Uni Freiburg

Die Physik-Weihnachtsvorlesung kommt gut an

Merlin Gröber

Von Merlin Gröber

Sa, 17. Dezember 2016

Freiburg

Horst Fischers physikalische Weihnachtsvorlesungen sind auch in diesem Jahr restlos ausverkauft. Die Experimente des Physikers sind explosiv - und lehrreich.

Es brennt, dampft und zischt, bis die Haare zu Berge stehen: Wie jedes Jahr verblüffte Professor Horst Fischer bei seiner Weihnachtsvorlesung die Zuschauerinnen und Zuschauer im vollbesetzten Großen Hörsaal der Physik mit seinen Experimenten. Mit einer Mischung aus Unterhaltung, Lehre und spektakulären Experimenten bringt der promovierte Physiker Kindern, Eltern und Studierenden abstrakte Gesetze der Physik anschaulich näher.

Tamo Fischer ist aufgeregt. Nervös rutscht der Zehnjährige auf seinem Stuhl hin und her. "Gleich kommt mein Lieblingsexperiment", flüstert er. Dann knallt es, eine dampfende Plastikflasche fliegt durch den Raum. Tamo springt auf und klatscht. Warum flog die Flasche durch den Raum?

"Ganz einfach", sagt Horst Fischer, "die Flasche ist mit minus 196 Grad kaltem Flüssigstickstoff gefüllt und mit einem Korken verschlossen. Der Stickstoff dehnt sich aus, der Korken löst sich und zack – schießt die Flasche los."

Mit seinen Experimenten bringt Professor Horst Fischer den Zuschauern der Weihnachtsvorlesung physikalische Gesetze verständlich und anschaulich näher. Viele Familien mit Kindern, eine Schulklasse und einige Studierende sind anwesend. Mit dabei ist auch Fischers Sohn Tamo, der seinem Vater jedes Jahr bei den Experimenten assistiert.

Fliegende Flaschen und ein großer Feuertornado

Manche davon kennt er schon. "Wenn ich groß bin, möchte ich wie Papa Physiker werden", sagt er. Dann flitzt er vor auf die Bühne und hilft seinem Vater feine Rauchringe, die aus einer selbstgebauten Stofftrommel wirbeln, durch den Raum zu schießen.

Bei einer großen Vakuumkugel dürfen die Kinder selbst mit anpacken. Vergeblich versuchen sie die zwei großen Hälften der Metallkugel auseinander zuziehen. Keine Chance. Horst Fischer erklärt warum: "Auf jedem Zentimeter dieser Kugel ruhen 1,9 Tonnen Druck. Die Hälften sind so stark zusammengepresst, da bewegt sich nichts".

An der Uni forscht Horst Fischer in der Teilchen- und Astrophysik, wo er sich auf die Suche nach dunkler Materie begibt. Einmal im Jahr hält er seine beliebten Weihnachtsvorlesungen, die bereits weit im Vorfeld restlos ausgebucht sind. Die Vorbereitungen dazu laufen früh an. "Bereits Anfang September beginnen wir die Experimente auszuarbeiten", sagt Fischer. Dabei hilft ihm sein Kollege Helmut Wentsch, der ihm auch bei den Vorführungen zur Hand geht. Bei den Vorbereitungen für die diesjährige Weihnachtsvorlesung ging lediglich eine für die Experimente gedachte Kaffeekanne kaputt. "Als Ersatz haben wir meine alte Teekanne genommen. Die hat es bis jetzt überlebt", sagt er.

Nicht alle Zuschauer trauen dem promovierten Physiker bei seinen Versuchen. Als er ein großes Feuer auf der Bühne anzündet, flüstert ein Mädchen aus der ersten Reihe: "Wird das gut gehen?" Mit einem rund zwei Meter hohen Feuertornado erklärt Hort Fischer, wie Fliehkräfte funktionieren. Dazu entzündete er das Feuer auf einer drehbaren Scheibe, auf der ein breites Gitterrohr steht. Je schneller der Physiker die Scheibe dreht, desto höher zieht die Luft das Feuer nach oben. Anschließend löscht Helmut Wentsch die Flammen, das Mädchen atmet erleichtert auf. Am Ende lässt Horst Fischer noch seine Haare mit Hilfe einer elektromagnetischen Spule zu Berge stehen, dann gibt es tosenden Applaus.