Innovationspreis

Diese fünf Freiburger Firmen wollen mit ihren Erfindungen die Welt ein bisschen besser machen

Holger Schindler

Von Holger Schindler

Di, 28. Februar 2017

Freiburg

Leben retten, Stoffe mischen, Akkus laden: Die jungen und kleinen Firmen, die in diesem Jahr den Freiburger Innovationspreis gewonnen haben, sind auf sehr unterschiedlichen Gebieten tätig. Eines aber eint sie: Alle rechnen sich gute Marktchancen aus.

Erfinder und Entwickler sind Weltverbesserer. Die Ideen und Geräte, die bei der diesjährigen Runde des Wettbewerbs mit dem Freiburger Innovationspreis ausgezeichnet wurden, könnten künftig das Leben vieler Menschen positiv beeinflussen – und zudem der Stadt zahlreiche neue Jobs bringen.

So viele Bewerbungen wie dieses Jahr gab’s noch nie beim Freiburger Innovationspreis – insgesamt 26 Unternehmen hatten sich gemeldet. Fünf von ihnen haben sich am Ende mit ihren Entwicklungen durchgesetzt (die BZ berichtete). Für sie gab es je 2000 Euro Preisgeld und vor allem öffentliche Aufmerksamkeit.

Besser Leben retten

Bislang sind die Erfolgsaussichten, wenn Menschen nach einem Herz-Kreislauf-Stillstand wiederbelebt werden, nicht sehr groß. Außerhalb von Kliniken liegt die Überlebensrate bei gerade einmal drei Prozent. Bei Reanimationen in Krankenhäusern sieht es zwar besser aus. Doch Überlebensquoten von 18 bis 20 Prozent sind dennoch erschreckend niedrig. Hinzu kommt, dass in vielen Fällen dauerhafte Schäden, insbesondere Hirnschäden, zurückbleiben. Das Freiburger Unternehmen Resuscitec hat sich zum Ziel gesetzt, diese Situation grundlegend zu verbessern – und entwickelt dazu ein System mit den Namen CIRD. Das steht für "Controlled Integrated Resuscitation Device". "Das System funktioniert", sagt Joachim Wilke. Er ist Geschäftsführer von Resuscitec. Die im Jahr 2010 gegründete Unternehmung hat mittlerweile 15 Mitarbeiter, eigene Räume im Biotechpark im Industriegebiet Nord – und eine ganze Reihe von Patenten. Maßgebliche Vorarbeit geleistet hat das Team um den Herzchirurgen Friedhelm Beyersdorf vom Universitätsherzzentrum Freiburg/Bad Krozingen. "Mit CIRD wird sich das Zeitfenster für eine erfolgreiche Wiederbelebung stark vergrößern – und bleibende Schäden werden spürbar weniger", erklärt Wilke. Im Wesentlichen ist das System eine miniaturisierte, extrem schnell verfügbare und genaustens steuerbare Herz-Lungen-Maschine, welche die Wiederbelebung auf den einzelnen Patienten abstimmt und kontrollierbar macht. Zudem wird der Patient auch gekühlt. Darin stecken bisher rund drei Millionen an öffentlichem Fördergeld und fünf Millionen privates Kapital. Doch bis zur Markteinführung muss noch ein aufwendiges Genehmigungsverfahren durchlaufen werden. "Es ist ein langer Weg", räumt Wilke ein.

