Technologie

Der Bächle-Zufluss wird mit neuester 3-D-Technik vermessen

Dominik Heißler

Von Dominik Heißler

Fr, 19. Oktober 2018 um 11:05 Uhr

Freiburg

Seit dem 13. Jahrhundert versorgt ein 1,3 Kilometer langer Stollen die Freiburger Bächle mit Wasser. Jetzt wird er von zwei Vermessungs-Experten erstmals vermessen.

Orangefarbene Obi-Eimer sollen den Weg markieren. Guillermo Vera Utrilla und Andreas Wachaja schieben sie auf einem Transportroller in den dunklen Stollen. Der ist so eng, dass sie gebückt im Entengang gehen. Es riecht feucht, von der Decke hängen Stalaktiten, weiß vom Spritzbeton. Ab und zu taucht eine Spinne im Lichtkegel der Stirnlampen auf. Ihr Vorhaben an diesem Dienstag: Sie wollen den 1,3 Kilometer langen Stollen vermessen, der die Freiburger Bächle seit dem 13. Jahrhundert mit Wasser versorgt.

Ein Test für die Vermessungstechniker

Vor dem Stollen, im trockenen Gewerbekanal an der Kartäuserstraße, direkt bei der Schleuse mit der kleinen Mauer, wartet Bertram Jenisch vom Landesamt für Denkmalpflege. Dort sind auch Runzmeister Christian Himmelsbach und dessen Bruder und Stellvertreter Iso Himmelsbach, ebenso Nicolas Trusch, der wie Vera Utrilla und Wachaja von der Firma "dotscene" ist. Das 2016 gegründete Start Up will seine mobile Vermessungstechnik unter besonderen Bedingungen testen. Anfang des Jahres fragten sie deshalb beim Landesamt für Denkmalpflege, ob die einen geeigneten Ort wüssten.

"Da ist mir sofort der Stollen eingefallen", erinnert sich Bertram Jenisch. Es sei eine "Win-Win-Situation": Die Vermesser könnten testen und "wir bekommen genauere Daten über den Stollen". Aber wofür? "Nur was wir kennen, können wir auch schützen", erläutert Jenisch. Es gebe zwar keine aktuelle Gefährdung, aber es sei ihre Aufgabe, Daten zum Denkmalbestand zu sammeln. Einen genauen Plan des Stollens gebe es nicht. "Der Brunnen ist eine bergmännische Pionierleistung für das 13. Jahrhundert. Und funktioniert seitdem tadellos." Jetzt könnte man außerdem herausfinden, wie präzise die Bergleute damals gearbeitet haben. "Der Bächlestollen war im Schatten der stadtgeschichtlichen Forschung", urteilt Runzmeister Christian Himmelsbach.

Ein dreidimensionales Bild vom Tunnel

Licht in dieses Dunkel soll ein kleiner, viereckiger Kasten bringen. Nach oben und zu einer Seite ragen Zylinder heraus. "In den Zylindern sind Laserpointer, die sich im Kreis drehen und dabei bis zu 600 000 Lichtstrahlen in der Sekunde aussenden", erklärt Andreas Wachaja das Prinzip. Diese Lichtstrahlen würden von den Wänden reflektiert, je nach Abstand unterschiedlich schnell.

Der Kasten steht nun auf einem orangenen Eimer, der wiederum auf einem Transportroller. Der Spanier Vera Utrilla und Wachaja schieben den Roller ins Stollendunkel. Rote Strahlen sendet der Kasten aber nicht aus. "Das ist Infrarot", entschuldigt Wachaja, er schimmere nur ein wenig rot in den Zylindern. Wie ist das aber für die beiden, durch den Tunnel zu laufen? "Ein bisschen eng, aber das geht schon", meint Vera Utrilla. Das sei auch für sie etwas Besonderes, normal würden sie Gebäude vermessen. Der Kasten macht dabei einzelne Scans. "Die setzen wir dann zusammen", ergänzt Nicolas Trusch. Man kann sich das also ähnlich vorstellen wie bei einem Panoramabild? "Ja, aber eben dreidimensional." Die orangenen Eimer dienen dabei als Wegmarker, um die Scans später richtig zusammenzusetzen. "Für mich ist das auch als Freiburger sehr spannend", so Trusch.

Der Termin steht seit mehr als einem halben Jahr. Um den Stollen zu begehen, musste sicher sein, dass er kein Wasser führt. Die beste Zeit dafür ist der alljährliche Bachabschlag, zwei Wochen, in denen der Gewerbekanal trocken liegt, um ihn instand zu halten. "Den Gewerbekanal und die Bächle sauber zu halten, ist Aufgabe der Stadt", erklärt Iso Himmelsbach. Die Runzgenossenschaft wurde 1534 gegründet. Sie kümmert sich um die regelmäßige Wasserzufuhr der Bächle und darum, "dass die Runzen sauber bleiben". Eine Runz ist ein Grundstück, auf dem früher ein Kraftwerk stand.

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