Der Hackathon Freiburg hat schon nützliche Anwendungen hervorgebracht

Hanno Müller

Von Hanno Müller

Mi, 03. Mai 2017

Freiburg

Eine digitale Checkliste für Geflüchtete auf dem Weg zur ersten Anstellung, ein sich selbststeuernder Roboter oder eine Dolmetscher Plattform – der Hackathon Freiburg hat in den vergangenen beiden Jahren einige nützliche Anwendungen hervorgebracht.

Vom 19. bis 21. Mai wird der Wettbewerb der Stadt Freiburg zum dritten Mal stattfinden. Der diesjährige Themenschwerpunkt ist "Energie der Zukunft".

Was bedeutet Integration? Als wichtige Bestandteile gelten gemeinhin die deutsche Sprache zu beherrschen und mit den kulturellen Bräuchen hierzulande vertraut zu sein. Integration besteht jedoch auch aus bürokratischen Formalitäten und beginnt mit dem Gang zum Amt, wo Geflüchtete den Antrag auf Asyl stellen müssen. Die deutsche Bürokratie gestaltet sich nicht nur für Geflüchtete kompliziert, sondern auch für Einheimische. Deshalb hat das Team "321work!" beim Freiburger Hackathon 2016 eine schrittweise Anleitung entwickelt, die Geflüchtete helfen soll, die notwendigen Schritte zu erledigen, um eine Anstellung zu finden. Die Anwendung ist fertig entwickelt und steht kostenlos in den Appstores.

Nicht alle Teams, die beim Hackathon angetreten sind, hätten fertige Anwendungen entwickelt, sagt Ivan Acimovic von der Koordinierungsstelle Open Government der Stadt Freiburg. Acimovic ist an der Organisation des Wettbewerbs beteiligt. "Im Vordergrund steht der Spaßfaktor", sagt der studierte Wirtschaftsinformatiker. Ziel sei nicht, fertige Anwendungen zu entwickeln, sondern Kontakte zu knüpfen und zu schauen, inwiefern sich die eigenen Ideen realisieren lassen. Deshalb steht beim Hackathon ein interdisziplinärer Ansatz im Vordergrund. Häufig melden sich einzelne Personen für den Wettbewerb an, die dann mit fremden Personen aus anderen Fachbereichen zusammen in einem Team arbeiten.

Allerdings können auch vollständige Teams mit einem bestehenden Konzept teilnehmen. Zum Beispiel trat 2015 die Gruppe "Galaxy" an, eine Arbeitsgruppe der Robotik der Universität Freiburg. Sie entwickelten ein Programm, das eine Vielzahl von Daten auswertet und daraus Steuerungsbefehle für einen Roboter ableitet. So konnten sie einen mit Kamera und Sensoren ausgestatteten Roboter dazu bringen, verschiedene Bewegungen auszuführen. Das entwickelte Programm wurde mittlerweile aufgekauft und kommt im medizinischen Bereich bei der Steuerung von Mikroskopen und Teleskopen zum Einsatz. Obwohl das Programm einen großen Mehrwert darstellt, belegte es nicht den ersten Platz, da die Gruppe schon sehr weit fortgeschritten im Projekt gewesen sei, sagt Acimovic.

Gewonnen hat 2015 stattdessen das multi-ethnische Team "Maverick" mit Gruppenmitglieder aus vier verschiedenen Ländern, das die digitale Plattform "Neulingo" entwickelt hat. Neulingo vermittelt Neuankömmlinge an hilfsbereite Bürger und ermöglicht den Austausch zu bestimmten Fragen und Aufgaben wie Übersetzungen, einem Gang zum Amt oder der Suche nach einem passenden Sportverein. Das Team habe den Programmiercode zu der App zwar veröffentlicht, sagt Acimovic, benutzt und weiterentwickelt würde dieser Code jedoch nicht.

Beim diesjährigen Hackathon erwartet Ivan Acimovic interessante Beiträge. Lauteten die Themen der ersten beiden Hackathon "Open Data" und "Newcomer", steht dieses Jahr das Thema "Energie der Zukunft" im Vordergrund. Gerade das Thema Energie stößt in der Industrie auf großes Interesse. So habe die Industrie in den Niederlanden erst vor kurzem das Start-up "Blog-Chain" aufgekauft, sagt Acimovic. "Wenn es zum wirtschaftlichen Erfolg der Teams kommt, dann jetzt im Energiebereich." Neu ist dieses Jahr, dass es keine Platzvergabe geben wird. Da die Gruppen unterschiedlich weit im Projekt sind, sei ein Vergleich zwischen den Gruppen einfach sehr schwierig. Stattdessen wird die Jury kleinere Preise für die beste Idee, Umsetzung und Benutzerfreundlichkeit vergeben. Acimovic wird die Gruppen als Mentor beraten. Selbst programmiert er mittlerweile allerdings nur noch "hobbymäßig".

Der Hackathon Freiburg 2017 findet von 19. bis 21. Mai im Carl-Schurz-Haus, Eisenbahnstraße 58-62 in Freiburg statt.