Literatur

Das Freiburger Literaturhaus ist offiziell eröffnet

Bettina Schulte

Von Bettina Schulte

Mo, 23. Oktober 2017

Freiburg

Für alle, die Bücher und Bäume lieben: Am Sonntag wurde das Literaturhaus in der Alten Universität eröffnet. Die Freude über einen "genialen Standort" war groß.

Aufgeräumte Gesichter, wohin man blickte, und auch die sich seit Samstag rar machende Herbstsonne tauchte für eine kleine Weile den Innenhof der Alten Universität in goldenes Licht: Am Sonntagvormittag wurde im Beisein der Stuttgarter Kunst-Staatssekretärin Petra Olschowski, des Freiburger Oberbürgermeisters Dieter Salomon und des Rektors der Albert-Ludwigs-Universität Hans-Jochen Schiewer das Freiburger Literaturhaus offiziell eröffnet.

Es hat am Ende sieben Jahre gedauert, bis Martin Bruch, der alte und neue Hausherr, die geladenen Gäste in dem neu gestalteten ehemaligen Theatersaal des historischen Gebäudes an der Bertoldstraße begrüßen konnte. Er machte das sehr charmant – in Anlehnung an den Debütroman der Schweizer Autorin Dorothee Elmiger, dessen Titel "Einladung an die Waghalsigen" dem Eröffnungstag das Motto gegeben hatte. Bei der Einladung ins neue Haus wurde noch nicht einmal der Hund des Hausmeisters vergessen.

Der Oberbürgermeister nahm in seinem Grußwort das Motto auf und drehte es um: Waghalsig sei das Projekt keineswegs – im Gegenteil. Dieter Salomon sagte dem Freiburger Literaturhaus, bei dem die Stadt mit der Universität kooperiert, eine glänzende Zukunft voraus: "Es wird Furore machen. Da bin ich mir sicher." Einen "Helden" machte er in dem langwierigen Ringen um den Standort des Literaturhauses aus: den Uni-Rektor, der gegen Bedenkenträger in den eigenen Reihen am Projekt festgehalten habe.

Tatsächlich war lange das universitätseigene Gebäude am Werthmannplatz 4 im Gespräch – bis klar wurde, dass auch wegen des nötigen Brandschutzes die Umbaukosten zu hoch ausfallen würden. An den Kosten war auch die allererste Überlegung gescheitert, das Literaturhaus an die Rückfront des Theaters anzubauen – ein, wie Salomon auch heute noch findet, "bestechender Gedanke". Doch der jetzige Standort mitten in der Stadt sei schlicht "genial" – wie auch der Umbau zu einem so funktional wie ästhetisch geglückten Veranstaltungsraum "genial gelungen" sei.

Petra Olschowski zeigte sich besonders angetan von der Kooperation zwischen Wissenschaft und Literatur. Sie hob auch aus eigener Erfahrung mit Stefanie Stegmann, der ehmaligen Leiterin des Literaturbüros Freiburg, die nach Stuttgart gegangen ist, die Bedeutung eines Literaturhauses für die Stadtgesellschaft hervor. Mit Blick auf die beiden Baumriesen im Innenhof, die 1848 gepflanzt wurden und es dem Literaturhausleiter besonders angetan haben, freute sie sich über "offene Türen für alle, die Bücher und Bäume lieben". Freude auch beim "Helden" Hans-Jochen Schiewer, der sich in seiner Funktion als Germanist angesprochen fühlte. Für die Literatur, meinte der Mediävist, könne es keine bessere Umgebung geben als diesen Ort, an dem vor über 500 Jahren "die Uni anfing".

Von Geld war ausnahmsweise nicht die Rede, dafür von der "Kraft einer Gegenwelt" (Bruch), wie sie nur die Literatur schaffen kann. Der Literaturhausleiter, der mit Katharina Knüppel (Programm) und Birgit Güde (Junges Literaturhaus) ein starkes Team bildet, sah sich vom Schriftsteller Hanns-Josef Ortheil zum Intendanten geadelt. Literaturhäuser, sagte Ortheil in seiner Festrede, hätten als "zeitgemäßes Universum der Literatur" aufgeschlossen zum Theater. So gesehen gewinnt der zeitgleiche Doppelstart des Literaturhauses und der Städtischen Bühnen unter neuer Intendanz zusätzliche Symbolik.

Während die letzten Festgäste das Haus verließen, hatte sich draußen schon eine lange Schlange gebildet: lauter Kinder mit ihren Eltern. Ab mittags war die Bühne für sie frei.