Ausstellung im Augustinermuseum

Diese Exponate erzählen die Geschichte von Freiburg im Nationalsozialismus

BZ-Redaktion

Von BZ-Redaktion

Mi, 23. November 2016 um 10:06 Uhr

Freiburg

Am Samstag eröffnet die neue Ausstellung "Nationalsozialismus in Freiburg" im Augustinermuseum. Wir zeigen vorab sieben der 250 Exponaten, mit denen Einblick in den Alltag von Freiburg zwischen 1918 und 1945 gegeben wird.

Erstmals gibt es eine umfassende Ausstellung zum Thema "Nationalsozialismus in Freiburg" – und zwar von den Anfängen der Weimarer Republik 1918 bis zum Ende des Zweiten Weltkriegs im Mai 1945. Die BZ hat während des Aufbaus einen ersten Rundgang durch die Ausstellungshalle gemacht und stellt hier einige Exponate vor.



Der steinerne Hitlerjunge

Bildhauer Nikolaus Röslmeir erschuf 1956 den Bertoldsbrunnen, der heute Freiburgs Stadtmitte und Straßenbahnknotenpunkt prägt. 1936 bekam Röslmeir im Rahmen eines Wettbewerbs den Auftrag, eine Skulpturengruppe – ein Denkmal für die Jugendbewegung im Nationalsozialismus – für einen Spielplatz im Mösle-Park zu schaffen. Allerdings wurde das Skulpturenensemble, bestehend aus zehn Einzelfiguren und einer Bannergruppe, nie vollendet, lediglich vier Skulpturen entstanden. Die abgebildete Skulptur ist einer von zwei Hitlerjungen, die in der Nachkriegszeit Verwendung fanden. Damit die Steinskulptur öffentlich ausgestellt werden würde, überarbeitete Bildhauer Röslmeir, der selbst kein Mitglied der NSDAP war, nach dem Krieg die Hitlerjungen: Alle an die HJ erinnernden Elemente wurden entfernt– aus den beiden Hitlerjungen wurde kurzerhand Pfadfinder. Lange standen die steinernen Jungs vor der Lortzingschule im Stadtteil Brühl-Beurbarung, ehe der Gemeinderat 1982 befand, dass sie aufgrund ihrer Geschichte aus dem öffentlichen Raum weichen sollten. Sie wurden im Depot des Augustinermuseums gelagert.

Stefan Meiers Aktentasche

Der Freiburger Sozialdemokrat Stefan Meier war von 1919 bis Oktober 1927 Stadtrat und von 1924 bis 1933 SPD-Reichstagsabgeordneter in Berlin. Am 23. März 1933 war Meier einer jener 94 mutigen Abgeordneten, die gegen das Ermächtigungsgesetz der Nazis stimmten, demzufolge die Reichsregierung ohne Zustimmung des Reichstags Gesetze erlassen konnte. Stefan Meier wurde von den Nazis verfolgt, 1933/34 und im Oktober 1941, nach einem Gespräch mit einer Nachbarin, in dem er Hitler als "größenwahnsinnigen Dschingis Khan" bezeichnet hatte, inhaftiert und 1944 im KZ Mauthausen ermordet. Diese Aktentasche benutzte Stefan Meier für seine Dienstaufenthalte im Reichstag.

Spitzen der Synagogentürme

Auf der Spitze der beiden Ecktürmchen der 1870 von Architekt Georg Jakob Schneider erbauten und 1938 von den Nazis zerstörten Synagoge befanden sich als Zierelement jeweils kleine runde Kuppeln aus Portlandzement. Gefunden wurde der Knauf im Sommer 2016 bei den Ausgrabungen auf dem Platz der Alten Synagoge, noch bevor die Fundamentreste entdeckt wurden. Peter Kalchthaler, Leiter des Museums für Stadtgeschichte, stellte fest, dass die kleinen Kuppeln nach 1926 auf keinem Synagogenfoto mehr auftauchen. Sie waren bei einem Umbau 1924 abgenommen worden.

Stadtmodell ohne Synagoge

Auf diesem Gipsmodell skizzierten Freiburgs Stadtplaner 1937 unter Federführung von Stadtbaumeister Joseph Schlippe, wie sie sich die Innenstadt vorstellten: mit großem Aufmarschboulevard (Rotteckring). Schockierend: Schon ein Jahr vor der Zerstörung der Synagoge vom 9. auf den 10. November 1938 durch die Nazis ist der jüdische Versammlungsort nicht mehr im Modell vorhanden, stattdessen steht dort ein Hufeisenbau der Uni. In einem "judenfreien" Deutschland wäre sie schlichtweg nicht mehr vonnöten gewesen, vermutet der Freiburger Historiker Heinrich Schwendemann. Auch in München habe es solche Entwürfe gegeben.

Sprengstoffbombe

Stadtmuseumsleiter Peter Kalchthaler steht neben einer vier Tonnen schweren Sprengstoffbombe, von britischen Militärs als Cookie bezeichnet. Allein leer, ohne Sprengstoff, wiegt die Metallhülle 350 Kilo. "Mit diesem Typ wurde am 27. November 1944 auch Freiburg bombardiert", sagt Kalchthaler. Außerdem in der Ausstellung zu sehen: eine Leuchtbombe, wie sie Fallschirmjäger abwarfen, damit die Bomber Licht hatten, sowie eine Stabbrandbombe.

Spieltisch

Dieser Spieltischtisch mit eingraviertem Schach- und Mühlespielfeld gehörte der jüdischen Familie Schwarz in der Zasiusstraße. Als Jeanette Schwarz und ihre Tochter Toni am 22. Oktober 1939 nach Gurs deportiert wurden, versteigerten die Nazis das jüdische Hab und Gut. Die "arische" Schwiegertochter Mathilde Schwarz kaufte den Spieltisch auf der Versteigerung – und gab ihn nach dem Krieg der Familie zurück. Der Spieltisch ist noch heute im Familienbesitz.

Hindenburg-Bild

Fast in jedem öffentlichen Gebäude hing in den 1920er und 30er-Jahren ein Gemälde von Generalfeldmarschall und Reichspräsident Paul von Hindenburg, auch in der Erich-Ludendorff-Schule an der Habsburgerstraße (dem späteren Kepler-Gymnasium, das sich heute im Rieselfeld befindet). Als die französischen Truppen im April 1945 Freiburg befreiten, veranlassten sie, dass alle Hindenburg-Bilder entfernt werden. Der damalige Hausmeister nahm das Gemälde, unter künstlerischen Gesichtspunkten eher Massenware, an sich. So hing das Hindenburg-Bild bis in die 1980er-Jahre in der Hausmeisterwohnung des alten Kepler-Gymnasiums. Erst als ein Vertreter der Schulbehörde darauf aufmerksam wurde, verfügte das Amt die Rückgabe ans Rathaus, die es dem Stadtarchiv überließ, von wo aus es schließlich im Museum landete.
Die Ausstellung

Im Rahmen der Ausstellung "Freiburg im Nationalsozialismus" werden im Augustinermuseum vom 26. November 2016 bis 7. Oktober 2017 mehr als 250 Objekte gezeigt, darunter 150 Originale, aus regionalen und bedeutenden überregionalen Museen wie dem Deutschen Historischen Museum Berlin und dem Militärhistorischen Museum in Dresden sowie Leihgaben aus Privatbesitz.