Leute in der Stadt

Der Zahnarzt Wolfang Lapp engagiert sich für Menschen in Afrika

Julia Dannehl

Von Julia Dannehl

Mo, 06. November 2017

Freiburg

Wenn Wolfgang Lapp von Afrika erzählt, spielen die Armut und das Leid, das er dort gesehen hat, eine untergeordnete Rolle. Der 65-Jährige berichtet von Lebensfreude und einer scheinbar unzerstörbaren positiven Einstellung. Lapp ist Oralchirurg und seit vielen Jahren für Hilfsorganisationen im Einsatz – auf Mercy-Ships oder mit „Zahnärzte ohne Grenzen“, in Madagaskar, Indien oder Benin.

Als Zahnarzt in einem reichen Land sieht er eine Bringschuld gegenüber denen, die es nicht so gut haben. Seit seinem Studium engagiert er sich, wo er kann. Während seiner aktiven Zeit als Zahnarzt in Freiburg war das nicht immer einfach. "Mit drei Kindern und einer eigenen Praxis war ich zeitlich nicht so flexibel", erklärt er. Das änderte sich, als er 2015 seine Praxis aufgab.

Seitdem verbringt er rund drei Monate im Jahr auf Auslandseinsätzen, überwiegend in Afrika. Im September war er in Tansania, um sich ein neues Projekt anzuschauen. Und weil er schon mal da war, ist er auch gleich auf den Kilimandscharo gestiegen. "Wenn nicht jetzt, wann dann", sagt er und das scheint so etwas wie sein Motto zu sein. "Natürlich ist Geld notwendig, um der afrikanischen Bevölkerung zu helfen. Aber hingehen und machen ist effektiver."

Sorgen um sich selbst macht er sich dabei nicht. Bei seiner Arbeit sei er zwar Risiken wie einer Infektion ausgesetzt, aber mit der richtigen Vorsorge stelle dies kein ernsthaftes Problem dar. "Wir arbeiten in Gebieten, wo etwa 30 Prozent der Leute HIV-infiziert sind. Um uns zu schützen, betrachten wir jeden Patienten als potenziellen Überträger und sind immer auf der Hut." Bei Epidemien wie Ebola helfe dann aber doch nur, das Gebiet schnellstmöglich zu verlassen.

Wenn er für "Zahnärzte ohne Grenzen" im Einsatz ist, nimmt Lapp Material aus Deutschland mit. 25 Kilogramm Tupfer, Spritzen, Zangen, Anästhetika und vieles mehr fliegen mit ihm nach Afrika. Auf den Mercy-Ships ist das anders, die Schiffe sind voll ausgestattet. "Wenn ich dort ankomme, kann ich gleich loslegen." Die Arbeit bei den verschiedenen Organisationen unterscheidet sich deutlich, aber es gibt auch Gemeinsamkeiten: "Wir können immer nur eine grundlegende Versorgung leisten. Das bedeutet, dass nur ein Viertel unserer Arbeit darin besteht, Zähne zu erhalten. Die restliche Zeit verbringen wir damit, Zähne zu ziehen oder herauszuoperieren."

Für Zahnersatz, Implantate und kieferchirurgische Eingriffe fehlen Zeit und Geld. "Wir müssen den Leuten schnell und effizient helfen. Und möglichst so, dass sie lange ohne weitere Hilfe auskommen." Bei den Mercy-Ship-Einsätzen etwa sei die Zahl derer, die Hilfe benötigen, so groß, dass Scouts vor Ort im Vorfeld auswählen, wer auf das Schiff kommen darf. Sonst wäre der Andrang schlicht nicht zu bewältigen. Als einer von vier Zahnärzten auf dem Schiff behandelt Lapp 25 bis 30 Patienten täglich.

Lapp hat große Freude bei seinen Einsätzen. "Es ist ein wunderschönes Arbeiten. Man hat direkte Erfolge, wenn die Leute schmerzfrei sind und man bekommt viel zurück." Die Patienten seien dankbar und fröhlich, die Atmosphäre ganz anders als in deutschen Arztpraxen. Solange er noch fit ist, möchte er dazu beitragen, dringend benötigte Hilfe in arme Länder zu bringen. "Mein Einsatz ist nur ein kleiner Beitrag, aber wenn viele helfen, können wir auch viel erreichen."