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16. August 2012

Donnerstag soll Veggietag sein - weltweite Aktion erreicht Freiburg

Von San Francisco über Sao Paolo bis Freiburg: Der "Veggieday" (Vegetariertag) ist eine weltweite Aktion. Hier in Freiburg wird er seit 2011 von der Initiative "Ma(h)l vegetarisch" beworben.

  1. Neulich auf dem Augustinerplatz: Aktion gegen Massentierhaltung Foto: ptk

  2. Adelheid Hepp Foto: privat

Unterstützer sind unter anderem Greenpeace, die Slowfood-Bewegung und die Freiburger Bürgerstiftung. Annette Aly sprach mit Adelheid Hepp, Stadträtin der Grünen und Aktive, über Sinn, Ziel und Erfolg des Veggietages.

BZ: Frau Hepp, "Donnerstag ist Veggietag", ist das Motto der Initiative. Klären Sie uns auf. Manche kennen vielleicht nur "Freitags gibt’s Fisch" oder "Was auf den Tisch kommt, wird gegessen".
Adelheid Hepp: Genau darum geht es. Es soll eine Selbstverständlichkeit werden, mindestens ein Mahl die Woche ohne Fleisch zuzubereiten. Es darf natürlich gerne jeder Tag sein. Wichtig ist zu erkennen, was auf den Tisch kommt und vor allem, woher es kommt. Um Bekehrung zum Vegetarismus geht es eben gerade nicht. Aber um Einsicht und das Erkennen von Zusammenhängen. Das ist ein Lernprozess. Beim Strom hat´s auch lang gedauert.
BZ: Sie haben vor zwei Jahren eine Veranstaltung organisiert, in deren Nachgang die Initiative "Ma(h)l vegetarisch" ins Leben gerufen wurde. Wie weit haben Sie sich persönlich in Ihren Essgewohnheiten gewandelt?

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Hepp: Ich würde mich als Teilzeitvegetarierin bezeichnen. Tierische Produkte wie Milch, Eier, Butter sind Standard in meinem Kühlschrank. Aber es geht auch eher um die Frage: Wie viel esse ich von was und wo kaufe ich ein? Das hat sich bei mir seit der Kampagne verändert. Ich kaufe jetzt eher saisonal und regional ein wie Äpfel vom Kaiserstühler Bauern. Fleisch war in meiner Herkunftsfamilie schon etwas Besonderes, aber inzwischen ist es im Bekanntenkreis keine Seltenheit, dass jemand Vegetarier ist.
BZ: Kampagnen in Richtung Vegetarismus haftet mitunter der Ruf von moralischer Säuerlichkeit und erhobenem Zeigefinger an. Kommen Sie eigentlich an mit Ihrer Botschaft?
Hepp: Die Zeiten, da Vegetarier als blass und verbittert geschmäht wurden, sind meines Erachtens vorbei. Gerade unter jungen Leuten stößt man auf große Resonanz und Interesse an Fragen des Tierschutzes und des Klimaschutzes. Und andere merken es an Übergewicht, Allergien, Herzproblemen, dass mit der Ernährung etwas nicht stimmt. Bei der letzten Routineuntersuchung wurde ich beim Arzt gefragt, wie viel Fleisch ich esse. Das ist inzwischen eine Standardfrage. Da entsteht ein Sensibilisierungsprozess.
BZ: Wie wollen Sie die notorischen Schnitzelfans erreichen? Ist das Zeigen toter, gequälter Käfigtiere nicht wirksam gewesen?
Hepp: Natürlich kann man mit solchen Bildern schockieren und argumentieren. Aber dann bleibt nichts hängen von der Sachinformation, zum Beispiel dass die Produktion von Fleisch mehr Land und Energie benötigt als die Produktion von Getreide. Ein Hektar Land produziert Rindfleisch für die Ernährung eines Menschen, aber Getreide für 22 Menschen. Natürlich ist es auch eine Frage der Ideologie. Will ich nur für mich sorgen, oder ist mir an gerechter Verteilung gelegen.
BZ: Also doch eine Frage der Moral? Wie sieht es mit dem Genuss aus?
Hepp: Einmal die Woche vegetarisch ist nicht zu viel verlangt. Wer sich auf das Experiment einlässt, wird geschmacklich und visuell belohnt. Es gibt tolle Kreationen vom heimischem Ziegenkäse bis zum Schnittlauchnusspesto – zum Reinlegen! Klimaschutz, Ethik, Gesundheitsvorsorge und Tierschutz inklusive.
BZ: Sind Sie mit der bisherigen Resonanz in Freiburg zufrieden?
Hepp: Noch nicht. Für eine Ökohauptstadt habe ich da mehr erwartet. Es machen schon einige Restaurants und Mensen mit, die Betriebe sind auf der Internetseite der Initiative gelistet. Aber wir stehen erst am Anfang. Ich wünsche mir und der Initiative noch viele engagierte Partner. Schön wäre es, wenn viele Freiburger und Freiburgerinnen bei ihrem Stammlokal nachfragen, ob es beim "Veggietag" mitmacht. Ich bin mir sicher, dass wir ruckzuck einen enormen Zuwachs an Unterstützergastronomen hätten.

Autor: aly