Zur Navigation Zum Artikel

Wenn Sie sich diesen Artikel vorlesen lassen wollen benutzen Sie den Accesskey + v, zum beenden können Sie den Accesskey + z benutzen.

12. Januar 2016

Pralinen, die Hoffnung schenken

Ein Konfekthandel in Sölden finanziert mit seinem Gewinn Hilfsprojekte für Kinder in Peru

Die Welt ein kleines bisschen besser machen – das klingt gut und kann in manchen Fällen ziemlich einfach sein. Tobias Vogel (30) und David Roggatz (26) unterstützen mit fair gehandelten Pralinen aus Bioschokolade soziale Projekte im Bereich Bildung und Erziehung in Peru.

  1. Tobias Vogel, Geschäftsführer von Süße Hoffnung Foto: Privat

  2. David Roggatz unterstützt ehrenamtlich die Arbeit von „Süße Hoffnung“. Foto: Ingo Schneider

Ein gemeinnütziger Verein trägt die Arbeit und die Hilfsprojekte. Eine vereinseigene Unternehmergesellschaft wickelt den kommerziellen Handel ab.

Wie viele andere Abiturienten entschloss sich auch Tobias Vogel nach seinem Abitur 2005 am Wentzinger-Gymnasium, ein Auslandsjahr zu absolvieren. In Peru unterstützte er in einer Schule die Lehrkräfte und brachte den Kindern Deutsch bei. Der Hobbymusiker schloss die Menschen, das Land und die Kultur sofort ins Herz. Innerhalb eines Jahres schaffte er es, dort ein Schulorchester auf die Beine zu stellen. Als er dann wieder in Deutschland war, ließen ihn die Eindrücke aus Peru nicht mehr los. Die Idee mit den Pralinen sei ihm schon damals gekommen, sagt er. Doch bis die erste Pralinenpackung verkauft wurde, war es ein langer Weg.
Zunächst gründete Vogel 2007 den gemeinnützigen Verein "Süße Hoffnung". Daraufhin begab er sich, während seines neu aufgenommenen Musikstudiums in Freiburg, auf die Suche nach Pralinenherstellern in Peru, die den Bedingungen des Vereins gerecht werden konnten. Wichtig waren Transparenz und gute Arbeitsbedingungen für die Beschäftigten. "Und die Kosten sollten so niedrig wie möglich gehalten werden", fügt der studierte Ökonom Roggatz hinzu. Nach langer Suche war man sich einig: Das peruanische Unternehmen Dulciana sollte das Konfekt liefern. "In Peru ist Dulciana wie Milka oder Lindt hier in Deutschland", erklärt Roggatz. Doch noch fehlte das Geld für die Umsetzung.

Werbung


Die finanzielle Lage änderte sich überraschend. Vogel reichte im Jahr 2009 die Idee bei einem Wettbewerb der Drogeriemarktkette DM und der deutschen Unesco-Kommission ein. Unter dem Motto "Sei ein Futurist" gewann er, neben 1081 anderen Projekten für eine nachhaltige Entwicklung, ein Preisgeld von 1000 Euro. Damit erfolgte ein Jahr später die Firmengründung der "Süße Hoffnung UG" im Eigentum des Vereins. Im Jahr 2012 kam dann die erste Palette mit mehreren tausend Pralinenpackungen am Frankfurter Flughafen an, die die beiden von dort persönlich mit einem Kleinbus abholten. Seither wird zweimal pro Jahr neue Ware bestellt.

Für Kongresse, Weihnachtsfeiern und andere Veranstaltungen haben bislang etwa schon die GLS-Bank, die Friedrich-Ebert-Stiftung und ein Landesministerium in Stuttgart Pralinen bestellt. Was jetzt noch fehlt, seien offizielle Fair-Trade- und Biosiegel. Erst damit habe man im Einzelhandel eine realistische Chance, um die Pralinen in größerem Stil vertreiben zu können, so Roggatz.

Der Gewinn der UG, der laut Vogel nun langsam greifbar wird, fließt in die Hilfsprojekte des Vereins in Peru – etwa Schülerpatenschaften oder Arbeit mit benachteiligten Jugendlichen. Vogel, mittlerweile hauptberuflicher Gymnasiallehrer, Roggatz und alle weiteren Helfer sind nach eigenen Angaben ehrenamtlich für "Süße Hoffnung" tätig. "Wir sind auch offen, weitere passende Hilfsprojekte in Peru in unsere Förderung aufzunehmen", erklärt Tobias Vogel.

Autor: Annika Horst