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30. Dezember 2014

Institution mit Inselhopf

Die Hausbrauerei Feierling feierte 2014 ihren 25. Geburtstag - und plant eine Erweiterung

Die Hausbrauerei Feierling feierte 2014 ihren 25. Geburtstag und plant eine Erweiterung.

  1. Seit 25 Jahren in der Gerberau: die Hausbrauerei Feierling mit dem gegenüberliegenden Biergarten Foto: Michael Bamberger

  2. Martina Feierling-Rombach mit Ehemann Wolfgang Rombach, Tochter Charlotte, die Brau- und Getränketechnologie studiert, und Sohn Julius, der Volkswirtschaft studiert. Foto: Rita Eggstein

Wer in Freiburg reif für die Insel ist, der landet in der Regel beim Feierling. "Zur Insel", so heißt nämlich das im 15. Jahrhundert erstmals erwähnte Anwesen zwischen Bächle und Gewerbebach. 1877 gründete hier Julius Feierling seine Brauerei, die bis 1981 bestanden hat. Seine Urenkelin Martina Feierling-Rombach und ihr Mann Wolfgang Rombach wagten vor 25 Jahren einen Neustart und gründeten die Hausbrauerei Feierling. Die Gaststätte und ihr großer Biergarten sind in diesem Vierteljahrhundert zu einer Institution geworden.

Jetzt, zwischen den Jahren, kehren viele Freiburger und Besucher der Stadt in die Hausbrauerei ein und sitzen dort mit Blick auf die großen Kupferkessel. Aus dem Zapfhahn läuft das naturtrübe Inselhopf. Der Feierling brummt wie eh und je und das an sieben Tagen die Woche ohne Ruhetag. "Es macht großen Spaß, wir haben die Entscheidung noch keinen Tag bereut", berichtet Martina Feierling-Rombach, studierte Diplom-Braumeisterin. Der Charme dieses Gastbetriebs macht auch die Mischung seiner Gäste aus: Vom Abiturienten bis zum Rentner, vom Handwerker bis zum Unternehmer oder Professor, vom alten Freiburger bis zum Touristen – alle finden hier nun schon seit 25 Jahren ihren Platz.

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Mit einem Ausstoß von 2000 Hektolitern pro Jahr hatte die Hausbrauerei einst begonnen, mittlerweile liegt sie bei mehr als 3000 Hektolitern – ein Wachstum von 50 Prozent und das in einem schrumpfenden Markt. "Das zeigt, dass wir es ganz gut hinbekommen haben", bilanziert Ehemann Wolfgang Rombach. Der Volkswirt und ehemalige Banker in Frankfurt hat den Wechsel in die Freiburger Gastronomie nicht bereut, auch wenn das Ehepaar am Anfang nach dem Start vor 25 Jahren auch Lehrgeld zahlen musste: "Wir kannten das Geschäft ja nur von der anderen Seite der Theke", so Wolfgang Rombach.

Anfang der 80er-Jahre hatte die Konzentration auf dem Biermarkt begonnen. Dass die alte Inselbrauerei aufgab, hatte mehrere Gründe – darunter die schlechter gewordene Wasserqualität der eigenen Brunnen oder die für Liefer-Lkw ungünstige Lage in der Altstadt. Martina Feierling-Rombach hatte schon bald den Plan mit der eigenen Hausbrauerei im Hinterkopf. Gemeinsam mit ihrem Mann verfeinerte sie das Konzept. 1987/88 wurde geplant, dann gebaut: Die Hausbrauerei steht auf einem ehemaligen Trümmergrundstück, das lange als Parkplatz diente. Die Behörden unterstützten das Vorhaben, das nahezu in Rekordzeit umgesetzt werden konnte. Alte Fotos zeigen den damaligen Baubürgermeister Sven von Ungern-Sternberg beim Richtfest.

Die nächste Generation
steht in den Startlöchern

1989 feierte das Feierling-Bier sein Comeback. "Die Leute standen am Eröffnungstag Schlange, am ersten Tag war Chaos", erinnert sich Martina Feierling-Rombach. 20 Festangestellte und bis zu 140 Aushilfen beschäftigt das Brau-Unternehmen. Drei Mitarbeiter der ersten Stunde arbeiten noch heute für Feierling – der Betriebsleiter, ein Schichtleiter und eine Servicekraft. Tausende Studierende haben in den vergangenen 25 Jahren als Bedienungen im Biergarten ihr Studium mitfinanziert.

Die Gasträume verteilen sich auf drei Stockwerke. Serviert werden zum Bier badische Spezialitäten, der Essensanteil liegt heute viel höher als ursprünglich geplant. Dabei ist der Platz in der Küche begrenzt. "Wir machen alles selbst, die Soßen, die Spätzle – es gibt keine Convenience- und keine Tiefkühlprodukte", so die Chefin. Das Inselhopf ist ein Biobier mit betonter Malznote und wird naturtrüb unfiltriert ausgeschenkt.

Die Feierlings haben mit der Stadt den Pachtvertrag für den berühmten Biergarten verlängert. Der Freisitz unter den schattigen Bäumen gehört im Sommer zu den Freiburger Attraktionen, die in keinem Reiseführer unerwähnt bleiben. Geplant ist nun eine Erweiterung des Lokals. In einem angrenzenden Gebäude soll ein Gastraum neu eingerichtet werden, in dem Gruppen – etwa nach der Brauereiführung – bewirtet werden können.

Neben der Arbeit im Geschäft engagiert sich Martina Feierling-Rombach auch gesellschaftlich. Sie war einst als CDU-Stadträtin Stimmenkönigin im Gemeinderat, engagiert sich unter anderem im Unternehmerinnenverband, für Augustinermuseum und Münster sowie für den Verein Gastliches Freiburg.

Und auch die Zukunft scheint gesichert, die fünfte Feierling-Braugeneration steht in den Startlöchern. Tochter Charlotte studiert in Weihenstephan Brau- und Getränketechnologie, Sohn Julius Volkswirtschaft – und setzen damit auf die genau gleiche Kombination, mit denen ihre Eltern erfolgreich das Abenteuer Hausbrauerei gestartet haben.

Autor: Joachim Röderer