50 Stundenkilometern unterwegs sind. Bis zu 20 Autos, so beobachtete die Badische Zeitung, wurden pro Viertelstunde geblitzt. Hochgerechnet bedeutet das: An zwei Abenden könnte sich die Zahl der fälschlich abgelichteten Autofahrer auf 150 bis 200 summiert haben.

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Viele Betroffene wenden sich an die Polizei

Auch Dominik Schwehr erwischte es: "Ich war mit maximal 49 Stundenkilometern unterwegs", erklärt der Freiburger, "und es war eindeutig vor 22 Uhr." Trotzdem wurde er abgelichtet. "Ich habe einen ziemlichen Schrecken bekommen, als es plötzlich geblitzt hat." Im ersten Moment sei ihm gar nicht klar gewesen, woran das liegen könnte. "Ich fahre jeden Tag Auto, bin mit der Tempo-30-Regelung vertraut und weiß, dass sie erst von 22 Uhr an gilt."

Schwehr fuhr daraufhin, wie viele andere, zum nächsten Polizeirevier. Die Polizei hat zwar mit den städtischen Tempokontrollen nichts zu tun, aber die Beamten protokollierten die Einwände der Autofahrer, ihre Kennzeichen und die Uhrzeit. "Es waren etliche Autofahrer, die aufs Revier kamen oder bei uns anriefen", bestätigt so auch der Freiburger Polizeisprecher Ulrich Brecht und betont: "Die Leute sind verunsichert, wenn sie geblitzt werden, obwohl sie gar nichts falsch gemacht haben."

"Vom Gemeindevollzugsdienst wurde dies schlichtweg nicht bedacht." Stadtsprecherin Zinthäfner
Der Fehler liegt in der Tat an einer anderen Stelle: Die zuständige Abteilung im Amt für öffentliche Ordnung hat schlichtweg versäumt, die Zeitsteuerung der beiden Blitzer der Winterzeit anzupassen. Die Zeitumstellung war in der Nacht zum Sonntag; da wurden die Uhren um eine Stunde zurückgestellt. Die Tempomesser jedoch tickten am Sonntag und Montag noch nach der veralteten Sommerzeit: Die Folge: Sie blitzten schon von 21 Uhr alle Verkehrsteilnehmer, die schneller als 30 Stundenkilometer fuhren.

Die Frage ist nun: Wie ist ein solcher Lapsus zu erklären? Wie kann ausgerechnet jener Behörde, das die Bürger auf korrektes Verhalten kontrolliert, ein Malheur bei der Zeitumstellung unterlaufen? "In den Anlagen in der Kronenstraße muss die Zeitumstellung manuell erfolgen", erklärt die Freiburger Rathaussprecherin Petra Zinthäfner und räumt ein: "Vom zuständigen Gemeindevollzugsdienst wurde dies schlichtweg nicht bedacht." Im Laufe des Jahres würde der Mechanismus dahingehend geändert, dass sich die Messgeräte automatisch auf Sommer- und Winterzeit umstellen. Die ganze Angelegenheit sei unglücklich, sagt Zinthäfner, spricht von einem "Versäumnis" und entschuldigt sich im Namen der Stadtverwaltung: "Es tut uns leid, wenn Autofahrer dadurch verschreckt oder verunsichert wurden."

Die meisten Blitze bleiben ohne Folgen

Wer sich an das bis 22 Uhr geltende 50-Stundenkilometer-Limit gehalten hat, muss indes keine Konsequenzen befürchten. Zwar werden die Filme, wie Zinthäfner am Dienstagnachmittag präzisierte, entgegen ersten Planungen doch ausgewertet. Dabei gehe es jedoch nur um jene Fälle, die auch unter normalen Umständen geblitzt worden wären, mit mehr als Tempo 50.

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Autor: Karl Heidegger, aktualisiert um 16.15 Uhr