Doch kein Abriss

Der Meierhof der alten Kartaus in Freiburg wird saniert

Simone Höhl

Von Simone Höhl

Do, 05. Oktober 2017 um 15:47 Uhr

Freiburg

Eigentlich sollte der einsturzgefährdete Meierhof der alten Kartaus schon längst abgerissen werden. Nun gibt es eine Wende um 180 Grad, er bleibt stehen, seine Rettung heißt: Sanierung.

Der Meierhof der alten Kartaus ist gerettet. Am Mittwoch wurden beim Notar die Papiere unterzeichnet. Danach sollen Projektentwickler Willi Sutter und Kollegen das Gehöft, dessen Abriss schon besiegelt war, als Baudenkmal erhalten. Entstehen sollen darin Wohnungen, hauptsächlich für Lehrer des "United World Colleges".

"Es herrscht große Freude", sagte Hans-Werner Cieslik, Geschäftsführer der Bosch-Stiftung nach dem Notartermin vor dem Meierhof. "Sämtliche Vereinbarungen wurden in einem Rutsch beurkundet." Nach rund zwei Jahren kniffliger Verhandlungen ist der Weg frei für die Sanierung. Die Stuttgarter haben die Kartaus sanieren lassen und die ersten College-Schüler längst ihren Abschluss gemacht, aber der Meierhof ist noch immer einsturzgefährdet.

Eigentlich sollte das ab 1745 errichtete Gehöft mit dem Rest saniert werden. Aber laut einem Gutachten war es so marode, dass nicht viel Denkmal übrig geblieben wäre. Der Denkmalschutz gab grünes Licht für einen Abriss, ein Neubau sollte geplant werden. Die optimale Lösung, wenn die Bosch-Stiftung selbst gebaut hätte, sagte Cieslik. Sie könne nicht endlos investieren. "Der Campus hier hat uns über 50 Millionen gekostet." Bisher war die Rede von 44.

Es gab zwei Knackpunkte: Erbbaurecht und Wirtschaftlichkeit

Doch es hagelte Kritik und Willi Sutter legte ein erstes Konzept vor. Die Firma Sutter3kg von ihm und seinen drei Kompagnons ist spezialisiert auf Altbausanierung und schwierige Fälle wie die Alte Schule und der Farrenstall. Lange tat sich nichts, doch hinter den Kulissen waren Sutter, Freiburgs Heiliggeistspitalstiftung, der das Grundstück gehört, Bosch und Rathaus am Tüfteln. Es gab zwei Knackpunkte: Das Erbbaurecht und die Wirtschaftlichkeit der denkmalgerechten Sanierung. "Es war für uns ein großer Lernprozess", sagte Sutter.

Die Lösung ist kompliziert: Die Chefs der Sutter3kg gründen die "Meierhof GbR". Die Gesellschaft bürgerlichen Rechts übernimmt von Bosch den Meierhof und das Erbbaurecht für das Grundstück. Wie viel die GbR für das Haus zahlt, sagen Bosch und Sutter nicht. Norbert Butsch von der Freiburger Stiftung sagt zum neuen Pachtzins nur: "Es ist etwas mehr, aber eine faire Lösung." Cieslik: "Jeder musste sein Scherflein beitragen."

Im Frühsommer 2018 soll es mit der Sanierung losgehen

Die Meierhof GbR saniert und schafft zwölf Wohnungen, für die sie Miete bekommt: Zehn kann das College belegen, die übrigen kann sie frei vermieten. Sutter betonte, die Stadtverwaltung habe Lösungen in Sachen Baurecht und Denkmalschutz gefunden. Zu dem rechnen die Behörden inzwischen auch Anbauten. Damit sei die Basis zum Teil eine andere: "Wir werden einen Substanzerhalt von 80 Prozent schaffen." Sein Geschäftspartner Axel Bürk meinte: "Und wir haben die Erfahrung, Kulturdenkmäler zu erhalten."

Im Frühsommer 2018 wollen sie loslegen. Baubürgermeister Martin Haag freute sich, dass soweit alles unter Dach und Fach ist, sagte er auf Anfrage: "Wir haben uns auch wirklich angestrengt, unseren Beitrag zu leisten."