Das Ende des Franziskanerplatzes

Peter Kalchthaler

Von Peter Kalchthaler

Mo, 13. Februar 2017

Freiburg

WIEDERSEHEN! Das Areal vor dem ehemaligen Franziskanerkloster benannten die Nazis in Rathausplatz um.

INNENSTADT. Die zur Zeit im Augustinermuseum gezeigte Ausstellung "Nationalsozialismus in Freiburg" hatte schon vor ihrer Eröffnung im November 2016 eine ungeahnte Aktualität bekommen. Bei Beginn der Vorbereitungen vor mehr als drei Jahren konnte keiner ahnen, dass über den Erhalt von Fundamenten der Synagoge oder belastete Straßennamen solche intensive Debatte geführt werden würde, von den aktuellen politischen Entwicklungen ganz zu schweigen. Zu den unter nationalsozialistischer Herrschaft umbenannten Plätzen zählt der heutige Rathausplatz.

Der Platz hatte bis 1936 aufgrund seiner Lage beim ehemaligen Barfüßerkloster "Franziskanerplatz" geheißen. Erst 1845 war der Platz durch weitgehenden Abbruch des Kreuzgangs und angrenzender Wirtschaftsgebäude des Klosters entstanden. Den verbliebenen Ostflügel des Kreuzgangs kann man links hinten auf dem historischen Bild erkennen. Das Neue Rathaus, das den Platz heute nach Westen begrenzt, gab es noch nicht. Damals stand hier das alte Kollegium der Universität, das erst zwischen 1896 und 1901 zum Rathaus umgebaut und erweitert wurde.

Schon 1844 hatte der Gemeinderat den künftigen Platz als Standort des Denkmals für den 1840 verstorbenen Freiburger Historiker und liberalen Politiker Karl von Rotteck ausersehen. 1847 war das politisch brisante Monument fertig, durfte aber erst nach der ersten Phase der Revolution im Oktober 1848 aufgestellt werden. Bis 1850 blieb es unter einem Bretterverschlag verborgen. 1851 beschloss der Stadtrat, das inzwischen freigelegte Denkmal in einen Brunnen umzuwandeln, doch während das Projekt noch diskutiert wurde, ließen die übergeordneten Behörden das ungeliebte Denkmal abtragen und einlagern. Es sollte in den folgenden 150 Jahren noch mehrfach seinen Platz wechseln; zuletzt stand es vor dem Uni-Kollegiengebäude II auf dem Platz der Alten Synagoge, derzeit ist es wieder einmal eingelagert und soll hinter dem Peterhof eine neue Aufstellung finden. Das Rotteckdenkmal wurde durch das politisch offenbar weniger brisante Brunnendenkmal für den Mönch Berthold Schwarz ersetzt, das der Bildhauer Alois Knittel gestaltet hat. Im Herbst 1852 wurde es errichtet und sollte an die angebliche Erfindung des Schießpulvers ein halbes Jahrtausend zuvor im Jahr 1353 erinnern. Die historische Aufnahme von Gottlieb Theodor Hase ist kurz nach der Aufstellung entstanden, was man an den noch kleinen, mit Brettern geschützten Kastanienbäumchen erkennt, die das Denkmal umstellen.

Nach der Machtübernahme durch die Nationalsozialisten und dem Einzug des Parteigenossen Franz Kerber ins Rathaus – zuvor hatte der neue Oberbürgermeister als Chefredakteur des Parteiorgans "Der Alemanne" mit einer Hetzkampagne seinen demokratisch gewählten Vorgänger Karl Bender zum Rücktritt gezwungen – gerieten der Brunnen mit dem Franziskanermönch und die Benennung des Platzes nach seinem Orden in die Diskussion. So sollte das Denkmal für den Schießpulvererfinder zwar nicht ganz verschwinden, aber an einen weniger prominenten Ort neben den Chor der Kirche versetzt werden, den Franziskanerplatz wollte die Stadtspitze umbenennen. "Wegen des schändlichen Treibens dieses Ordens" – so hatte Kerber argumentiert – erhielt er im September 1936 tatsächlich den neuen Namen "Rathausplatz". Gleichzeitig wurde aus dem selben Grund die Franziskanerstraße in "Alte Kollegien-Gasse" umbenannt. Während letztere seit 1946 wieder Franziskanerstraße heißt, blieb die durchaus im Ungeist der Zeit erfolgte Neubenennung des Platzes bis heute bestehen.

Das Denkmal aber behauptete sich in der Mitte des Rathausplatzes und versteckt sich im Sommer hinter den Kronen der inzwischen hoch gewachsenen Kastanien, die es schon vor 164 Jahren umgeben haben.