Staudinger-Gesamtschule

Lonzept für die Zukunft: Länger gemeinsam lernen

Simone Höhl

Von Simone Höhl

Mi, 13. Mai 2015

Freiburg

Kultusminister Stoch besucht die Adolf-Reichwein-Schule und die Staudinger-Gesamtschule / Zusage für das Jahrgangskonzept.

Aufatmen in der Staudinger-Gesamtschule: Sie kann zurück zu ihren Wurzeln, das bereits eingeführte Konzept des gemeinsamen Lernens wird für die Zukunft legalisiert. Kultusminister Andreas Stoch kündigte an, dass die Modellschul-Verordnung angepasst wird, als er am Dienstag in Freiburg gleich zwei besondere Schulen besucht hat.

"Wir wollen unseren Teil dazu beitragen, dass die Idee der Jahrgangshäuser auch juristisch in Ordnung geht", sagte der SPD-Landesminister. Gerade hatte die Gesamtschule ihm ihr Konzept vorgestellt: Alle Kinder eines Jahrgangs sollen bis Klasse 10 zusammen lernen, ohne in Werk-, Realschul- und Gymnasialzweig getrennt zu werden, dann soll’s eine Oberstufe geben. Die Modellschule führte das Konzept vor zwei Jahren ein.

Kinder flüchten vor Erwachsenen-Tross

Mit dem sei sie "knapp unter dem Radar geflogen", meinte Stoch. Seine Zusage freute Schulleiter Heinz Epping: "Zum neuen Schuljahr wär’s kritisch geworden." Die Klassen 5 und 6 wurden auch früher gemeinsam unterrichtet, im Herbst aber kommt das Jahrgangshaus in Klasse 7 an. "Schön, dass wir mit Dampf weiter machen können." Noch kein Thema war eine Beteiligung des Landes beim Neubau der Schule in Haslach, der 85 Millionen, mit allem drum und dran 102 Millionen Euro, kosten soll.

Epping präsentierte Geschichte und Arbeit der Schule, Schüler erklärten in einem Film, was es mit individuellem Lernen (jeder arbeitet in seinem Tempo und was er will) und Stillarbeit (da darf man keinen Quatsch machen) auf sich hat, eine Lehrerin erklärte das Ganztagsangebot von sozialem Lernen über Werkspielhaus bis zur Schulküche. Früher hätten die drei Gesamtschulen im Land wie "gallische Dörfer" gewirkt, meinte Stoch: "Sie sind aktueller denn je." Daniela Körner vom Elternbeirat bat ihn, an den Plänen für die Gymnasien festzuhalten: "Wenn die sich nicht öffnen, stehen die Realschulen alleine da." Die Pläne für die Realschulen wiederum lösten Unmut bei Eltern aus. Die Bildungspolitik sollte am Abend bei einer Veranstaltung mit Stoch, Edith Sitzmann und Gabi Rolland diskutiert werden.

Die beiden Landtagsabgeordneten begleiteten Stoch unter anderem mit Oberbürgermeister Dieter Salomon, Schulpräsident Bosch und Bürgermeisterin Gerda Stuchlik bei seiner Mini-Tour, die in der Adolf-Reichwein-Schule in Weingarten startete: "Sie beschäftigt sich auch seit Jahren mit der inneren Schulentwicklung", sagte Salomon. Auch sie ist besonders, vereinigt Grundschule und Schule für Erziehungshilfe, hat viele Schüler mit Migrationshintergrund – "und wir leben Inklusion seit vielen Jahren", sagte Schuleiter Johannes Schubert. Das Fazit: Das sei kein Weg für alle Schüler, Sonderschulen dürften nicht geschwächt werden. Stoch beruhigte ihn, im Mittelpunkt stehe immer das Kind: "Wir brauchen beide Strukturen."

Die Schule beschäftigt sich mit vielen Themen, die die Landesregierung umtreiben. Seit 2007 bietet sie islamischen Religionsunterricht an, den heute 27 Prozent der Schüler besuchen – mehr als den evangelischen, erklärte Schubert im Lehrerzimmer. In dem hingen Pläne für die Sanierung der Schultoiletten, die Schlagzeilen gemacht hatten. Die sah der Minister nicht – dafür aber die Neubaupläne für den Ganztagsbetrieb, das Konzept des "Bildungshauses" für die Zusammenarbeit mit Kitas und den Bereich für die Sprachförderung, die an der Schule großen Raum einnimmt. Als die ganzen Erwachsenen kamen, waren allerdings die Kinder weg: "Die sind alle geflüchtet", erklärte Lehrerin Sylvia Bohn lachend.