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23. Februar 2017 10:18 Uhr

Globale Erwärmung

Durch den Klimawandel wird’s Eichen und Fichten zu warm

Auch die Region bekommt den Klimawandel zu spüren – und heimische Bäume vertragen Hitze schlecht. Forscher untersuchen deshalb bei Freiburg Baumarten, die höhere Temperaturen besser vertragen.

  1. Douglasien könnten die Fichte ersetzen. Foto: Jens Büttner

Das Jahr 2016 hat es einmal mehr gezeigt: Es war das heißeste seit Beginn der Wetteraufzeichnungen – der Klimawandel ist im vollen Gange. Die Oberrheinregion wird von der Entwicklung vergleichsweise stark betroffen sein. Große Hitze, lange Trockenperioden, aber auch Starkregen und heftige Gewitter: In den zurückliegenden Jahren könnte es bereits einen Vorgeschmack auf die Zukunft gegeben haben. Denn es gibt Wissenschaftler, die davon ausgehen, dass in den nächsten 80 Jahren die Jahresdurchschnittstemperatur am Oberrhein im Vergleich zu heute um noch einmal 3,5 bis 4 Grad Celsius steigen wird, in den Städten sogar um bis zu fünf Grad. Die Region will sich deshalb fit für den Klimawandel machen.

Wie kann man eine Region auf den Klimawandel vorbereiten?

"Das ist bei uns ein Riesenthema", sagt Jürgen Bauhus, der Leiter der Professur für Waldbau an der Universität Freiburg. Denn damit sich der Schwarzwald bis in 100 Jahren nicht in eine Strauchlandschaft verwandelt, müssen die Wälder an die veränderten Klimaverhältnisse angepasst werden. Wie das am besten gelingt, darüber gebe es jedoch noch große Unsicherheiten, sagt Bauhus. Die Arbeitsgruppe macht deshalb Tests und untersucht im Labor und in Freilandversuchen, wie verschiedene Baumarten auf Umweltreize reagieren und in der Vergangenheit reagiert haben. Ähnliche Untersuchungen gibt es auch von der Forstlichen Versuchs- und Forschungsanstalt (FVA), einer Einrichtung des Landes mit Sitz in Freiburg. Ein Beispiel: Im Lilienthal am Kaiserstuhl hat die FVA eine Versuchsfläche, weil es dort heißer und trockener ist als etwa im Schwarzwald. Seit dem vergangenen Jahr werden neuartige Bergahorne gezüchtet – als mögliche "Powerbäume", die dem Klimawandel trotzen könnten.

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"Die Fichte ist einer der großen Verlierer des Klimawandels." Jürgen Bauhus, Professor für Waldbau
Die Uni Freiburg forscht unter anderem in einem Waldstück im Mooswald bei Umkirch. Dort wird seit rund zehn Jahren getestet, welche Baumarten am besten mit den zukünftigen klimatischen Verhältnissen zurechtkommen. Dabei geht es auch um andere Sorten von heimischen Bäumen. Neben den bei uns typischen Stieleichen wachsen etwa die amerikanische Roteiche oder die südosteuropäische Zerreiche – es deute sich bereits an, dass die Zerreiche trockenheitstoleranter sei als die heimischen Arten, sagt Bauhus. Große Probleme wird im Laufe des Jahrhunderts auch die Fichte bekommen. "Sie ist einer der großen Verlierer des Klimawandels", sagt Bauhus. Wer sie ersetzen könnte, darüber scheiden sich die Geister. Die Douglasie wäre eine Möglichkeit, weil sich ihr Holz gut nutzen lässt.

Auch die Landwirtschaft kann Probleme bekommen

Viele Naturschützer lehnen das aber ab, weil der Baum eine nicht-einheimische Art ist. Im Zuge der Klimaanpassung müssten solche "lieb gewonnenen Paradigmen" aber hinterfragt oder über Bord geworfen werden, meint Bauhus. Auf bestimmten Standorten könnte er sich als einheimische Alternative auch die Tanne vorstellen.

