Zur Navigation Zum Artikel

Wenn Sie sich diesen Artikel vorlesen lassen wollen benutzen Sie den Accesskey + v, zum beenden können Sie den Accesskey + z benutzen.

27. Januar 2010

Die Zukunft braucht das Wissen um die Herkunft

Beim Wettbewerb "Schule im Archiv" geht’s diesmal um "Die Fünfziger Jahre – Zwischen Mief und Rock ’n’ Roll"

  1. Alltagsort mit historischer Dimension: Vor dem Friedrichsbau gab’s 1952 Proteste gegen Veit Harlans Film „Hanna Amon“. Foto: michael bamberger

  2. Alltagsort mit historischer Dimension: Vor dem Friedrichsbau gab’s 1952 Proteste gegen Veit Harlans Film „Hanna Amon“. Foto: michael bamberger

Er könnte eine spannende Schatzsuche werden, dieser Geschichtswettbewerb "Die Fünfziger Jahre – Zwischen Mief und Rock ’n’ Roll". Detektivisches Stöbern in Archiven und Befragen von (Zeit-)Zeugen, um die historische Dimension von Orten zu entdecken, die einem aus dem Alltag bekannt sind – darum geht es beim neuen Projekt des Freiburger Netzwerks Geschichte, das sich an Jugendliche von der achten Klasse an (also auch von Haupt- und Realschulen) wendet.

"Unsere Gegenwart wird bestimmt durch die Vergangenheit", erklärt Professor Hans-Peter Herrmann, "wir würden blind in die Zukunft gehen, wenn wir nicht wüssten, woher wir kommen." Oder, wie es die Lehrerin Sybille Buske ausdrückt: "Jeder Mensch hat Wurzeln, die zu kennen wichtig ist – nicht als abstrakte Geschichte, sondern im heutigen Alltag." Der Literaturwissenschaftler und die Vorsitzende des Freiburger Netzwerks – ein ehrenamtlicher Zusammenschluss von gechichtslehrerinnen aus Stadt und Region – gehören zu denen, die das Projekt "Schule im Archiv" vor zwei Jahren angestoßen haben. Damals ging es um "1968", diesmal soll der Blick in die 1950er Jahre vertieft werden.

Werbung


Und da gibt’s einiges im Freiburg jener Zeit aufzuspüren. Heimatvertriebene und Flüchtlinge galt es einzugliedern. Durch den Wiederaufbau veränderte sich das Stadtbild. Vorm Friedrichsbau knüppelte die Polizei Proteste gegen den Film "Hanna Amon" von Veit Harlan nieder, der während der Nazi-Zeit auch den Film "Jud Süß" gedreht hatte. Es entstanden neue Geschäfte und Unternehmen, die es zum Teil noch immer gibt. Zaghaft begann die Auseinandersetzung mit der nationalsozialistischen Vergangenheit. Die Neugier auf diese Alltagsgeschichte führt in die Schatzkammern von Staats-, Stadt- und Universitätsarchiv sowie des Archivs für soziale Bewegungen. Sie machen bei dem Geschichtsprojekt ebenso mit wie die Landeszentrale für politische Bildung, das Regierungspräsidium und die Robert-Bosch-Stiftung, die den Wettbewerb des Freiburger Netzwerks über ihre Stiftung Denkwerk auch finanziell fördert. Wie die Schülerinnen und Schüler die Ergebnisse ihrer Spurensuche am Ende dieses Schuljahrs vermitteln werden (als Vortrag, Film, Hör- oder Planspiel, Wandzeitung), bleibt ihnen überlassen.

Die besten Beiträge werden mit einer Urkunde, Geld- und Sachpreisen ausgezeichnet. Damit nicht genug: Die Mitmachenden können sich ihre Beiträge sogar in der Schule als "besondere Lernleistung" (einschließlich Note) anrechnen lassen. Das wird für einige ein Anreiz sein, vermutet Sybille Buske, und bei ihnen die Neugier wecken, "im Kleinen die größeren Prozesse zu entdecken, selbst Erfahrungen zu machen statt vermitteltes Wissen zu reproduzieren". In den Archiven ebenso wie in den eigenen Familien, schlägt Hans-Peter Herrmann vor. "Da sollten die Jugendlichen sich auch umgucken und nachbohren."

Eine Einführung in den Wettbewerb mit praktischen Hinweisen gibt eine sogenannte Schülerfortbildung am 9. März; bis dann sind auch noch Anmeldungen auf der Internetseite des Netzwerks möglich, wo es zudem weitere Informationen zu dieser Schatzsuche gibt.

Autor: gmk