Ackerflächen

Ein Herbstfest als Protest gegen Dietenbach

Constantin Hegel

Von Constantin Hegel

Mo, 23. Oktober 2017

Freiburg

Landwirte und Natürschützer haben am Samstagnachmittag gemeinsam ein Herbstfest gefeiert und damit gegen den geplanten Stadtteil Dietenbach protestiert. Rund 100 Menschen kamen.

Auf einer Futterwiese mitten in Dietenbach am Samstagnachmittag: Naturschützer und Landwirte haben ein Herbstfest organisiert als Protest gegen den geplanten Stadtteil Dietenbach. Rund 100 Besucher sind gekommen, um sich von den Zielen der Vereine zu überzeugen.

Im Halbkreis markieren Traktoren das Herbstfest des "Regio-Bündnis Pro Landwirtschaft, Natur & ökosoziales Wohnen". "Rettet Dietenbach" und "Unsere Äcker sind unsere Arbeitsplätze" ist in großen Lettern auf den bulligen Landmaschinen zu lesen. Den Kreis vervollständigen Infostände der Vereine, die sich in dem Bündnis zusammengeschlossen haben. Für eine Sache sollten sie den Bauherren von Dietenbach dankbar sein, sagt Landwirt Erwin Wagner: Durch den Protest seien die Vereine zusammengekommen. Naturschützer und Landwirte setzen sich zusammen für den Erhalt der Äcker und gegen eine Bebauung der geplanten 107 Hektar großen Fläche ein. Vereine wie der Naturschutzbund Nabu und die Freiburger Greenpeace-Gruppe tauschen sich mit Landwirten der Bürgerinitiative "Pro Landwirtschaft und Wald" aus. Das Ziel ist bei allen gleich, die Gründe für den Protest sind unterschiedlich.

Wagner hat seinen Hof in Opfingen und gehört zu den Bauern, deren Ackerflächen für die Landwirte, die in Dietenbach ihre Felder bei der Bebauung verlieren würden, neu aufgeteilt und verpachtet werden. Den Grund sieht er im Platzmangel. "Es gibt einfach keine freien Ackerflächen mehr in Freiburg", pflichtet Kollege Martin Linser bei, der vier Hektar in Dietenbach bewirtschaftet. Sie bemängeln, dass sich ihre Höfe zwangsläufig verkleinerten. "Um überleben zu können, müssen landwirtschaftliche Betriebe aber wachsen", betont Wagner. Bei einigen Kollegen sehe er die Existenz bedroht.

Auch Jonas Pyschik will den zukünftigen Stadtteil verhindern. Der 19-jährige Student der Umwelt- und Naturwissenschaften an der Uni Freiburg ist für Greenpeace aktiv. Die größten Probleme sieht er im Verlust der natürlichen Böden. Beton heize sich stärker auf – und auch die Grundwasserbildung leide darunter, da Regenwasser auf dem Asphalt abfließt und nicht mehr im Boden versickerte. Hinzu komme das Insektensterben, das sich durch weniger Grünflächen weiter fortführe.

Doch was wäre die Alternative zum Neubaugebiet angesichts des Zuzugs und der steigenden Mieten? Alle sind sich einig, dass vorhandener Wohnraum effektiver genutzt werden müsse. Mit einem Neubau teurer, hochwertiger Wohnungen in Dietenbach würden die Mieten allerdings nicht sinken, meint Pyschik, sondern nur die Preise in ganz Freiburg auf dasselbe Niveau anheben. Stadtrat und Fraktionsvorsitzender der Liste "Freiburg Lebenswert" Wolf-Dieter Winkler stellt das Konzept des anhaltenden Zuzugs generell in Frage. "Wir müssen nicht mehr wachsen. Wenn das Haus voll ist, ist es voll." Stattdessen sollte man für Gesamtdeutschland denken und Gebiete mit hohem Wegzug, wie zum Beispiel im Osten, besser fördern.

Nach wie vor geben sich die Aktivisten siegessicher, dass sie den neuen Stadtteil verhindern können: "Ganz klar, wir kämpfen bis zum Schluss."