Nicht zuletzt gehe es bei den Auswirkungen des Klimawandels auf den Wald auch um wirtschaftliche Aspekte, sagt Ulrich Kohnle, Leiter der Abteilung Waldwachstum an der FVA: "Ordentlich Geld verdienen lässt sich nur mit Nadelbäumen." Laut einer 2012 vorgestellten Studie wird der Wald bis zum Ende des Jahrhunderts massiv an Wert verlieren.

Bauhus bringt aber auch noch einen anderen Aspekt mit ins Spiel: Bei der Diskussion dürfe nicht übersehen werden, dass der Wald weitere Funktionen habe, etwa als Lebensraum für Tiere, Pilze und Insekten: "Das alles zu erhalten, wird eine große Herausforderung." Dennoch ist sich Bauhus sicher: Auch in 100 Jahren wird es noch Wald geben. Die Frage sei nur, wie er dann zusammengesetzt sein werde. "Ein heißer Kandidat", um den Klimawandel gut zu überstehen, wäre eigentlich die Esche gewesen, sagt Kohnle: Sie mag es gerne warm. Nur leider ist sie gerade stark gefährdet. Grund ist ein Pilz, der den Eschen den Garaus macht.

Wenn sich der Schwarzwald in Richtung Toskana wandelt, kommt aber nicht nur der Wald in die Bredouille. Auch die Landwirtschaft steht vor Herausforderungen. "Die Produktionsbedingungen für Landwirte werden deutlich schwieriger werden", lautete das Fazit einer Untersuchung vom Naturpark Südschwarzwald und dem Land Baden-Württemberg, die im vergangenen Jahr abgeschlossen wurde. Sechs Betriebe in unterschiedlichen Höhenlagen und mit verschiedenen Betriebsstrukturen wurden unter die Lupe genommen. Durch Hitze und Trockenheit sei der Ackerbau gefährdet, ganz besonders aber der Obstanbau, vor allem im Markgräflerland, hieß es. Auch werde es mehr Probleme mit Schädlingen geben. Andererseits könnten sich durch den Klimawandel aber auch Chancen auftun: Nasswiesen, wie sie etwa auf der Baar zu finden sind, könnten durch die höheren Temperaturen profitieren.

Wenige Grad Celsius mehr, das ganze Jahr über, das hat auch Auswirkungen auf den Weinbau. Die Winzer stellen sich darauf bereits ein. Inzwischen reifen in der Region auch Sorten, die früher eher für Südfrankreich, Spanien oder Italien typisch waren, etwa Syrah oder Merlot.
Hitze im Baugebiet

Was der Klimawandel für den Menschen bedeutet, hat der Sommer 2003 gezeigt. In Freiburg wurde die 40-Grad-Marke geknackt. An den Folgen der Hitze sollen laut einer Studie französischer Forscher in Deutschland 7000 Menschen gestorben sein. Manche Prognosen gehen davon aus, dass bis zum Jahr 2070 solche Sommer normal werden. Ein Problem ist das vor allem für Städte: Dort heizt sich die Fläche durch die verdichtete Bauweise stärker auf als im Umland. Dennoch sei der Aspekt Klimawandel bei der Bauleitplanung bislang nur ein Aspekt von vielen, sagen Kritiker. In Freiburg gab es dazu in den vergangenen Jahren immer wieder Diskussionen. Großes Thema war der Platz der alten Synagoge in der Innenstadt, der derzeit umgestaltet wird. Er soll sich in eine "urbane Fläche" verwandeln. Viele Bürger glauben eher an eine "Steinwüste", die sich im Sommer unerträglich aufheizen wird. Auch beim Standort für das neue SC-Stadion am Freiburger Flugplatz war die verhinderte Frischluftzufuhr ein Kritikpunkt.

