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Die Asiatische Hornisse wurde erstmals in Freiburg gesichtet

Andreas Braun

Von Andreas Braun

Do, 30. Juni 2016 um 07:19 Uhr

Freiburg

Ein Haslacher Insektenkundler hat in Freiburg die Art gesichtet, die französischen Imkern bereits Probleme macht. Für Bienen ist das schlecht, doch was bedeutet es für die Menschen?

Ist die Asiatische Hornisse in Freiburg gelandet? Nachdem sie unlängst angeblich im Stadtteil Haslach gesichtet wurde, schaut es jedenfalls ganz danach aus. Für Menschen besteht nach Expertenmeinung wohl keine zusätzliche Gefahr, und ob dieser tierischer Neubürger der einheimischen Hornisse ernsthafte Konkurrenz bereiten wird, muss sich erst noch zeigen. Sorgen machen sich indes die Imker: In Frankreich hat sich das eigentlich in Südostasien beheimatete Insekt nämlich als Bienenschädling entpuppt.

Meist werden derartige Fundmeldungen ohne einen Fotobeleg in Fachkreisen skeptisch betrachtet – wegen fehlender Überprüfbarkeit und der Möglichkeit von Fehlbestimmungen. In diesem Fall ist es jedoch anders, da die Beobachtung von einem Experten stammt: Klaus-Ulrich Geis aus dem Stadtteil Haslach, dem die Asiatische Hornisse kürzlich in der Nähe der Carl-Kistner-Straße über den Weg geflogen ist, gilt als erfahrener Insektenkundler, weshalb seiner Bestimmung vertraut werden kann: "Ich bin mir ganz sicher, dass es die Asiatische Hornisse war", betont der Käferspezialist. Leider sei ihm auf die Schnelle allerdings kein Foto gelungen.

"Vespa velutina nigrithorax", wie die Asiatische Hornisse zoologisch heißt, hat im Gegensatz zur Europäischen Hornisse (Vespa crabro) einen vorwiegend schwarzen Hinterleib und gelbe Beinenden. Auch ist sie etwas kleiner: Arbeiterinnen werden etwa zweieinhalb, Königinnen bis zu drei Zentimeter groß. Außerdem fliegt die Asiatische Hornisse nicht bei Dunkelheit, während die Europäische Hornisse auch nachts aktiv sein kann.

Mit dem internationalen Handel ins Land gekommen

Dass ihre aus Asien stammende Verwandte jetzt auch in Freiburg aufgetaucht ist, überrascht Fachleute nicht, im Gegenteil: Man hat sie schon erwartet. Denn bereits 2014 wurde die Asiatische Hornisse bei Karlsruhe sicher nachgewiesen. Dorthin gelangt ist sie wohl über Frankreich: 2004 tauchte diese Art erstmals bei Bordeaux auf, wohin vermutlich eine einzige Königin gelangt war – und zwar im Zuge des internationalen Handels.

Von dort aus breitete sich die Asiatische Hornisse rasant weiter aus, pro Jahr schaffte sie etwa etwa hundert Kilometer: 2011 wurde sie in Belgien gesichtet, 2013 überquerte sie ostwärts die Grenze nach Italien. Vorletztes Jahr tauchte sie dann erstmals in Baden-Württemberg auf. Aus dem Regierungsbezirk Freiburg lagen bislang allerdings noch keine Fundmeldungen vor.

Für den Menschen stellt die Asiatische Hornisse vermutlich keine ernsthafte Bedrohung dar: In ihrer Giftigkeit unterscheidet sie sich nach Auskunft der Freiburger Vergiftungs-Informations-Zentrale nämlich nicht von der Europäischen Hornisse. Und da sie ihre Nester – im Gegensatz zu letzterer – frei hängend in Baumwipfeln und nicht an Gebäuden baut, ist die Wahrscheinlichkeit einer Begegnung sowieso als eher gering einzustufen.

Probleme dürfte der Neuankömmling indes den Imkern bereiten, da sich die Asiatische Hornisse inzwischen eindeutig als Bienenschädling entpuppt hat: "Sie patrouilliert im Flug vor den Einfluglöchern von Bienenstöcken und fängt zurückkehrende Sammlerinnen ab", erläutert Bruno Binder-Köllhofer, Fachberater für Imkerei beim Regierungspräsidium Freiburg. Für die Honigbiene stelle die Asiatische Hornisse somit eine "zusätzliche Belastung da, die absehbar sei".

Wie schnell Vespa velutina nigrithorax in Südbaden heimisch wird und ob damit noch weitere, ökologische Probleme verbunden sein werden, ist derzeit noch offen. Vermutet wird, dass sie der Europäischen Hornisse Konkurrenz machen könnte – ähnlich, wie zum Beispiel der Asiatische Marienkäfer dem einheimischen Siebenpunkt. Derzeit gibt es dazu allerdings noch keine wissenschaftlich verwertbaren Daten, weshalb die weitere Entwicklung sorgfältig beobachtet werden muss.

Die Asiatische Hornisse darf übrigens nicht mit der Asiatischen Riesenhornisse (Vespa mandarinia) verwechselt werden: Letztere ist etwas größer, hat einen gelben Kopf und ist in ihrer Heimat für Massenangriffe auf Wespen- und Bienenvölker bekannt. In Deutschland gibt es sie jedoch nicht.

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