Auf der Kronenbrücke

Die letzte Schweißnaht der neuen Freiburger Rottecktram ist fertig

Simone Höhl

Von Simone Höhl

Di, 23. Oktober 2018 um 20:17 Uhr

Freiburg

Das Gleis für Freiburgs neue Straßenbahnlinie ist komplett zusammengeschweißt. Jetzt können die Elektrotechniker ran, um die Strecke fertig zu stellen. Bahnen fahren voraussichtlich ab März 2019.

Es raucht, es glüht und stinkt – und dann ist die Lücke geschlossen: Das Gleis von Freiburgs neuer Straßenbahnlinie ist komplett, am Dienstag schweißen Fachmänner die letzten Schienenstücke zusammen. "Ein Meilenstein", meint Stephan Bartosch, Vorstand der Verkehrs-AG, am Dienstag. Jetzt können die anderen Gewerke ran.

Davor Patrcevic und Ivica Bauija packen einen Spezialsand in und um die Form, die sie da montiert haben, wo die beiden Schienenstücke fast aufeinanderstoßen. Mit einem "Puff" werfen sie den Brenner an und bringen die Form auf Temperatur – auf sehr hohe Temperatur, was acht Minuten dauert, denn das fast 2500 Grad heiße Material, das gleich in den Stoß fließen wird, darf nicht zu schnell abkühlen, erklärt Benjamin Faißt von der Firma Zürcher Gleisbau, für die die beiden Schienenschweißer arbeiten. Die Männer zünden einen Tiegel voll mit einer Fertigmischung aus Alupulver und Eisenoxid über der Form mit einem langen Streichholz an.



Patrcevic und Bauija haben Stoppuhren an ihren orangenen Latzhosen hängen. 30 Sekunden soll der Vorgang dauern, erklärt Faißt. Dann fließt das flüssige Material grellhell und in die Lücke und darüber hinaus. Das Schweißteam hämmert und bricht den noch glühend heißen Überschuss nach und nach ab, später geht’s an den Schliff des gehärteten Stahls.

An die 500 solcher Schweißnähte sind auf der 1,9 Kilometer langen Stadtbahntrasse über den Rotteckring geschlossen worden, sagt Marco Schillinger von der VAG. Mit dem Gleisbau zwischen Siegesdenkmal und Kronenstraße fingen Faißt und seine Kollegen im Juni 2017 an, am Schluss verlegten sie die Gleisstücke auf der neuen Kronenbrücke und der stauanfälligen B 31. Heikel ist auch das Schweißen, das Bauija und Patrcevic routiniert erledigen. Denn im Sommer drücken die Schienen die Schweißnaht zusammen, im Winter zerren sie dann an ihr.

Freie Ausfahrt aus dem Rotteckring

Der Bau der Stadtbahnlinie soll Ende des Jahres fertig sein und 55,1 Millionen Euro kosten. Passagiere können aber erst ab 16. März mitfahren. "Wir wollten zeigen, warum’s noch etwas dauert", VAG-Vorstand Oliver Benz. Denn erst jetzt können die anderen Firmen ran: die Oberleitung installieren sowie Schalter, Blitzschutz und Streckentrenner verkabeln, die Anlagen für Stromversorgung und Weichensteuerung durchprüfen, Videokameras einrichten, den Pavillon am Europaplatz und die fünf barrierefreien Haltestellen fix und fertig einrichten.

Dann wird die ganze Strecke bei Abnahmefahrten unter die Lupe genommen: Der VAG-Betriebsleiter kontrolliert, ob alles passt, dann kommt die technische Aufsichtsbehörde – und schließlich das VAG-Personal. Ab Anfang Februar werden 450 Fahrerinnen und Fahrer über die Strecke geschickt, damit sie alle Gegebenheiten kennen, wenn am 16. März Eröffnung gefeiert wird.

Bereits jetzt ist für Autofahrer die Ausfahrt vom Rotteckring in den Friedrichring wieder frei. Im Laufe des Mittwochs entfallen die Baustellensperrung und der Umweg durch die Rosastraße, wo dann auch wieder alle Parkplätze zur Verfügung stehen, teilt das Garten- und Tiefbauamt mit. Autofahrer können zudem wieder vom Parkhaus Unterlinden in den Rotteckring, Radfahrer von dort direkt ins Institutsviertel und alle vom Friedrichring links ab in den Rotteckring: Alle gewohnten Wege stehen dem Amt zufolge wieder offen.