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13. Dezember 2011

Ein ziemlich heißes Pflaster

Das Meteorologische Institut der Universität erstellt ein Klimagutachten für den neuen Platz der Alten Synagoge.

  1. Granitplatten statt Wiese: So soll der Platz der Alten Synagoge künftig aussehen. Foto: Repro: BZ

Bereits im vergangenen Jahr hat ein Gutachten der Stadtverwaltung herausgefunden, dass die geplante Umgestaltung des Platzes der Alten Synagoge Auswirkungen auf das Klima vor Ort hat. Nun hat eine Studie des meteorologischen Instituts der Universität dies noch einmal genauer untersucht – und ist zu dem Ergebnis gekommen, dass sich die gefühlte Temperatur auf dem Platz an manchen Stellen um bis zu 40 Prozent erhöhen wird. Ein neues Klimagutachten der Stadtverwaltung schätzt die Situation indes als nicht ganz so dramatisch ein.

Kritiker hatten es immer befürchtet – und wurden 2010 durch das Gutachten bestätigt: Da der gesamte Platz zwischen Theater, Unibibliothek und Kollegiengebäude II nach der Umgestaltung mit Granitplatten bedeckt sein wird und der Rasen vor dem Unigebäude wegfällt, wird sich die Fläche künftig stärker aufheizen. Diese Prognose rief im vergangenen Jahr den Gemeinderat auf den Plan. Er beschloss, dass auf der Fläche doch mehr Bäume stehen sollen als ursprünglich geplant. "Doch damit ist es nicht getan", sagt Andreas Matzarakis, Professor am meteorologischen Institut der Universität. Denn diese Bäume sind vor allem in den Randbereichen der Fläche vorgesehen: am geplanten Wasserbecken und an der Bertoldstraße. Die Mitte des Platzes bleibt weiterhin frei.

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Deshalb hält Matzarakis die jetzt vom meteorologischen Institut vorgestellte Untersuchung weiterhin für aktuell – obwohl sie noch einen alten Planungsstand wiedergibt. Da die Entscheidung des Gemeinderats erst später kam, wurden die mittlerweile zusätzlich vorgesehenen Bäume nicht in die Studie einbezogen. Um einen entscheidenden Effekt auf das Mikroklima zu haben, müssten die Bäume jedoch auf der gesamten Fläche verteilt sein, sagt Matzarakis.

Die Untersuchung des meteorologischen Instituts beruht auf einer Bachelorarbeit des Studenten Dominik Fröhlich. Er hat mit verschiedenen Modellen simuliert, wie sich das Klima an ausgewählten Punkten auf dem Platz verändern wird. Als besonders gravierend stellt sich die Situation mitten auf der Fläche da: In dem Bereich, wo jetzt die Bushaltestelle ist, wird sich die "gefühlte Temperatur" im Sommer um bis zu 40 Prozent erhöhen. Gemeint sind damit nicht die absoluten Werte, die Aussagen beziehen sich auf einen Index, der neben der Lufttemperatur Faktoren wie Wind, Luftfeuchtigkeit oder Strahlungswärme mit einbezieht – und der dadurch eher beschreibt, ob der Mensch die Gegebenheiten als behaglich oder als unangenehm empfindet.

"Es wird durch die Umgestaltung deutlich mehr Hitzestress geben", sagt Andreas Matzarakis. Dies sei bedenklich, vor allem vor dem Hintergrund des Klimawandels: Denn bis zum Jahr 2100 soll sich die Zahl der Hitzetage verdoppeln.

Dass die zusätzlich geplanten Bäume nicht verhindern werden, dass sich der Platz an manchen Stellen mehr aufheizt, streitet auch die Stadt Freiburg nicht ab. Nachdem der Gemeinderat die Änderungen beschlossen hatte, wurde das städtische Klimagutachten noch einmal überarbeitet. Das Ergebnis unterscheidet sich nur unwesentlich von dem ersten Gutachten 2010. Durch den zusätzlichen Schatten komme es allenfalls zu "kleinräumigen Veränderungen", heißt es, insgesamt gebe es "keine grundlegend veränderte Bewertung". Trotzdem schätzt der Gutachter die Situation weit weniger dramatisch ein als die Universität. Denn entscheidend sei, dass es nach wie vor auch viele Bereiche gebe, in die sich die Menschen bei Hitze zurückziehen könnten. Insgesamt werde durch die Planung eine große Vielfalt geschaffen. Denn schließlich gebe es nicht nur heiße Sommertage, in denen die Menschen sich Schatten wünschten, sondern auch Zeiten, in denen sie gerne in der Sonne sitzen, weil es sonst zu kalt ist.

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Autor: Jelka Louisa Beule