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04. August 2011 19:43 Uhr
Vauban
Diskussionen um die Rhino-Räumung dauern an
Am Tag nach der Räumung der Wagenburg "Kommando Rhino" in Vauban gibt es unterschiedliche Einschätzungen zu den Geschehnissen am Mittwoch. Derweil hat die Polizei in der Nacht nach der Räumung massiv Präsenz gezeigt und zahlreiche Personen kontrolliert.
Am frühen Mittwochmorgen zwischen ein und fünf Uhr war von der Polizei nicht viel zu sehen. Zahlreiche Anwohner, die wegen den brennenden Straßenbarrikaden angerufen hatten, warteten vergeblich auf Polizisten; die alarmierte Feuerwehr wollte die Brände nicht löschen, weil sie von Autonomen bedroht wurde und keinen Polizeischutz bekam. Ein Feuerwehrmann beobachtete verblüfft, wie ein Vermummter eine volle Mülltonne auf die Barrikade schmiss und diese anzündete – unbehelligt von einigen Polizisten anbei. Warum?
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Die Frage, die gestern diskutiert wurde, war, ob "Kommando Rhino" mit den gewaltsamen Ereignissen vor der Räumung zu tun hatte. Nein, meint der "Runde Tisch" Vauban: Er forderte gestern eine "differenzierte Betrachtung". Die Beobachter des "Runden Tisches", die ab 4 Uhr vor Ort waren, bewerten das Verhalten der "Rhinos" als friedlich: "Das Kollektiv hat aktiv darauf eingewirkt, dass es zu keinerlei Provokationen kam." Brennende Barrikaden seien durch nichts zu rechtfertigen, dafür sei jedoch nicht Rhino verantwortlich zu machen. "Die autonome Szene hat ihr eigenes Spiel gespielt", so Albert Scherr für den "Runden Tisch". Polizeisprecher Schmid kommt zu einer anderen Einschätzung: "Politchaoten und Straftäter haben sich unter die Besetzer gemischt. Die Besetzer haben Gewalttätern mit Wissen und Wollen Unterschlupf gewährt." Derzeit werde Filmmaterial ausgewertet, von dem man sich Beweise erhoffe.
Die ursprünglich für Samstag geplante Demonstration in der Innenstadt aber sagten die Rhinos ab, "aus Angst, dass Leute verletzt werden". Zur Zeit stehen einige ihrer Wagen befristet für vier Wochen auf einem privaten Grundstück in Vauban. Oberbürgermeister Dieter Salomon sagte gestern, er erwarte eine "klare Distanzierung": "Es gibt eine nicht ausgesprochene Solidarität in der linken antistaatlichen Szene, in der die schlimmsten Dinge ideologisch gerechtfertigt werden."
In der Nacht nach der Räumung war die Polizei in erhöhter Alarmbereitschaft. Beamte kontrollierten 51 Personen, elf waren nicht aus Freiburg. Drei von diesen waren der Polizei als Gewalttäter bekannt; ein 16-Jähriger hatte schwarze Wechselkleidung und szenetypische Vermummungen dabei. Ein Streifenwagen der Polizei wurde gegen Mitternacht an der Basler Straße mit Flaschen beworfen und mit Leuchtmunition beschossen. Daraufhin verfolgten Polizisten eine Gruppe, die sich in das benachbarte Autonome Zentrum KTS flüchtete. Laut einer KTS-Mitteilung umstellten sie das Gebäude, brachen eine Notausgangstür auf und kehrten erst vor einer Feuerschutztür um. Laut Polizei geschah dies, "um die gegenwärtig gereizte Stimmung nicht weiter aufzuheizen". Nach den Flaschenwürfen wurden sechs Personen festgenommen; die Ermittlungen dauern an.
Inzwischen hat sich nach Zeugenaufrufen der Polizei auch eine Radfahrerin gemeldet, die am Mittwoch um 1.20 Uhr auf der Merzhauser Straße in Richtung Innenstadt unterwegs gewesen war. Dort war in Halshöhe ein Stahlseil gespannt. Die Frau stürzte und verletzte sich. Sie hat Strafanzeige wegen gefährlichen Eingriff in den Straßenverkehr gestellt.
- Rückblick: Gewalt eskaliert in der Nacht
Autor: Simone Lutz
