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22. Juni 2011

"Diese Familien müssen souverän und ideenreich sein"

BZ-INTERVIEW mit Veronika Traub, die im Amt für Kinder, Jugend und Familie für die Vermittlung von Pflegeangeboten für Kinder zuständig ist.

  1. Veronika Traub Foto: Eggstein

Etwa 180 Pflegekinder leben in Freiburg derzeit in rund 160 Pflegefamilien. In Obhut wurden im ersten Halbjahr 2011 knapp halb so viele Kinder und Jugendliche genommen. An der sensiblen Nahtstelle zwischen den Familien, die diese Hilfen in Anspruch nehmen und den Familien, die diese Hilfe leisten, arbeitet seit fünf Jahren Veronika Traub. Im Amt für Kinder, Jugend und Familie ist sie zuständig für die Pflegestellen- vermittlung. Julia Littmann sprach mit ihr über Wünsche und Wirklichkeit.

BZ: Es gibt viele Familien in Freiburg – wie viele interessieren sich für Pflegekinder oder für die Bereitschaftpflege?
Veronika Traub: Es interessieren sich einige, aber nur acht Familien haben wir derzeit quasi in der Hinterhand. Ob das reicht? Nein, reichen kann das nicht. Genau genommen hatten wir noch nie das Gefühl, so, jetzt sind es dann mal genug Pflegefamilien, die bereit stehen. Wenn wir mehr Familien auf unserer Liste haben, sind damit auch unterschiedliche Profile vertreten, mehr Möglichkeiten und Wünsche. Und umso passgenauer können wir dann Pflegekinder in Familien vermitteln.

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BZ: In welchen Lebenslagen kommen Kinder eigentlich in Pflegefamilien?
Traub: In den vielen Jahren, in denen ich mit diesen Menschen zu tun habe, hat sich noch keine Geschichte wiederholt. So unterschiedlich Menschen sind, so unterschiedlich sind ihre Konflikte und Krisen. Vom alleinerziehenden Vater, der plötzlich krank wird und die Kinder nicht versorgen kann, bis hin zu Alkoholproblemen, eskalierenden Auseinandersetzungen zwischen Heranwachsenden … in jedem Fall ist die Zeit in einer Bereitschaftspflegefamilie eine Art behütete Übergangszeit. Von dort aus gehen die Kinder entweder in die Herkunftsfamilie zurück – zum Beispiel unterstützt von ambulanten Angeboten – oder andere Lösungen werden in enger Kooperation von allen Beteiligten ausgearbeitet. Vor allem für die in Obhut genommenen Kinder soll diese Zeit in der Pflegefamilie eine Entlastung sein.
BZ: Was muss so eine Familie denn idealerweise mitbringen?
Traub: Sie muss selber stabil sein und Platz haben, die Nachbarschaft sollte "kinderfreundlich" sein. Und die Familienmitglieder müssen souverän und offen sein, sich sehr schnell auf andere einlassen können, ideenreich sein. Für die Bereitschaftspflege ist nötig, dass mindestens ein Elternteil eine medizinische, pädagogische oder soziale Ausbildung hat. Da nämlich ist es besonders wichtig, auch schnell und gut in Kontakt mit den Eltern der Kinder zu kommen. Außerdem veranstalten wir Infoabende und für die, die sich für die Kurzzeit- oder Langzeitbetreuung interessieren, gibt es ausgiebige Schulungsseminare.
BZ: Kommt es trotzdem mal vor, dass es zwischen den Beteiligten knirscht?
Traub: Fast nie, obschon einen Pflegekinder vor besondere Herausforderungen stellen. Aber erstens geht keine Familie unvorbereitet in diese Situation und zweitens lassen wir die Familien schon gar nicht dann allein, wenn es doch mal schwieriger wird. Zum Beispiel mit pubertierenden Pflegekindern. Was hilft: Es sind sehr gelassene, fürsorgliche Leute mit viel Spaß am Leben. Und sie alle haben ein großes Herz.

Veronika Traub berät Familien, die

sich für Pflegeverhältnisse interessieren:

0761/201-3981

Autor: lit