Zur Navigation Zum Artikel

Wenn Sie sich diesen Artikel vorlesen lassen wollen benutzen Sie den Accesskey + v, zum beenden können Sie den Accesskey + z benutzen.

28. Januar 2016

Versorgung

Private Initiative und Stadtverwaltung kümmern sich um WLAN in Flüchtlingsunterkünften

Ein Baustein zur Integration: Eine private Initiative und die Stadt Freiburg haben 15 von 21 Wohnheime mit kabellosem Internet ausgestattet, in den restlichen Standorten soll in den nächsten Wochen nachgelegt werden.

  1. WLAN soll bald in allen Flüchtlingsheimen funktionieren. Foto: i. schneider

"WLAN ist für Flüchtlinge wie das tägliche Brot", sagt Volkhart Schönberg von der privaten Initiative "WLAN für Flüchtlinge". Und Werner Hein, Leiter des Amts für Wohnraumversorgung, ergänzt: "WLAN gehört zum Standard und ist ein wichtiger Baustein zur Integration." Es ermöglicht es den Flüchtlingen, Kontakt in die Heimat zu halten, hilft beim Lernen der Sprache und zur Orientierung im fremden Ort. Initiative und Stadt haben mittlerweile 15 von 21 Wohnheime ausgestattet, in den restlichen Standorten soll in den nächsten Wochen nachgelegt werden.

"Kommunikation ist das Allerwichtigste", sagt Sandra Megahed vom Deutschen Roten Kreuz, das für die Sozialbetreuung in mehreren Unterkünften zuständig ist. Sie weiß aus ihrer Arbeit im Heim an der Bissierstraße, wo rund 450 Flüchtlinge wohnen, wie wichtig ein kostenloser WLAN-Zugang ist. Zum einen, weil sie so Kontakt zu Freunden und Verwandten in der Heimat und entlang der Fluchtrouten halten und Bilder und Erfahrungen austauschen können. Zum anderen sei ein kosten- und kabelloser Internetzugang für die Orientierung in der neuen Umgebung wichtig: Wo ist der nächste Arzt? Welche Firmen und Läden gibt es? Welche Schulen sind in der Nähe? Ohne kostenloses WLAN, sagt Megahed, war ein Großteil der Flüchtlinge abgeschnitten; jetzt gebe es mehr Austausch. Viele konnten sich WLAN schlichtweg nicht leisten.

Werbung


Immer, wenn er in den vergangenen Monaten Flüchtlingen begegnet sei, habe man ihn auf WLAN in den Heimen angesprochen, sagt Sozialbürgermeister Ulrich von Kirchbach. Gemeinsam mit der privaten Initiative "WLAN für Flüchtlinge" hat die Stadtverwaltung seit vergangenem Sommer nach und nach die Wohnheime mit WLAN ausgestattet, 15 sind es mittlerweile, die restlichen sollen demnächst folgen. Und auch die zehn neuen Unterkünfte, die 2016 eröffnet werden, sollen alle WLAN erhalten.

Die Stadt und die Initiative teilen sich jeweils zur Hälfte die Kosten für die Ausstattung und Betreuung der Wohnheime mit WLAN. Die Kooperation, sagt Volkhart Schönberg, könne ein Modell für die Stadt sein, bestimmte Aufgaben outzusourcen. Finanziell unterstützt wird "WLAN für Flüchtlinge" von der Immental- und der Wilhelm-Oberle-Stiftung (Freiburger Flüchtlingsfonds) und zahlreichen Spendern, bei Technik und Know-how hilft die Initiative Freifunk. Von der sind in Freiburg zirka 250 Router in Betrieb und bundesweit 28 000. Freifunk hat das Ziel, flächendeckend kosten-, kabel- und passwortloses Internet für alle anzubieten, jeder kann einen Freifunk-Router für 20 Euro kaufen.

Die Initiative "WLAN für Flüchtlinge" will Anschlüsse und Betreuung für ein Jahr für die Hälfte aller Heime übernehmen; in den sieben, für die sie bisher zuständig ist, kostet dies zirka 10 000 Euro, schätzt Carsten Sommer von der Immental-Stiftung. Werner Hein beziffert die "Vollkosten" (Ausstattung, Beratung, Betreuung, Sach- und Personalkosten) für alle städtischen Unterkünften auf etwa 120 000 Euro im Jahr.

Noch lernen müssten viele Flüchtlinge, mit Daten- und Jugendschutz umzugehen, glaubt Volkhart Schönberg; deshalb wolle man Kurse in den Unterkünften anbieten. Zunächst wird ein Infoblatt in fünf Sprachen die Heimbewohner über die WLAN-Nutzung informieren.

Die Initiatoren mussten erfahren, dass die technische Einrichtung nicht so einfach ist. "Es ist schon anspruchsvoller, das für ein Wohnheim bereitzustellen als fürs eigene Heim", sagt von Kirchbach. In Containern WLAN zu installieren, vor allem nachträglich, sei schwierig, in solchen aus Stahl eine Verbindung quasi unmöglich – es sei denn, man öffnet ein Fenster, verrät Jens Rieger von Freifunk. Ein Problem war auch die Störerhaftung – man habe nun eine technische Lösung gefunden, damit die Anbieter keine Haftung für alle Nutzer übernehmen müssen.In der Erstaufnahmestelle an der Lörracher Straße funktioniert WLAN laut Regierungspräsidium seit 11. September 2015.

Autor: Frank Zimmermann