Ein Kleiderschrank fürs neue Leben

Anja Bochtler

Von Anja Bochtler

Mi, 12. Dezember 2018

Freiburg

Eine alleinerziehende junge Mutter ist durch Gewalt in der Kindheit psychisch traumatisiert und lebt zurzeit mit Arbeitslosengeld II.

FREIBURG. Es gibt Dinge, über die Helen W.* nicht sprechen kann – ihre Kindheit gehört dazu. Sie ist in einem afrikanischen Land aufgewachsen, wo sie viel Gewalt erlebt hat, dazu kam vor etlichen Jahren noch die Flucht. Inzwischen ist sie Ende 20, längst zu Hause in Freiburg, aber psychisch traumatisiert von ihrer Vergangenheit. Wegen ihrer schlechten psychischen Verfassung hat sie ihre Tochter vorübergehend in eine Pflegefamilie gegeben, doch sie will sie zurückholen. Weil sie nun wieder Mutter wurde, kann sie nicht arbeiten. Das Geld ist knapp.

Eigentlich ist Helen W. stolz auf sich: Als ihre Depressionen überhand nahmen, hat sie sich freiwillig beim Jugendamt gemeldet. Sie hat sich Sorgen um ihre Tochter gemacht, sie wollte nicht, dass das Kind massiv unter einer psychisch labilen Mutter leiden muss. Seit ein paar Jahren nun lebt das Mädchen, das im Grundschulalter ist, bei einer Pflegefamilie. Ihre Tochter fühle sich sehr wohl, erzählt Helen W. – und auch sie verstehe sich bestens mit den Pflegeeltern: "Es ist eine gute Freundschaft zwischen uns." Sie will den Kontakt zu den Pflegeeltern auf jeden Fall weiter halten, wenn ihre Tochter wieder bei ihr lebt – denn sie zurück zu bekommen, ist zurzeit ihr großes Ziel. Inzwischen hat Helen W. das Gefühl, dass sie nun besser mit sich umgehen kann: "Ich verstehe mich jetzt mehr und kann anders für mich und meine Kinder sorgen", sagt sie.

Bis dahin war es ein weiter Weg: In der Kultur, in der sie aufwuchs, seien Depressionen und andere psychische Erkrankungen große Tabus, sagt sie. Erst in Deutschland habe sie im Lauf von Jahren gelernt, sich zu öffnen – was umso wichtiger war, weil durch die Flucht noch neue belastende Erfahrungen zu ihrer durch Gewalt geprägten Kindheit dazukamen. Sie war in einer Klinik und geht weiterhin zur Psychotherapie. In ihren Jahren in Freiburg hat sie außerdem nicht nur Deutsch gelernt, sondern auch den Haupt- und den Realschulabschluss gemacht und eine Ausbildung in einem medizinischen Beruf begonnen. Diese musste sie abbrechen, weil sie inzwischen nochmal Mutter geworden ist. Selbst wenn das Baby später mal größer ist, lässt sich ihre Ausbildung nicht mit den Kita-Öffnungszeiten vereinbaren. Ihr neues Ziel ist nun eine Krankenpflege-Ausbildung – aber erst, wenn ihr Baby nicht mehr so klein ist. Der Vater kümmert sich zwar ums Kind, doch Helen W. lebt allein und braucht für ihren Lebensunterhalt zurzeit Arbeitslosengeld II. Sie ist daran gewöhnt, möglichst wenig Geld auszugeben, viel hat sie auch von hilfsbereiten Nachbarn geschenkt bekommen. Doch nachdem sie wegen der Erhöhung der Miete um 120 Euro in eine günstigere Wohnung umziehen musste, hatte sie viele Ausgaben und viel Aufwand.

Nicht für alles fand sie Lösungen: Dringend brauchen könnte sie vor allem einen Kleiderschrank. Bisher bewahrt sie Kleidung in Boxen und Bananenkartons auf: "Das ist ein bisschen chaotisch", sagt sie. Spätestens wenn das Baby krabbelt, wäre es ihr wichtig, mehr Ordnung zu haben.

* Name geändert

Aktion Weihnachtswunsch: Spendenkonto Sparkasse Freiburg-Nördlicher Breisgau, IBAN: DE77 6805 0101 0002 3995 06, BIC: FRSPDE66XXX. Stichwort "Aktion Weihnachtswunsch", gezielte Spenden sind nicht möglich, alles fließt in einen Topf, aus dem dann Zuschüsse verteilt werden.