Elisabethschwestern in Freiburg:

Die christliche Gemeinschaft feiert ihr Jubiläum

Sina Gesell

Von Sina Gesell

Do, 21. April 2016

Freiburg

Die Elisabethschwestern wirken seit 90 Jahren in Freiburg und haben auch in Indien viel erreicht / Heute Jubiläumsfeier.

Genau genommen ist die Gemeinschaft der Elisabethschwestern schon seit ein paar Monaten 90 Jahre alt. Denn Gründungstag ist der 25. Dezember 1925. Da das Datum mit Weihnachten kollidiert, wird erst jetzt gefeiert. Dennoch Anlass genug, um auf die Geschichte des Ordens zurückzublicken, der seinen Anfang in Freiburg nahm und auch in Indien viel bewirkt hat.

Im St. Elisabethkrankenhaus, heißt es, kamen die echten Freiburger Bobbele zur Welt, bis zu seiner Schließung 2012 mehr als 55 000 Kinder. Schwester Lincy Poonoly hat das schon nicht mehr mitbekommen. Seit zweieinhalb Jahren ist sie nun Generaloberin im Mutterhaus an der Dreisamstraße. Wie viele der Schwestern stammt sie aus Indien, wo die Gemeinschaft mittlerweile knapp 20 Niederlassungen in sechs Staaten gegründet hat.

Schon seit den 60er-Jahren nehmen die Elisabethschwestern indische Frauen auf. Viele von ihnen kehren nach ihrer Ausbildung – beispielsweise als Krankenschwester – in ihre Heimat zurück, andere bleiben. Als Schwester Lincy zur Generaloberin gewählt wurde, hatte sie eigentlich keine andere Wahl, als nach Freiburg zu ziehen. "Der Anfang war schwer", sagt sie. Auch weil sie damals kein Wort Deutsch gesprochen habe. Die Elisabethschwestern aber legen drei Gelübde ab: in Armut und Ehelosigkeit zu leben – und gehorsam zu sein. Also verpflichtete sich Schwester Lincy für sechs Jahre, bis die nächsten Wahlen anstehen, den Orden zu leiten. Das sei ihre Berufung.

Von den 24 Schwestern, die in Freiburg leben, kommen 18 aus Indien. Die Älteste von ihnen ist 70, die Jüngste 25 Jahre alt. Dass sich die Gemeinschaft für Frauen aus Indien öffnet, sieht Pressesprecher Markus Duchardt als Chance. Denn der katholische Orden sorge sich um den Nachwuchs. Wer sich einem Orden anschließt, suche meist einen alternativen Glaubensstil oder wolle sich zurückziehen. Für die Elisabethschwestern, deren Wurzeln bei der Caritas liegen, sei das unvorstellbar. "Wir werden zu den Menschen gesandt", sagt Schwester Lincy. Eben dorthin, wo sie helfen können.

Auch in Indien arbeiten die Schwestern im sozial-caritativen Bereich, in der ambulanten Krankenpflege, der Entwicklungshilfe oder in Schulen, von denen die Gemeinschaft sechs selbst aufgebaut hat. Dort werden Behinderte, Kinder aus HIV-kranken Familien, von Prostituierten oder Scheidungskinder unterrichtet. Auch Mädcheninternate wurden gegründet. Aus einer Wellblechhütte mit 37 Schülern sei mittlerweile eine Schule mit 3600 Schülern und mehr als 100 Lehrern geworden, erzählt Schwester Lincy, die vor allem für Verwaltungsaufgaben zuständig ist. Im Mutterhaus werden die Einsätze der Schwestern koordiniert, von denen einige im Lorettokrankenhaus arbeiten.

Derzeit seien die Elisabethschwestern dabei, sich neu zu orientieren, so die 50-Jährige. "Wo können wir noch helfen? Was passt zu uns?" seien die Fragen, die sich die Schwestern stellten. Im vergangenen Jahr hat der Orden sechs jesidische Frauen aus dem Irak mit vier Kindern aufgenommen, für Obdachlose gibt es an der Pforte täglich ein Vesper. Ganz im Sinne der Heiligen Elisabeth, der Namenspatronin des Schwesternordens, die als Vorbild für Nächstenliebe gilt.