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18. November 2013

Das Thema Alkohol treibt junge Freiburger um

Fest zum vorläufigen Abschluss des Projekts "Prärie abgefahren".

  1. Alkoholfreies Fest im Partywagen der VAG Foto: Thomas Kunz

François Leiçarrague, 17 Jahre alt, fährt am Samstagmorgen regelmäßig mit der Straßenbahn. Wenn er einsteigt, kommt ihm manchmal eine Alkoholwolke entgegen. Ja, es seien schon einige Alkoholleichen, die frühmorgens mit ihm fahren. Auch Jugendliche, so der junge Mann. Vergangenen Freitagabend saß Leiçarrague wieder in der Straßenbahn – mit Fruchtsaft-Cocktail in der Hand. Zusammen mit knapp 40 anderen jungen Leuten, allesamt Gewinner eines Online-Spiels, feierte er im Partywagen der VAG. Und das ohne Alkohol. Aufgesetzt wurde das Spiel von "Prärie abgefahren!", einem im Rahmen des Programms "Prävention alkoholbedingter Jugendgewalt" von der Stadtverwaltung und Freiburgs Suchtberatungseinrichtungen realisierten Projekts, das jetzt ausläuft.

Bevor gefeiert wurde, zogen die Verantwortlichen des Projekts und die VAG, die – wie auch die Polizeidirektion Freiburg – Kooperationspartner ist, Bilanz. Das Besondere an "abgefahren!" sei, dass es die Thematik Alkoholmissbrauch und Jugendgewalt mit in die Straßenbahn nehme, so Jeanette Piram von der Drogenhilfe Freiburg.

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Der Tram-Talk ist schnell hergestellt: Kaum sind die "abgefahren!"-Teams zugestiegen, sagen sie "Hallo" und schieben, wenn ihr Gegenüber Interesse zeigt, noch eine Frage wie "Wisst ihr, ob Alkohol kurzsichtig macht?" hinterher. Auch das Gewinnspiel, an dem Leiçarrague teilgenommen hat, wird kurz erwähnt. Zum Team gehören ein Suchthilfe-Profi und zwei geschulte Freiwillige, die Peer-Berater.

In 32 Einsatznächten und 474 Einsatzstunden wurden 3182 Personen erreicht, davon 1472 Mädchen und Frauen und 1710 Jungen und Männer. Aber nicht jeder Kontakt muss auch ein positiver sein, gerade wenn Alkohol im Spiel ist. "Die meisten waren es aber", so Karin-Anne Böttcher, die für die Stadt die Koordinationsstelle Kommunale Alkoholpolitik leitet und "Prärie abgefahren!" mitbetreut, "70 Prozent der Angesprochenen haben positiv oder sehr positiv auf den Einsatz reagiert, 25 waren neutral oder wurden nicht erfasst und nur fünf Prozent reagierten eher kritisch oder ablehnend." Für die Verantwortlichen ist das Erfolg genug. Ziel sei es, junge Menschen für das Thema zu sensibilisieren, sagt Jeanette Piram. Wie viele dann dauerhaft ihren Umgang mit Alkohol kritisch hinterfragen, lasse sich freilich statistisch nicht erfassen.

Fest steht: Das Thema treibt junge Freiburger um "Ja, es ist wichtig, dass man darüber spricht", so die 16-jährige Elena Zipfel, die am Freitag mit im Party-Wagen saß. Hanna Janocha, 17 Jahre alt, bestätigt, dass viele Jugendliche ihren Rausch immer öfters mit in die Straßenbahn nehmen.

"Wir stellen fest,

dass sich die Atmosphäre

in den Bahnen verändert"

Oliver Benz von der VAG
Auch vielen VAG-Fahrern fällt das auf. "Wir haben zwar noch keine Berliner Verhältnisse, stellen aber fest, dass sich die Atmosphäre in den Bahnen verändert", berichtet Oliver Benz, bei der VAG Unternehmensbereichsleiter Angebot und Betrieb. Bei einer im Rahmen des Präventionsprojekts durchgeführten Umfrage gaben denn auch 90 Prozent der in den Straßenbahnen Befragten an, dass ein Projekt wie "abgefahren!" durchaus sinnvoll ist.

Darum soll es, obwohl es jetzt erstmal ausläuft, auch weitergehen. Gefördert wurde das Projekt bislang von der Stiftung Baden-Württemberg. Bis Februar 2014 ist noch Geld im Topf. "Danach hoffen wir auf neues", so Klaus Limberger von der Freiburger Fachstelle Sucht des Baden-Württembergischen Landesverbands für Prävention und Rehabilitation, die auch an dem Projekt beteiligt ist. Die Verantwortlichen setzen nun auf die Stadt.

Autor: Stephanie Streif