Vortrag

Britischer Vize-Botschafter spricht in Freiburg über den Brexit

Moritz Lehmann

Von Moritz Lehmann

So, 11. Februar 2018

Freiburg

Was passiert nach dem Brexit? Dieser Frage ging der frisch gebackene britische Vize-Botschafter Großbritanniens in Deutschland am Freitagabend bei seinem Vortrag in der Wiehre nach. Eingeladen hatte ihn die Freiburger Burschenschaft Teutonia.

Der Referent
Robbie Bulloch ist seit Dezember stellvertretender Botschafter Großbritanniens in Berlin – und damit zweithöchster Vertreter der britischen Regierung in Deutschland. Zu seinen Aufgaben gehört es, den gekränkten Deutschen den Austritt der Briten aus der Europäischen Union – den Brexit – zu erklären. Obwohl er das Amt erst seit kurzem bekleidet, tut er dies in fließendem Deutsch. Very charming.

Die Teutonen
Der Gastgeber, die Freiburger Studentenverbindung Teutonia, ist ein reiner Männerbund. Er versteht sich als liberal-konservativ und grenzt sich von rechtsextremen Tendenzen im Burschenschaftswesen ab. Im Jahr 2013 trat die Teutonia aus dem umstrittenen Dachverband Deutsche Burschenschaft aus und gründete mit anderen Burschenschaften einen neuen Verband. Die Teutonen verstehen sich als europafreundlich – dem Brexit stehen sie skeptisch gegenüber, wie Ekkehard Gabriel von den Teutonen in seiner Vorrede deutlich macht. Auch wenn man nicht mit jeder Entscheidung auf EU-Ebene einverstanden sei: "Wir müssen zusammenhalten", sagt er.

Das Publikum
Etwa 50 überwiegend männliche Zuhörer sind gekommen, Frauen sind nur vereinzelt dabei. Die aktiven Burschenschafter unter den Zuhörern sind an ihren roten Käppchen und ihrem schwarz-rot-goldenen Band um die Brust zu erkennen. Einige von ihnen sind von weither gekommen – die weiteste Anreise: aus dem norddeutschen Delmenhorst.

Die britische Perspektive
Robbie Bulloch holt weit aus, um sein Publikum über das aus seiner Sicht oft missverstandene Großbritannien aufzuklären. In der jüngeren Geschichte des Landes habe es, anders als in Deutschland oder Frankreich, keine revolutionären Umbrüche gegeben. Die Institutionen hätten sich seit Jahrhunderten eigenständig entwickelt – und die Briten wollten eben, dass dies so bleibt. Für sie sei die EU schon immer ein rein wirtschaftliches und kein politisches Projekt gewesen: "Die britische Bevölkerung hat sich nie so richtig an die EU gewöhnt."

Bullochs Botschaft
"Wir verlassen nicht Europa, sondern nur die Europäische Union", sagt Bulloch. Die EU bleibe einer der wichtigsten Handelspartner. Bei den Brexit-Verhandlungen solle es nicht nur darum gehen, Bestehendes zu entflechten, sondern um die Neugestaltung der Zusammenarbeit. "Uns ist klar, dass man in Deutschland über den Brexit enttäuscht ist", sagt Bulloch. Er erinnert aber daran, dass Deutschland und Großbritannien nach 1945 enge Verbündete geworden seien. Er ist überzeugt: "Wir werden Freunde bleiben."

Die Diskussion
In der Diskussion wird auch Skepsis gegenüber Bullochs verbreiteten Optimismus geäußert – auch in anderen Staaten wachse der Unmut über die EU. Bulloch beschwichtigt Befürchtungen über ein Auseinanderbrechen der Union: Selbst für ein großes, wirtschaftlich starkes Land sei der EU-Austritt eine Mammutaufgabe. Dennoch sollte sich die EU seiner Ansicht nach Gedanken machen, wie es mit Europa weitergehe. Eine immer engere politische Verflechtung sei nicht das Richtige für alle Mitgliedsstaaten.
Fazit
Spannender Vortrag zu einem brandaktuellen Thema. Einen konkreten Fahrplan für die zukünftige Kooperation zwischen EU und Großbritannien legte Bulloch nicht vor – das wäre aber auch zu viel verlangt gewesen. Schließlich wird genau darüber gerade verhandelt. Stattdessen bot sich die Gelegenheit, in einer hierzulande hitzig geführten Debatte eine britische Sicht zu hören.