Inklusion

Die Kita Immergrün wird vom „Deutschen Down Syndrom Center“ ausgezeichnet

Anja Bochtler

Von Anja Bochtler

Do, 24. Mai 2018

Freiburg

Die meisten Schüler im Hort der Kita Immergrün des Diakonischen Werks kommen schon lange hierher – vor der Schulzeit gehörten sie zu den Kita-Kindern. So wie Rasmus. Seine Mutter Silke Weber ist begeistert, wie selbstverständlich alle mit seinem Down-Syndrom umgehen. Dafür bekam die Kita Immergrün jetzt eine Auszeichnung vom Verein „Deutsches Down-Syndrom-Infocenter“, in dem sich Silke Weber engagiert. Auch sonst gehört Inklusion hier fest dazu.

Bis Rasmus kommt, dauert es noch: Vormittags ist er in der Schule, so wie alle 26 Hortkinder. Doch auch bei den 84 Kita-Kindern sind zurzeit drei mit Handicaps dabei. Ein Junge mit Down-Syndrom schläft, zwei sechsjährige Zwillingsbrüder mit Diagnosen aus dem Autismus-Spektrum sind mit ihrer Gruppe draußen im Garten. Hier wuseln die einen im Sandkasten herum, andere rennen einen Hügel hoch und runter oder fahren Kettcar. Einer der Zwillinge ist dabei, hält sich aber meist etwas abseits. Beide Brüder zeigen oft auch körperlich, dass sie allein sein wollen: Dann halten sie zum Beispiel schützend die Hände vors Gesicht.

Ziel ist die Chancengleichheit

Der zweite der Jungs hat zusätzlich körperliche Handicaps, er sitzt im Rollstuhl und hat eine Sehbehinderung. Die stellvertretende Kita-Leiterin Sonja Herdeg und die Inklusionsbegleiterin Barbara Schmider sitzen mit ihm und einem anderen Kind am Tisch: Sie spielen Schattenmemory. Die Schattierungen sollen den Kindern helfen, die Bilder besser zu erkennen.

In der Kita gibt’s einiges, was dazu beitragen soll, dass alle möglichst gleiche Chancen haben: Ein Stehständer und ein Walker sorgen dafür, dass Kinder im Rollstuhl auf derselben Höhe wie die anderen sein und sich bewegen können. Handicaps sind in der Kita Immergrün seit ihrer Eröffnung Teil des Alltags, sagt Kerstin Kohler-Gern, die beim Diakonischen Werk für Kitas zuständig ist. Es gab eine Zeitlang auch eine Mitarbeiterin im Rollstuhl, erzählt der Kita-Leiter Dominik Krakutsch, der selbst Vater eines Kindes im Rollstuhl ist.

Mittags ist es dann soweit: Rasmus kommt im Schulbus angefahren, der Fahrer begleitet ihn bis zur Tür. Nach dem Mittagessen putzt Rasmus die Zähne, sein Helfer Kristian Kälber ist da, falls er Hilfe braucht – genau wie danach bei den Hausaufgaben. Als Rasmus in die Kita Immergrün kam, war er ein Jahr alt, erzählt Silke Weber : Er habe sich schnell eingelebt, alles lief unproblematisch. Dankbar ist sie immer noch für die vielen Infos, die sie und ihr Mann damals von der Kita bekamen: Zum Beispiel Tipps, welche Förderungsmöglichkeiten es für Rasmus gibt oder welche Logopäden besonders geeignet sind. "Rasmus ist hier einfach ein ganz normales Kind – und wir leben mit der guten Unterstützung wie eine ganz normale Familie", sagt sie.

Deshalb hat sie angeregt, dass die Kita die Auszeichnung vom "Deutschen Down-Syndrom-Infocenter" bekommen hat. Rasmus ist beliebt – alle kennen ihn, er unternimmt viel mit den anderen. Am liebsten ist er in der Turnhalle oder im Bauwagen oder malt, sagt der Horterzieher Ferdinand Stemmer. Doch die Kita Immergrün würde gern noch mehr für Rasmus und andere Kinder mit Handicaps tun: Sehr wichtig wären deshalb festangestellte Heilpädagogen, sagen Dominik Krakutsch und Kerstin Kohler-Gern.

Bisher sind unter den festen Mitarbeitern, die sich 17,3 Stellen teilen unter anderem Erzieherinnen und Erzieher, Kinderpflegerinnen oder Sozialpädagoginnen. Heilpädagoginnen aber kommen immer nur stundenweise und für einzelne Kinder vorbei. Doch gerade sie sollten im Team verankert sein, damit nie Lücken in der oft sehr speziellen Förderung entstehen, fordert Kerstin Kohler-Gern. Bisher sei das im städtischen Haushalt aber nicht vorgesehen – es werde nur darüber nachgedacht, den Pool, bei dem Kitas heilpädagogische Unterstützung abrufen können, besser auszustatten.