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11. Juli 2014

Die Kirche macht E-mobil

Das Erzbistum Freiburg erprobt die Alltagstauglichkeit von Elektroautos.

  1. Marianne Gerber, Leiterin der Abrechnungsstelle der Erzdiözese in Riegel fährt schon elektrisch. Foto: Rita Eggstein

  2. Marianne Gerber, Leiterin der Abrechnungsstelle der Erzdiözese in Riegel, fährt schon elektrisch. Foto: Rita Eggstein

Seit Mitte Juni rollen für das Erzbistum Freiburg drei Elektroautos durch die Region. Bis September werden zwölf weitere dazukommen. Im Projekt "Elektrisch mobil" erprobt die Kirche drei Jahre lang den Einsatz der Ökomobile in mobilen Pflegediensten und bei ihren Abrechnungsstellen. "Elektrisch mobil" ist Teil der "Initiative E-BW" des Bundesumweltministeriums (BMU), die insgesamt 300 Elektroautos in Baden-Württemberg auf ihre Alltagstauglichkeit testet.

"Der Impuls, ein solches Projekt zu starten kam bei uns aus den Sozialstationen", sagt Benedikt Schalk, Referent für Energie und Umwelt beim Erzbistum, von dort sei mehrfach angefragt worden, ob es nicht möglich sei, Elektroautos für die Fahrten zu den Patienten einzusetzen. Nun nutzen im Rahmen des Projektes vier Sozialstationen und drei Abrechnungsstellen solche Fahrzeuge. Diese werden von den Einrichtungen geleast und die Leasingraten über das BMU-Projekt bezuschusst. Pro Auto kommen da in der Leasingzeit von drei Jahren zwischen 3000 und 5000 Euro Förderung zusammen. Insgesamt hat das Projekt des Erzbistums ein Volumen von 150 000 Euro. Ein Teil davon kommt vom Klimacent, den die Kunden des kircheneigenen Energieversorgers (KSE) der katholischen und evangelischen Kirchen im Land zahlen.

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Die wissenschaftliche Begleitung übernimmt das Deutsche Institut für Luft- und Raumfahrt (DLR). "Wir erheben Daten zu Nutzer- und Fahrverhalten", sagt Jürgen Weimer vom DLR, um Erkenntnisse darüber zu gewinnen, wie man die Randbedingungen gestalten muss, um Elektroautos besser in den Markt zu bringen. Auch das Erzbistum profitiert von der Erhebung. "Für uns sind die Erfahrungen aus dem Projekt wichtig für zukünftige Entscheidungen bei der Anschaffung von Autos", sagt Schalk. Es gebe im Erzbistum zum Beispiel immerhin 100 Sozialstationen mit insgesamt 1800 Fahrzeugen.

Das Erzbistum selbst hat eine Flotte von 30 Fahrzeugen. "Hier ist die Anschaffung von Elektroautos noch nicht sinnvoll, denn die Reichweite von 140 Kilometern ist zu kurz", so Schalk. Auch für den neuen Erzbischof ist ein konventionelles Fahrzeug bestellt. "Aber mit sehr guten CO2-Werten", wie Bistumssprecher Robert Eberle betont. Ganz anders sieht das bei den Sozialstationen und Abrechnungsstellen aus, die immer nur relativ kurze Strecken fahren und dabei einen hohen Spritverbrauch haben.

Die Abrechnungsstellen übernehmen viele administrative Aufgaben vor Ort. Marianne Gerber ist Leiterin der Abrechnungsstelle in Riegel. Sie nutzt gemeinsam mit drei Mitarbeitern seit Juni ein Elektrofahrzeug. "Inzwischen sind wir 1400 Kilometer mit dem Auto gefahren", erzählt sie, das funktioniere sehr gut.

Die größte Herausforderung ist dabei die Ladelogistik, denn Stromtankstellen gibt es so gut wie keine, und die Mitarbeiter nehmen das Auto auch mal mit nach Hause. Auch das wurde im Rahmen des Projekts bedacht. Die Berliner Firma Ubitricity stellt eine intelligente Lademöglichkeit zur Verfügung. Sie besteht aus einem speziellen Ladekabel, das einen Stromzähler enthält und den Nutzer identifizierbar macht, ähnlich wie bei einem Mobiltelefon, dazu gehört noch eine spezielle Steckdose, die überall installierbar ist. Die Mitarbeiter haben solch eine Steckdose zu Hause und wenn sie dort das Fahrzeug laden, werden die Kosten automatisch über das Bistum abgerechnet. "Wir hatten bisher nie Probleme mit zu langen Ladezeiten", sagt Gerber, und man lerne auch mit der Zeit, möglichst stromsparend zu fahren. In ihrer Arbeitsstelle gibt es eine Schnellladestation. Dort haben sie auch eine Photovoltaikanlage und tanken selbst erzeugtem Sonnenstrom – konsequent ökologisch.

Autor: Petra Völzing