Weil die Oberrheinregion sehr stark vom Klimawandel betroffen sein wird, hat sich der Regionalverband Südlicher Oberrhein das Thema mittlerweile besonders auf die Fahnen geschrieben. Bei der Fortschreibung des Regionalplans, der weiteren Planungen übergeordnet ist, hat erstmalig der Klimaaspekt eine besondere Rolle gespielt. "Damit haben wir deutschlandweit eine gewisse Vorreiterrolle", sagt Verbandsdirektor Dieter Karlin. Neuland habe der Regionalverband beispielsweise bei der Sicherung von Wasservorkommen betreten. Auch bei der Siedlungsentwicklung werde zukünftig noch mehr darauf geachtet, dass wichtige Kaltluftschneisen nicht zerstört werden und dass die Gemeinden sich nicht zu sehr in die freie Landschaft ausdehnen, erklärt Karlin. Den Kommunen gefalle das nicht immer: "Die hätten gerne mehr Beinfreiheit, um weitere Baugebiete ausweisen zu können."

Insgesamt spiele das Thema Klimawandel bei den Planungen in kleineren Kommunen bislang jedoch noch keine große Rolle, sagt Karlin. Das bestätigen die Landkreise Breisgau-Hochschwarzwald und Emmendingen. Zwar gibt es Konzepte, um umweltfreundliche Baustandards durchzusetzen oder Photovoltaikanlagen zu fördern. Um eine ausreichende Frischluftzufuhr machen sich die Gemeinden im Umland aber bislang keine Gedanken. Anders sieht es in Freiburg aus. Dort hat das Stadtplanungsamt im Januar ein städtebauliches Konzept zur Klimaanpassung auf den Weg gebracht, mit dem Untertitel "Handlungsfeld Hitzebelastung". Bis zum Herbst sollen die klimatischen Verhältnisse analysiert werden, um daraus abzuleiten, wo Verdichtung möglich ist und wo dies aus klimatischen Gründen kritisch wäre.

Weltweiter CO2-Trend am Schauinsland im Blick

Im Dezember 2015 haben in Paris 195 Staaten den Weltklimavertrag unterzeichnet und sich verpflichtet, die Erderwärmung im Vergleich zum vorindustriellen Zeitalter auf zwei Grad Celsius zu begrenzen. Doch unterdessen gibt es weitere schlechte Nachrichten. Die Konzentration des klimaschädlichen CO2 steigt weltweit an.

Zum ersten Mal seit Beginn der Messungen ist der Kohlendioxidgehalt der Atmosphäre im vergangenen Jahr auch im Herbst nicht unter den Wert von 400 parts per million (ppm) gesunken – normalerweise sinkt die Konzentration zu dieser Jahreszeit wegen des Pflanzenwachstums in Frühjahr und Sommer. Dieser weltweite Trend lässt sich auch auf dem Freiburger Schauinsland ablesen: Dort betreibt das Umweltbundesamt eine Messstelle, die weiträumig transportierte Luftmassen analysiert. Auch dort lag der CO2-Wert im Jahr 2015 erstmalig über 400 ppm.

Aktuell hat sich in Baden-Württemberg eine neue Initiative zusammengeschlossen, die sich auf die Fahnen geschrieben hat, den Klimawandel einzudämmen. Ein Teil der Gründer kommt auch aus Südbaden, darunter ist zum Beispiel das "Stromrebellen"-Ehepaar Sladek von den Elektrizitätswerken Schönau. Die Initiative möchte, dass eine nationale CO2-Abgabe für fossile Brennstoffe eingeführt wird. Damit sollen die Verursacher des Klimawandels zur Kasse gebeten werden, etwa Unternehmen. Auf EU-Ebene gibt es bereits einen Handel mit Verschmutzungszertifikaten – allerdings mit wenig Wirkung, weil von Beginn an zu viele Zertifikate auf dem Markt waren. In der vergangenen Woche hat das EU-Parlament das System zwar überarbeitet, Umweltschützer sind aber auch mit der neuen Lösung nicht zufrieden.

Autor: Jelka-Louise Beule