Debatte und Test

Das Leitsystem für Blinde am Freiburger Hauptbahnhof hat Lücken

Bettina Gröber

Von Bettina Gröber

Mi, 08. Juni 2016

Freiburg

Am Tag der Sehbehinderten haben Mitglieder des Blinden- und Sehbehindertenvereins den Verantwortlichen der Deutschen Bahn am Freiburger Hauptbahnhof gezeigt, wo Handlungsbedarf besteht. Und die beiden Seiten haben diskutiert.

Im Gewusel des Freiburger Hauptbahnhofs den Überblick zu behalten, ist nicht immer leicht. Was bei regem Betrieb schon für Otto Normalverbraucher Stress bedeuten kann, ist für Blinde und Sehbehinderte eine Herausforderung, die zu ihrem Alltag gehört. Barrierefreiheit für Menschen, die nicht oder nur eingeschränkt sehen können: Sie ist daher ein zentrales Anliegen des Blinden-und Sehbehindertenvereins Südbaden.

Am Tag der Sehbehinderten trafen sich Vertreter des Vereins am Montag mit Verantwortlichen der Deutschen Bahn im Hauptbahnhof, um vor Ort auf diejenigen Punkte hinzuweisen, an denen in puncto Leitsysteme, Kontraste und Lesbarkeit für Blinde und Sehbehinderte noch Handlungsbedarf besteht.

Bei Leitsystemen handelt es sich um die hellen, gerillten Streifen, die sich durch die Bahnhofshalle und entlang der Gleise eins bis drei ziehen. Auch im DB-Reisezentrum sind sie zu finden. Mischa Knebel, Geschäftsführer des Blinden-und Sehbehindertenvereins Südbaden, wies am Montag auf das größte Manko in diesem Bereich hin: Das Leitsystem führt zwar zu den Aufzügen und zu den Gleisen, nicht aber zum Reisezentrum. Diese Lücke, so Knebel gegenüber den DB-Vertretern, müsse geschlossen werden.

Wolf-Dieter Sutter, Leiter des Bahnhofsmanagements in Freiburg, und Michael Groh, Leiter des Regionalbereichs Südwest bei der DB Station & Service AG, sagten dies auch prompt zu: Bei einem weiteren Ortstermin sollen mit dem Verein noch die Details abgestimmt werden und im September oder Oktober soll das Leitsystem zum Reisezentrum ergänzt werden. Zudem soll auch eine Verbindung zur Rolltreppe ins Untergeschoss gelegt werden.

Auch Positives kam im Gespräch zwischen den Interessenvertretern und den Bahn-Verantwortlichen zur Sprache. So lobte Daniela Schmid, die als Vorsitzende des Freiburger Behindertenbeirats und Sprecherin von dessen AG Bau und Verkehr dabei war, die automatischen Eingangstüren der Bahnhofshalle: "Sie sind für alle Arten von Behinderung am besten geeignet." Speziell für Sehbehinderte seien die roten Markierungen mit dem Bahnlogo am besten zu erkennen. An den Eingangstüren sei die Gestaltung in grauer Farbe allerdings "sehr dezent". Schmid bat darum, auch dort die roten Markierungen anzubringen. Wolf-Dieter Sutter sagte zu, dies zu prüfen.

Schwache Beleuchtung im Untergeschoss

Ein großes Manko sieht Daniela Schmid auch in der Beleuchtung beim Haupteingang und im Untergeschoss des Bahnhofs. Sie sei zu dunkel. Laut Sutter bemüht sich die Bahn bereits darum, die Beleuchtung in diesen Bereichen zu verbessern. Derzeit liefen Prüfung und Planung. Ziel ist es laut Hans Stiene, Arbeitsgebietsleiter für die Anlagentechnik bei der DB Station & Service AG, dass bis Ende des Jahres für mehr Licht gesorgt wird.

Einiges von dem, was sich die Blinde und Sehbehinderte für den Freiburger Bahnhof wünschen, dürfte also recht zügig Wirklichkeit werden. Bei anderen Problemen wird es allerdings noch einige Geduld brauchen, ehe sich etwas tut. So sind etwa Leitsysteme auch für die Gleise vier bis acht, wie sie Mischa Knebel anregte, in den Planungen der Bahn frühestens in einigen Jahren vorgesehen. Und wieder andere Ideen erscheinen zwar smart, bleiben aber zunächst einmal nur Ideen – so etwa die Indoor-Navigation, die mittels Smartphone und kleinen Sendern (sogenannten Beacons) Blinde und Sehbehinderte durch den Bahnhof lotsen könnte.