Neujahrsempfang

Bürgerverein Oberwiehre-Waldsee fordert vom Rathaus eine andere Diskussionskultur

Jelka Louisa Beule

Von Jelka Louisa Beule

Di, 09. Januar 2018

Freiburg

Beim Neujahrsempfang für die Stadtteile Oberwiehre, Oberau und Waldsee war unter anderem die mangelhafte Kommunikation in Sachen Hansjakobstraße Thema.

FREIBURG-WIEHRE. Themen und ungelöste Probleme gibt es reichlich in den Stadtteilen Oberwiehre, Waldsee und Oberau, für die der Bürgerverein Oberwiehre-Waldsee zuständig ist. Um den diesjährigen Neujahrsempfang nicht mit langen Reden überzustrapazieren, beschränkte sich der Vorsitzende Hans Lehmann am Sonntagvormittag in der Wodanhalle auf fünf Aspekte, die ihm am dringlichsten erschienen – ergänzt um die Bitte an den als Gast anwesenden Oberbürgermeister Dieter Salomon nach mehr Austausch und einer anderen Diskussionskultur zwischen Bürgern und Rathaus.

Als Beispiel nannte Hans Lehmann die Hansjakobstraße. Dort hatten Anwohner in den vergangenen Monaten protestiert, weil die Stadtverwaltung im westlichen Abschnitt der Straße die öffentlichen Parkplätze streichen will. Der Bürgerverein habe zu vermitteln versucht, sagte Lehmann: "Die Kommunikation war schwierig." Das sei symptomatisch, sagte er und forderte deshalb generell einen besseren Dialog zwischen Bürgern und Stadtverwaltung – und mehr Wertschätzung für die gegenseitige Arbeit. Ob die "Petitesse" in der Hansjakobstraße tatsächlich ein gutes Beispiel sei, mehr Bürgerbeteiligung zu fordern, zweifelte Oberbürgermeister Salomon später in seiner Ansprache zwar an – aber er sicherte zu, offen zu sein für neue Wege, die zu einem besseren Austausch führen. Geklärt ist der Fall Hansjakobstraße übrigens immer noch nicht. Aktuell gehe es – unabhängig von der Parkplatzproblematik – zudem darum, in der Straße Tempo 30 einzuführen, berichtete Lehmann, und zwar nachts aus Lärmschutzgründen und an Werktagen tagsüber wegen des St.-Carolus-Kindergartens. Dies würde jedoch zu einer völlig unübersichtlichen Regelung führen, weshalb derzeit eine Anfrage über das Regierungspräsidium beim Land läuft, ob es dann nicht besser doch – entgegen der gesetzlichen Regelungen – eine ganztägige Geschwindigkeitsbegrenzung geben könnte. Ähnliche Konstellationen gibt es derzeit auch an anderen Stellen in der Stadt, etwa in der Kronenstraße (siehe BZ von gestern).

Auf Hans Lehmanns Top-5-Themenliste standen außerdem zwei Dauerbrenner: das Lycée Turenne und der Stadttunnel. Für den seit langem leerstehenden Westflügel des Lycée Turenne forderte der Bürgerverein vom Gemeinderat eine Machbarkeitsstudie. Lehmann schlug vor, in dem Gebäude Räumlichkeiten für die benachbarten Schulen zu schaffen, außerdem könne die Musikschule einziehen. Oberbürgermeister Dieter Salomon hielt das Anliegen für schwierig. Angesichts vieler millionenschwerer Schulsanierungen "glaube ich nicht, dass wir das Lycée Turenne in den nächsten Jahren als Priorität haben werden", machte der OB deutlich. Sympathie hegte Salomon für den vom Bürgerverein geforderten "Dreisamboulevard": Wenn der Stadttunnel gebaut werde, könne es nicht sein, dass oberirdisch weiterhin mehrere Fahrspuren für Autos vorgehalten würden, wiederholte Salomon seine Aussage vom letztjährigen Neujahrsempfang.

Ein großes Anliegen sind dem Bürgerverein im Moment zudem zwei geplante Sanierungsprojekte im Quartier: die Knopfhäuslesiedlung der städtischen Tochtergesellschaft Freiburger Stadtbau und das Ensemble der Genossenschaft Familienheim am Wiehrebahnhof.

Für beide Gebiete wünschte sich Hans Lehmann Augenmaß, damit die bisherigen Bewohner nicht durch höhere Mieten vertrieben werden. Von der Familienheim-Genossenschaft forderte der Bürgervereinsvorsitzende mehr Transparenz bei den Planungen.