Datenbanktechnik

Das erste Blockchain-Symposium in Freiburg war gut besucht

Holger Schindler

Von Holger Schindler

So, 02. Dezember 2018 um 12:23 Uhr

Freiburg

Ein wenig Goldgräberstimmung, ein wenig Weltretter-Attitüde – das prägte die Atmosphäre bei Freiburgs erstem Blockchain-Symposium. Etwa 400 Menschen verfolgten an der Uni kompakte Fachvorträge rund um die Blockchain.

Es geht um die neuartige Datenbanktechnik (siehe Infobox), die mit der Cryptowährung Bitcoin weltweit Bekanntheit erlangt hat. Die Blockchain kann ebenso die Mobilität, die Medien und andere Bereiche der Gesellschaft umkrempeln – doch es gibt auch Risiken.

Samstagnachmittag, Hörsaal 1010 in Uni-Kollegiengebäude I – der Raum ist brechend voll. Die Veranstalter von Freiburgs erstem Blockchain-Symposium mussten bei den Anmeldungen bremsen, denn mehr Zuhörer passten einfach nicht in die Reihen mit zusammen rund 400 Sitzplätzen. Organisiert haben die Zusammenkunft drei Initiativen mit Uni-Bezug: der Verein der Freiburger Wirtschaftswissenschaftler, der Foundersclub Freiburg und der Börsenverein Freiburg.

Das Programm des Events, das auch von der Stadt Freiburg unterstützt wird, hat es in sich: Rund ein Dutzend Referate stehen zwischen 13 und 18 Uhr auf der Agenda. Eine junge Frau in der ersten Reihe sorgt dafür, dass die Sprecherinnen und Sprecher ihre Redezeit nicht überziehen. Die Zuhörer scheinen angesichts der geballten Informationsflut keineswegs wegzudämmern – im Gegenteil. Nach den einzelnen Vorträgen, die jeweils rund 25 Minuten dauernd, kommen sofort Fragen aus dem Publikum.

Ein System soll Bezahlvorgänge revolutionieren

"Saving the world – one blockchain at a time!" Diesen Satz lässt Christopher Burgahn bei seinem Auftritt an die große Leinwand werfen. "Die Welt retten – Blockchain für Blockchain!" ließe sich das auf Deutsch übersetzen. Burgahn arbeitet für die Stiftung Share & Charge in Zug in der Schweiz. Die Stiftung arbeitet an einem System, welches das Aufladen von Elektroautos revolutionieren soll – beziehungsweise die Abwicklung der damit verbundenen Bezahlvorgänge.

Denn die Ladestationen für Elektroautos werden von vielen verschiedenen Anbietern betrieben, Servicepersonal vor Ort gibt es nicht. Wie kommen nun der Fahrer eines beliebigen Elektroautos und der Anbieter einer beliebigen Ladestation zusammen? Genauer gefragt: Wie schafft man es, dass das Aufladen erlaubt wird und im Gegenzug das entsprechende Entgelt entrichtet wird. "Wir denken, dass die Blockchain hier eine Lösung sein kann – ohne Mittelsmänner, welche sich dazwischenschalten", erklärt Burghan.

Idealismus und Potenzial

Wenn er von dem Projekt erzählt, klingt viel Idealismus mit. "Wir wollen einen Schritt in die richtige Richtung tun, um die Welt besser zu machen", sagt der junge Mann, der in Ulm nachhaltige Unternehmensführung studiert hat. Ähnliches klingt auch beim Referat von Titusz Pan durch. Der IT-Experte ist Vorstand der im Jahr 2000 gegründeten Craft AG in Freiburg. Das Unternehmen war Teil eines Entwicklungsprojekts, bei dem es um die Nutzung der Blockchain für die Vermarktung von Medieninhalten ging. Der IT-Konzern Google hat das mit 400.000 Euro gefördert – was zeigt, dass auch Profitpotenzial in der Technik steckt. "Mir ist dabei klar geworden, dass die Blockchain-Technik komplexer und tiefer ist, als es zunächst scheint, aber dass sie tatsächlich das Potenzial hat, die Welt zu verändern", so Titusz Pan.

Angesprochen wurden beim Symposium auch die Grenzen und Probleme – etwa der hohe Energieverbrauch. "Ich habe hier einiges gelernt", sagt Alex Giurca, der zu den Besuchern des Symposiums gehört. Er ist Doktorand im Bereich Forst- und Umweltpolitik an der Uni Freiburg: "Für mich ist interessant, ob und wie man die Blockchain zum Beispiel bei Umweltzertifikaten nutzen kann. Da könnte die Technik vielleicht mehr Transparenz für Verbraucher schaffen, die umweltfreundliche und nachhaltige Produkte suchen."

Für andere Teilnehmer geht es auch die um persönliche Berufsperspektive. "Ich habe mein Studium der Finanzmärkte abgeschlossen, und ich könnte mir nun gut vorstellen, einen Job in der Blockchain-Branche zu finden, etwa in der Schweiz, die da schon wesentlich weiter ist als Deutschland", sagt Teilnehmerin Isabella Hoffmann.
Blockchain

Die Blockchain ist eine spezielle Form einer Computerdatenbank. Das Besondere dabei ist, dass die Daten dezentral und redundant, also identisch auf einer Vielzahl von Rechnern, in einem Computernetzwerk abgelegt werden – und zwar so, dass jeder neue Datensatz mit allen vorhergehenden mittels spezieller kryptografischer Verfahren verkettet ist. Dies führt dazu, dass die Daten in der Blockchain gegen Manipulation geschützt sind. Bekannt geworden ist die Blockchain vor allem als technische Basis für die Kryptowährung Bitcoin. Anwendbar ist sie aber im Prinzip überall, wo bisher Mittelsmänner zum Einsatz kommen, um Vertrauen herzustellen und eine korrekte Abwicklung von Geschäften zu gewährleisten, etwa Notare oder Banken. Diese Aufgabe könnte auch die Blockchain übernehmen.

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