Bunte Parade im Herzen der Stadt

Fabian Vögtle

Von Fabian Vögtle

Mo, 25. Juni 2018

Freiburg

Bis zu 10 000 Teilnehmer feiern nach heftigen Diskussionen im Vorfeld fröhlich und friedlich den Freiburger "Christopher Street Day".

FREIBURG. Bis zu 10 000 Menschen haben am Samstag an der Parade zum "Christopher Street Day" (CSD) teilgenommen. Die Community von Lesben, Schwulen, Bisexuellen, Transgendern und weiteren Unterstützern zog friedlich durch die Innenstadt. Wegen Differenzen um die Route zwischen der Stadtverwaltung und dem Organisationsteam im Vorfeld stand der Umzug dieses Jahr besonders im Fokus.

Das Podest am Platz der Alten Synagoge ist eine Tribüne. Dutzende Bummler und Touristen stehen staunend dort und gegenüber auf den Treppen des Theaters, dessen Buchstaben auf dem Dach an diesem Tag bunt sind – genauso wie die 30 Gruppen und Vereine, die sich um ein Dutzend geschmückter Wagen aufstellen. Kurz nach 15 Uhr ziehen die laut Polizei und Veranstalter 8000 bis 10 000 Teilnehmer los, vorbei an Hunderten von Zuschauern, die sich über die karnevalesken Kostüme, geschminkten Grüppchen, Drag Queens und nackte Haut freuen.

"Die sind echt einfallsreich und sehen toll aus", sagt Joanna van Beek. Die 71-jährige Holländerin lebt seit fast 50 Jahren in Freiburg und ist mit ihrer Schwester heute zum Zuschauen in die Altstadt gekommen. "Wir kennen das aus Amsterdam und waren auch schon mal in Stockholm dabei", berichtet Marie-Jose van Beek, die aus ihrer Heimat gerade ein paar Tage zu Besuch ist. Der Freiburger Umzug könne da zwar nicht mithalten. Aber mit ihrer kleinen Kamera knipst sie eifrig die in der Kaiser-Joseph-Straße an ihr vorbeiziehenden CSD-Teilnehmer.

Dass die Parade durch die Kajo zieht, sorgte im Vorfeld zu einem Streit zwischen dem Organisationsteam und der Stadtverwaltung. Das Ordnungsamt hatte Sicherheitsbedenken und untersagte den Veranstaltern die Routenführung durch die Haupteinkaufsstraße (BZ berichtete). Mehrere Stadträte schalteten sich ein, im Hauptausschuss des Gemeinderats schilderte Finanzbürgermeister Stefan Breiter jedoch seine Bedenken auf Grundlage des Polizeiberichts aus dem vergangenen Jahr.

Der CSD-Verein klagte vor dem Verwaltungsgericht, das am Donnerstag den Weg frei machte. Dieser führt nun ohne Zwischenfälle in Richtung Siegesdenkmal und danach über die Herrenstraße und Wallstraße durchs Sedanquartier und am Hauptbahnhof vorbei zur Eschholzstraße. Die Route endet am Stühlinger Kirchplatz. Dort gibt es eine Abschlusskundgebung. "Die Parade verlief ohne Störungen und die Stimmung war gut", sagt Polizeisprecher Dirk Klose, der den vierstündigen Umzug mit seinen Kollegen begleitete, am Samstagabend. Einzig am Karlsbau-Parkhaus sowie an einigen Straßen, die der Umzug kreuzte, mussten Autofahrer laut Klose bis zu 45 Minuten auf die Ausfahrt warten. Ein Verkehrschaos blieb jedoch aus.

Auch die Veranstalter ziehen eine positive Bilanz. Nach den Debatten der letzten Wochen sei man sehr angespannt gewesen und habe nach dem Gerichtsbeschluss eine noch höhere Verantwortung gespürt, sagte Ronny Pfreundschuh vom CSD-Team. Desto größer sei nun die Erleichterung: "Die Atmosphäre war herrlich und ansteckend für das Publikum", sagt Pfreundschuh der BZ am Sonntag und fügt hinzu: "Ich glaube, der CSD etabliert sich nun in Freiburg."

Das hofft auch Anika Kienle, die fröhlich gestimmt im Rhythmus der Musik mitwippt und wie viele andere Teilnehmerinnen ein Regenbogen-Stirnband trägt. Die 19-Jährige war schon auf anderen CSD-Paraden, in Freiburg ist sie das erste Mal. Als frauen- und genderpolitische Sprecherin der Grünen Jugend in Baden-Württemberg setzt sich dafür ein, dass Menschen ihre Identität offen Preis geben können. "Der CSD ist aber nicht nur ein Event für politische Botschaften, sondern auch ein Erlebnis", sagt sie und zieht weiter.

Weitere Fotos von der Parade gibt es im Internet auf: mehr.bz/csd18