"Ein ganz natürlicher Vorgang"

BZ-Redaktion

Von BZ-Redaktion

Fr, 02. Juni 2017

Freiburg

DREI FRAGEN AN den Imker Werner Rinklin zum Ausschwärmen von Bienenvölkern.

Ein Bienenschwarm hat diese Woche in der Freiburger Innenstadt für Aufregung gesorgt. Jan Soika sprach mit Werner Rinklin vom Vorstand des Imkervereins Freiburg.

BZ: Herr Rinklin, Montag entkam ein Bienenschwarm dem Bienenstock eines Arztes am Friedrichring und belagerte die Wasserstraße. Gibt es denn Voraussetzungen zur Imkerei, wie beispielsweise eine Zulassung?
Rinklin: Eine formale Zulassung gibt es nicht, theoretisch kann sich jeder als Imker versuchen. Fehler kann man vermeiden, indem man Anfängerkurse zur Bienenzüchtung, wie sie auch der Imkerverein Freiburg sie anbietet, besucht und danach mit einer Imkerpatin oder einem Imkerpaten eine gewisse Zeit arbeitet. Dabei lernt man garantiert den richtigen Umgang mit dem wichtigsten Nutztier nach Schwein und Rind.
BZ: Mit etwas Pech werden beim Ausschwärmen von Bienenvölkern Menschen gestochen. Haftet der Imker ebenso wie der Hundehalter?
Rinklin: Nein. Bei umherschwirrenden Bienen ist es schwierig, den Besitzer festzustellen. Deshalb gilt ein Bienenschwarm als herrenlos und kann von jedem Imker oder jeder Imkerin in Besitz genommen werden.
BZ: Wie kann man das Ausschwärmen der Tiere denn verhindern?
Rinklin: Beim Ausschwärmen der Bienen teilt sich das Bienenvolk. Im schwarmträchtigen Bienenvolk warten junge Königinnen auf den Schlupf. Die alte Königin zieht bei günstigem Wetter vorher mit einem Teil des Volkes aus. Dies ist ein ganz natürlicher Vorgang. Dem kommt man zuvor, indem man bei der wöchentlichen Schwarmkontrolle das Bienenvolk selbst teilt. Hilfreich ist auch, wenn man genug Platz für das wachsende Volk schafft. Außerdem könnte man die Bienenkönigin durch eine neue ersetzen, bevor sie auf die Idee kommt zu flüchten, was auch ein gestärktes Volk gewährleisten würde.

Werner Rinklin, geboren 1944, ist seit fast vierzig Jahren Imker und zwanzig Jahre im Vorstand des Imkervereins Freiburg.