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20. Oktober 2012 17:44 Uhr

BZ fragt nach

Altstadtbewohner wollen ihre Ruhe

Viele Innenstadt-Bewohner sind genervt vom hohen Lärmpegel im Quartier. Das ergab die Telefonumfrage "BZ fragt nach". Vom Umbau des Rotteckrings erwartet ein Drittel der Befragten eine Verschlechterung der Situation.

  1. Foto: Michael Bamberger

Viele Innenstadt-Bewohner sind genervt vom hohen Lärmpegel im Quartier. Die Idee, einen speziellen kommunalen Ordnungsdienst einzurichten, begrüßen aber nur vergleichsweise wenige. Das ergab die Telefonumfrage "BZ fragt nach" mit 201 Teilnehmern. Weitere Resultate: Die Idee eines neuen Einkaufszentrums am Nordrand der Innenstadt stößt auf große Ablehnung, und vom millionenschweren Umbau des Rotteckrings erwarten rund ein Drittel der Befragten eher eine Verschlechterung der Situation als eine Aufwertung der Innenstadt.

Lärm

Die Klagen über unzumutbaren (nächtlichen) Lärm im Quartier und Belästigungen durch Partygänger haben in den vergangenen Jahren stetig zugenommen. Dass sich eine Reihe von Brennpunkten entwickelt hat – dazu zählen unter anderem der Augustinerplatz und das Kneipenviertel zwischen Kaiser-Joseph- und Bertoldstraße ("Bermuda-Dreieck") – gesteht auch die Polizei zu. Sie sieht aber wegen Personalmangel wenig Möglichkeiten, selbst Abhilfe zu schaffen. Bei der BZ-Aktion sah eine Mehrheit von insgesamt 53,2 Prozent der Teilnehmer Handlungsbedarf. Allerdings sprechen sich die meisten (36,8 Prozent) dafür aus, Polizei und Stadtverwaltung sollten bestehende Möglichkeiten besser nutzen, um für Ruhe zu sorgen. Nicht einmal halb so viele (16,4 Prozent) können sich dagegen mit der unter anderem von CDU-Stadtrat Daniel Sander propagierten Idee anfreunden, einen kommunalen Ordnungsdienst einzurichten, wie es ihn in einer Reihe anderer baden-württembergischer Großstädte gibt. Immerhin knapp 44 Prozent der Befragten geben an, sie empfänden die Situation als insgesamt erträglich und stimmen der Aussage zu: "Als City-Bewohner muss ich eine gewisse Lärmbelastung akzeptieren." Bei den Unter-30-Jährigen sind das sogar 75 Prozent. Die Detailanalyse zeigt auch: Die meiste Zustimmung zum Ordnungsdienst gibt es bei den Frauen (21 Prozent) und den Über-60-Jährigen (24,5 Prozent).

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Einkaufszentrum

Das deutlichste Ergebnis der gesamten Altstadtbefragung gab es beim Thema "Innenstadt-Einkaufszentrum". 80 Prozent der Teilnehmer sind klar dagegen. Und das gilt bei geringen Schwankungen in den Prozentwerten für Frauen und Männer, Jüngere und Ältere gleichermaßen. Die Idee zu einem solchen neuen Innenstadt-Magneten taucht seit Jahren immer wieder mal auf, etwa in Zusammenhang mit der ehemaligen Karlskaserne am Nordrand der Kaiser-Joseph-Straße, in der derzeit die städtischen Ämter für Kinder, Jugend und Familie sowie für Soziales und Senioren untergebracht sind. Wenn diese in einigen Jahren in den großen Rathaus-Neubau an der Fehrenbachallee ziehen (geplant für 2019), würde in zentraler Lage ordentlich Platz frei. Die Hamburger Projektentwicklungsgesellschaft ECE, die etwa die Schloss-Arkaden in Braunschweig verwirklichte, hatte schon einmal entsprechendes Interesse bekundet. Doch nur etwa jeder siebte Innenstadtbewohner würde sich über mehr Angebotsvielfalt an dieser Stelle freuen. Die meisten befürchten vielmehr, durch ein solches Shopping-Schwergewicht würden das ökonomische Gleichgewicht in der Fußgängerzone aus der Balance gebracht und kleinere Läden in der Existenz bedroht. Ähnlich waren bislang die Rückmeldungen von Händlerzusammenschlüssen, Verwaltung und Gemeinderat.

Rotteckring

Ambivalenter sind die Rückmeldungen zu einer anderen großen Veränderung, die nicht nur möglich ist, sondern bereits begonnen hat: Dem Umbau des Rotteckrings zu einer Fußgängerzone mit Straßenbahn steht immerhin ein knappes Drittel der Befragten skeptisch gegenüber. Diese erwarten, dass sich die Gesamtsituation trotz der investierten Millionensummen verschlechtert – etwa indem der Verkehr, für den die Durchfahrt nun gesperrt ist, sich neue Wege durch Wohnquartiere sucht. Dass bisherige Wiesenflächen vor dem Uni-Kollegiengebäude II weitgehend gepflastert werden sollen, rief obendrein Klimaforscher auf den Plan, die für den Sommer tropische Hitze vorhersagen (BZ berichtete). Insgesamt gibt es aber eine knappe Mehrheit, die von dem Projekt eine Aufwertung der Innenstadt erwartet. Die Zuversicht ist bei den Frauen etwas ausgeprägter als bei den Männern. Während bei anderen BZ-Telefonbefragungen übrigens mehrfach Frauen im Vergleich zur Quartiersbevölkerung insgesamt überrepräsentiert waren und die Altersgruppe der Unter-30-Jährigen unterrepräsentiert, gab es diesmal unter den zufällig ausgewählten Teilnehmern eine sehr gleichmäßige Verteilung von Geschlechtern und Altersgruppen. Das spricht für eine stadtteilweite Aussagekraft der Ergebnisse.

Lob und Kritik

Wie wohl sie sich im Stadtteil fühlen, sollten die Befragten mit einer Schulnote bewerten. Die Durchschnittsnote von 2,01 ist allemal vorzeigbar. Im Vergleich aller 25 Quartiersbefragungen, die mit dieser Folge enden, reicht das jedoch nur für Platz 20. Angesichts der Tatsache, dass die Altstadt laut dem Statistikwerk "Mietspiegel" das teuerste Pflaster für Mieter in Freiburg ist, gibt das zu denken. Dahinter liegen im Zufriedenheitsranking nur die Stadtteile Stühlinger, Landwasser, Haslach, Weingarten und Brühl-Beurbarung. Bei der Bitte, aus einer vorgegebenen Liste das "größte Problem" im Quartier zu benennen, landete die Verkehrssituation mit 34,3 Prozent vor den als zu hoch empfundenen Mieten (29,9 Prozent). Da diese Liste für alle Stadtteilbefragungen gleich war, waren für die Innenstadt besonders relevante Problemfelder wie Lärm, Vermüllung oder Sicherheit allerdings nicht enthalten.

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Autor: Thomas Jäger