Der neblige Wald als Inspiration

Sarah Nöltner

Von Sarah Nöltner

Mo, 19. Dezember 2016

Freiburg

Lilja Schreiber ist Gewinnerin des Jugendkunstpreises im Bereich Mode- und Kostümdesign, nun darf sie mit einem Profi arbeiten.

Luftig, fluffig und naturnah sind die Entwürfe von Lilja Schreiber, der Gewinnerin des diesjährigen Jugendkunstpreises des Jugendbildungswerks im Bereich Mode- und Kostümdesign. Die reduzierten Figuren der 17-Jährigen wirken irgendwie märchenhaft und haben etwas Erdig-Feenartiges an sich. Sie sind bei den Treffen mit ihrer Mentorin Sarah Mittenbühler entstanden.

Mit dem Jugendkunstpreis werden Jugendliche und junge Erwachsene gefördert, die in einem der Bereiche Malerei, Film, Bildhauerei, Kostüm- und Modedesign, Illustration, Grafikdesign oder Fotografie tätig sind. Drei Monate treffen sich Künstler und Stipendiat einmal in der Woche und arbeiten gemeinsam.

Für Sarah Mittenbühler, als Mode- und Kostümdesignerin am Theater Freiburg vor allem für die Kostümentwürfe der Opernproduktionen zuständig, ist wichtig, dass sich ein künstlerischer Prozess entwickelt, in dem ein ergebnisoffenes Ausprobieren möglich ist. Sie möchte Lilja einen realistischen Einblick in ihre Arbeitswelt geben, sie handwerklich und mit ihrer Erfahrung unterstützen und ihr zeigen, wie man als Kostümdesignerin künstlerisch tätig sein kann.

Lilja, die bisher viel gemalt hat, erzählt, in ihren Treffen habe Mittenbühler ihr Kreativitätstechniken gezeigt, die zu überraschenden Ergebnissen geführt haben. Sie habe erlebt, dass Malen von einem selbst komme. Sie hätten ausprobiert, dass ein künstlerischer Prozess auch von außen einen Anstoß bekommen könne und dürfe. Ihr Bild des Künstlers, der seine Kunst komplett aus sich selbst heraus schafft, hat sich im eigenen Erleben Schaffensprozesses erweitert. Auf Anregung von Mittenbühler habe sie recherchiert, Bilder und Texte gesucht und gefunden und sich mit ihnen auseinandergesetzt. Das Gedicht "Wünschelrute" von Joseph von Eichendorff und ein schwedisches Mittsommernachtslied wählte Lilja als Ausgangspunkt, spürte in die Stimmung hinein, versuchte, etwas über die im Lied beschriebenen Wesen herauszufinden.

Beim Kostümdesign geht es für Mittenbühler genau darum – aus dem Textgehalt der Bühnenwerke ein Bild der Rollen zu entwickeln und daraufhin die Kostüme. Dazu werden Stimmungsbilder und "Mood Boards" erstellt, ihr als Praktikerin sei es wichtig, ihrer Stipendiatin diese Techniken zu zeigen. Es sei, sagt Lilja, faszinierend, dass "nicht von Anfang an eine Idee da ist, sondern dass etwas entsteht", während man die gesammelten Dinge betrachtet und kombiniert. In Liljas Lied tanzen die Wesen aus der Mittsommernacht durch den Wald, bleiben aber irgendwie diffus, neblig, rauchig, "man weiß es nicht so genau", sagt Lilja. Sie sei in den Wald gegangen und habe Dinge gesammelt: Flechten, Moos, Rinde. Damit habe sie mit ihrer Mentorin weitergearbeitet, habe eine winzige Flechte groß kopiert, ausgeschnitten und auf dem Entwurf einer ihrer Figuren arrangiert.

Der nächste Schritt sei dann die Übertragung des Stimmungsgehalts dieser Wesen in ein Kostüm. Welcher Stoff würde passen? Welche handwerklichen Techniken braucht es? Liljas Assoziation war Tüll – und in dieser Richtung arbeitet sie ihr Kostüm aus. Mittenbühlers Erfahrung hilft, das Material richtig einzuschätzen. Was geht? Was geht nicht? Wie verhält sich der Stoff tatsächlich? Bei den Treffen in den nächsten Wochen werden die beiden konkret am Kostüm arbeiten. Schließlich soll im Frühjahr eine Werkschau von allen Stipendiaten stattfinden.

Spannend findet Lilja, dass bei den Treffen mit ihrer Mentorin "etwas passiert, fast von allein." Mittenbühler sagt: "Es ist toll, dass es den Jugendkunstpreis mit dem Stipendium gibt" und es den Jugendlichen ermöglicht werde, außerhalb des Schulunterrichts künstlerisch tätig zu sein, in der Praxis zu lernen und ein Berufsbild kennenzulernen.