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30. Juli 2015

Die Victoria rückt zurück ins Blickfeld

Gemeinderat beschließt nach Querschüssen und kleiner Kampfdebatte, das Siegesdenkmal wieder vor die Karlskaserne zu stellen.

  1. Gloria Victoria Foto: Ingo Schneider

Wo kommt das Siegesdenkmal hin? Nicht auf den Schrottplatz, so viel stand für Oberbürgermeister Dieter Salomon vor der Diskussion der Frage am Dienstagabend fest. Andere Gewissheiten wankten. Seiner einleitenden Aufforderung – "dann kämpfen Sie mal schön" – kam der Gemeinderat nach.

Das Denkmal steht auf dem Friedrichring und damit dem Umbau im Zuge der neuen Rotteckring-Tramlinie im Weg. Jetzt ging es darum, ob die Victoria an den Rand, mitten ins Gleisdreieck oder vor die Karlskaserne rückt. Dass das Denkmal für den Sieg über Frankreich 1871 weg kommt, stand nicht zur Debatte.

Die Stadtverwaltung wollte den Standort vor der alten Kaserne. Das sei nahe am historischen Platz in der Sichtachse der Kaiser-Joseph-Straße, das Denkmal würde Teil eines Ensembles und zum Orientierungspunkt, meinte Grünen-Stadtrat Timothy Simms. "Aber es birgt die Gefahr der Inszenierung." Jener Sieg habe in zwei Weltkriege geführt. Die Grünen waren wie die Unabhängigen Listen (UL) in der Standortfrage uneins, doch wichtiger als den Ort fand Simms, überhaupt zu entscheiden – der Gleisbau drängt.

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Martin Kotterer (CDU) sprach von einem Mahnmal und Symbol dafür, wie Erbfeinde Freunde wurden. Die CDU war mit dem Platz vor der Karlskaserne einverstanden, Freiburg Lebenswert/Für Freiburg ebenso. "Das ist die städtebaulich beste Lösung", sagte Renate Buchen von der SPD. Die beantragte, das Denkmal nicht unkommentiert an zentraler Stelle stehen zu lassen, sondern auf einer Gedenktafel historisch einzuordnen. Simon Waldenspuhl von der Satirepartei "Die Partei" meinte: "Ich freue mich schon auf den Antrag, die Kajo wieder in Adolf-Hitler-Straße umzubenennen."

UL und FDP forderten, die Standort-Entscheidung aufzuschieben; Nikolaus von Gayling wollte die Victoria solange im Stadtgarten parken, Hendrijk Guzzoni beantragte spontan, sie nicht mehr auf dem Platz aufzustellen, den Lothar Schuchmann in Rosa-Luxemburg-Platz umtaufen wollte. "Ich ahnte es", stöhnte Salomon. Bis 1992 seien Franzosen in der Stadt stationiert gewesen und hatten offenbar kein Problem mit dem Denkmal. "Ich bin dankbar, dass wir mit Historie historisch umgehen." Wobei es richtig gewesen sei, nach Kriegsverbrechern benannte Straßen neu zu benennen.

Guzzonis Antrag erntete viele Ja-, aber mehr Nein-Stimmen. Der Rat beschloss mehrheitlich, das Denkmal mit einer Tafel vor der Karlskaserne zu platzieren und die Umgestaltung des Platzes samt Café auf den Weg zu bringen.

Autor: sh