Waghalsige Experimente mit Physik

Die Weihnachtsvorlesung an der Uni Freiburg lässt Besucher staunen, lachen und applaudieren

Felix Klingel

Von Felix Klingel

Mo, 22. Dezember 2014

Freiburg

Die traditionelle Weihnachtsvorlesung zu Naturgesetzen lässt die Besucher staunen, lachen und applaudieren.

Weihnachten, ist das nicht die besinnliche Zeit? Nicht für Horst Fischer. Der Physikprofessor lässt es dann erst richtig krachen, zischen und pfeifen. In seiner Weihnachtsvorlesung zeigt er ein Spektrum von Experimenten, die spektakulär einige grundlegende Naturgesetze veranschaulichen. Gespickt mit jeder Menge Humor.

Ein Beispiel: das Energieerhaltungsgesetz. Schwere Materie. Horst Fischer stellt sich an eine Wand, vor sein Kinn hält er eine Eisenkugel. Mit einer Kette ist sie an der Decke als Pendel befestigt. Er lässt los, das Pendel schwingt nach vorne und zielsicher zurück auf Fischers Kinn zu. Kaum einen Zentimeter vor seinem Kinn macht das Pendel kehrt. Aufatmen. Die rationale Erklärung folgt auf den Schrecken: "Einem abgeschlossenen System wird keine Energie hinzugefügt". Alles klar? Für Physikmuffel: Die Eisenkugel schwingt nie höher als ihre Ausgangsposition.

An den anderen Experimenten hat der Professor sichtlich mehr Freude. Mit seinem kongenialen Assistenten Helmut Wentsch schießt er mit Stickstoff geladene Plastikflaschen durch den Raum oder erzeugt einen beeindruckenden Feuertornado. Bei einigen Experimenten gibt es – ganz weihnachtlich – auch einen kleinen Helfer: Tamo Fischer. Der Junge verwandelt mittels Strom eine Salzgurke in eine Disco-Gurke. Oder er baumelt in der Luft, gehalten nur durch ineinandergelegte Bücherseiten. Natürlich Physikbücher. Das Trio erntet Gelächter und Applaus.
An Weihnachten geht es auch musikalisch zu: Eine selbstgebastelte Weihnachtspyramide aus Christbaumkugeln lässt der Professor nur durch Weihnachtsmusik drehen. "Die Tonhöhe ist entscheidend. Sie lässt die Luft im Inneren der Kugeln vibrieren und dann entweichen", erklärt Fischer. Das geht natürlich genauer: Mit einem Oszillator erzeugt Assistent Wentsch einen schrillen Ton und die Kugeln drehen sich.

Sein musikalisches Talent zeigt Wentsch auch am Theremin. Es ist das einzige Musikinstrument, das ohne es zu berühren lediglich durch Bewegungen gespielt wird. Das Gerät erfasst diese mit einem elektromagnetischen Feld. Während Fischer diesem Ding nur einige Science-Fiction-Schreie entlocken kann, spielt sein Assistent souverän "Somewhere over the Rainbow".

Hoch spannend ist die Hochspannung: 600 000 Volt feuert Wenzel durch eine selbstgebaute Teslaspule während Fischer daneben im faradayschen Käfig bangt. Der eher ein Hasenkäfig ist: aus Holz und Maschendraht gezimmert. Die krachenden blauen Blitze hält er trotzdem aus. Fischer kann seinen Käfig unverletzt verlassen: "Es gibt nichts Schöneres als Physik". Traditionell endet die Vorlesung mit dem Ausblasen der Kerzen des Adventskranzes. Auch wenn Fischer – physikalisch korrekt – ein "lineares Kerzengedeck" ausbläst. Und natürlich nicht mit dem Mund, sondern einer riesigen Apparatur, die Rauchringe verschießt. Der volle Hörsaal ist begeistert, nächstes Jahr geht es weiter – auf das es nie endet: Der junge Tamo Fischer hat schon angekündigt die Show nach dem Ruhestand des Chef-Physikers zu übernehmen.