Besser Navigieren

Für viele ist GPS-Navigation aus dem Alltag nicht mehr wegzudenken – doch innerhalb von Gebäuden stößt die Technik an Grenzen. Für dieses Problem schafft die Freiburger Firma Telocate, ein im September 2014 gegründetes Spin-off der Uni, eine Lösung. Ihr System "Assist" erlaubt Smartphone-Navigation auf Basis von Schallwellen. "Smartphones navigieren bislang in Innenräumen nur über elektromagnetische Wellen, per WLAN oder Bluetooth", sagt Fabian Höflinger, der bei Telocate zusammen mit Johannes Wendeberg die Geschäfte führt. "Bei uns sendet der handelsübliche Lautsprecher des Smartphones, gesteuert von einer App, unhörbare akustische Signale aus, die dann von speziellen Empfängern im Gebäude wahrgenommen werden. Die Genauigkeit liegt so bei zehn Zentimetern", erklärt Höflinger. Die Idee an sich ist nicht neu, aber erst Telocate hat die heute zur Verfügung stehende Rechenpower für diese Art von Ortsbestimmung nutzbar gemacht. Die Firma zählt derzeit 15 Mitarbeiter – verspricht sich aber kräftiges Wachstum. Denn damit könnten sich zum Beispiel blinde Menschen auf Flughäfen oder auf Messen leicht selbständig zurechtfinden. Firmensitz ist in der Georges-Köhler-Allee 106.

Besser Akkus laden

Das berührungslose Laden von Handys ist auf dem Vormarsch. Die Freiburger Firma Blue Inductive überträgt dasselbe Prinzip in ganz andere Dimensionen. Das im April 2016 aus dem Fraunhofer-Institut für Solare Energiesysteme ausgründete Spin-off entwickelt berührungslose Ladesysteme zum Laden von mobilen Robotern – schnell, einfach und automatisiert. "Wir schaffen einen Wirkungsgrad von 95 Prozent von der Steckdose bis in den Akku", sagt Mitgründer Johannes Mayer – damit ziehe man mit kabelgestützten Ladesystemen gleich. Der Ladevorgang funktioniere auch noch bei einem Abstand von 20 Zentimetern. "Das Marktpotenzial ist groß, denn mobile autonome Roboter sind ein Riesentrend", erklärt Johannes Mayer – man sei mit etlichen Herstellern in Gesprächen. Bislang sind ein gutes Dutzend Mitarbeiter für Blue Inductive tätig. Die Räume des Unternehmens befinden sich im Solar-Info-Center.

Besser Stoffe mischen

Ulrich Massing war eigentlich Krebsforscher. Für seinen Job an der Klinik für Tumorbiologie suchte er nach einem Weg, um Wirkstoffe in kleinste Fettpartikel einzuschleusen. Er kam auf die Idee, Laborzentrifugen dazu nutzen. Üblicherweise werden damit Stoffe getrennt. Doch indem man eine zweite Drehrichtung hinzufügt, können die Geräte auch zum Homogenisieren, also zum Mischen und Vereinheitlichen von Stoffen, und zur Herstellung pharmazeutischer Nanopartikel dienen. "Wir sprechen von enormen Beschleunigungskräften", so Massing. Dann geriet sein Arbeitgeber in Insolvenz. Der traditionsreiche Tuttlinger Laborzentrifugenhersteller Hettich mit 250 Beschäftigten, mit dem Massing schon kooperiert hatte, übernahm den Forscher und sein Team. Nun ist Freiburg Hettich-Außenstelle für die Fortentwicklung der sogenannten dualen Zentrifugation – mit Sitz im Biotechpark im Industriegebiet Nord.

Besser Module bestücken

Das 2011 gegründete Maschinenbauunternehmen M10, das sich im einstigen Solarfabrik-Gebäude im Gewerbegebiet Haid angesiedelt hat, konnte sich zuletzt über mehrere Auszeichnungen freuen. Im Vorjahr wurde die Firma mit gut 50 Beschäftigten beim Wettbewerb "Top-Innovator 2016" bereits unter die 100 innovativsten Unternehmen Deutschlands gewählt und erhielt den Intersolar-Award 2016. Dieses Jahr gab es den Freiburger Umweltpreis und den Innovationspreis dazu. Im Blickpunkt war dabei stets der von M10 entwickelte Hochleistungs-Stringer "Kubus". Stringer bestücken Solarmodule mit den hauchdünnen Solarzellen. Der "Kubus" macht das viel effizienter als bisherige Lösungen – er kann ein komplettes Modul in einem einzigen Arbeitsschritt verlöten. Die Nachfrage danach ist groß. "Wir sind zuversichtlich, dass das Solarfabrik-Gebäude bald zu klein für uns wird", sagt M10-Geschäftsführer Günter Schneidereit.