Finanzen

Droste-Hülshoff-Gymnasiasten finanzieren mit Schülerhaushalt Bienenstöcke

Simone Höhl

Von Simone Höhl

Do, 08. Oktober 2015

Freiburg

Mit 5000 Euro aus dem Freiburger Rathaus haben sich die Schüler Bienenvölker angeschafft.

Der Schwarm der Schule steht auf dem Dach: die Bienenvölker des Droste-Hülshoff-Gymnasiums in Herdern. Sie sind Teil eines Projekts, bei dem die Schüler summa summarum 5000 Euro von Rathaus und Schule bekommen und selbst bestimmen können, was sie damit anstellen. Vier Schulen haben den Schülerhaushalt bereits getestet. Jetzt beginnen fünf neue, ihre Wünsche intern abzustimmen und zu realisieren.

Wie kann man an seiner Schule was verändern? Das fragte der Freiburger Schülerrat. Gerda Stuchlik, Bürgermeisterin für Bildung und Jugend, hatte vom Schülerhaushalt gehört; das Projekt stammt aus Brasilien und verschafft Schülern ein eigenes Budget. Also stellte das städtische Schulamt jeder Schule 2500 Euro zur Verfügung, die ebenso viel dazu geben sollte. Vier wollten das Projekt letztes Schuljahr testen. "Wir mussten dafür werben", sagte Stuchlik am Mittwoch im Droste, vor dem Fenster stehen die Bienenstöcke.

"Wir wollten das Projekt sofort haben", sagte Marcel Wagner, der vergangenes Schuljahr Abitur am Droste machte und im Vorstand des Schülerrates saß. In den Klassen wurden Vorschläge gesammelt. Die Idee mit den Bienen war schon länger herumgeschwirrt, aber nicht als Wunsch vieler.

Niclas Dehler weckte das Interesse seiner Mitschüler, verteilte Infos und erklärte, "dass man sie halten kann, ohne dass gleich alle gestochen werden". Auch andere machten Werbung für ihre Vorschläge und alle 800 Schüler stimmten ab. Mehrheiten fanden die Bienen, die nun lebendes Anschauungsobjekt sind, und ein XXL-Sportfest mit Attraktionen wie lebendigem Tischkicker und Biocatering: "Wir wollten etwas, bei dem die ganze Schule was zusammen macht", sagte Kasimir Schmidt.

Feinabstimmung

mit Fachämtern

Begleitet wurde der Prozess von Eva Prosser-Harbauer vom Schulamt und von Abstimmungen mit Fachämtern – bis alles stand, auch der Strom fürs Fest, den die Schüler erst vergessen hatten. "Da lernt man fürs Leben", meinte Marcel Wagner. Auch, dass trotz des Budgets kostenlose Hilfe von Eltern und Firmen für die Riesenfete sowie von Imkern notwendig war. Die Bienenausstattung war teuer, die Völker bekamen die Gymnasiasten geschenkt.

"Die Kinder und Jugendlichen sollen merken, dass sie etwas gestalten können", sagte Gerda Stuchlik. Das taten sie auch an der Merianschule, wo die Schüler sich nun um eine eigene Bücherei kümmern. Die Edith-Stein-Schüler verwandelten ihren Aufenthaltsraum in eine Lounge und gönnten sich Luft-Händetrockner in den Klos. Die Berthold-Gymnasiasten belebten den Schulkiosk wieder. Auch an diesen Schulen war diskutiert und ein Konsens gefunden worden.

"Das ist ein Wert, den kann man nicht in Honiggläsern oder Veggiburgern messen", befand Lehrer Thomas Kellersohn, der die Steuerungsgruppe am Droste leitete. Die Schule hatte recht viel Aufwand, aber den gibt’s auch bei anderen Dingen, meinte Direktor Martin Rupp: "Für das Projekt ist mir keine Minute zu schade." Er sammelt den Honig im Büro, bisher 24 Gläser, den die Schule für einen guten Zweck verkaufen will. Künftig soll’s auch eine Imker-AG geben.

Dieses Schuljahr stellen nun fünf Freiburger Schulen einen Schülerhaushalt auf: Hans-Jakob- und Emil-Thoma-Realschule, Friedrich-, Goethe- und Walter-Eucken-Gymnasium.