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11. August 2017 11:12 Uhr

Tiergehege

Eine Prärie für die Bisons auf dem Freiburger Mundenhof

Auf dem größten Tiergehege Baden-Württemberg soll es bald aussehen wie im Westen der USA: Auf dem Mundenhof in Freiburg entsteht eine große Prärie für Bisons.

  1. Im nächsten Frühjahr soll es bei den Bisons wieder Nachwuchs geben. Foto: Archivfoto: Thomas Kunz

Mannshohe Gräser, blühende Stauden und herbstliches Laubgehölz, dazwischen grasende Bisons: Dieses Bild prägte vor 200 Jahren den Mittleren Westen der USA – und bald auch den Mundenhof. Dort soll neben dem Gehege der Pintopferde eine Präriefläche entstehen. Das Projekt ist gemeinsam vom Mundenhof, der Freiburg-Madison-Gesellschaft und dem Sister City Committee aus Freiburgs US-amerikanischer Partnerstadt Madison entwickelt worden. Im Herbst 2018 soll die Prärie anlässlich der 30-jährigen Städtepartnerschaft eingeweiht werden.

Als größtes Tiergehege Baden-Württembergs beherbergt der Mundenhof 300 Haus- und Nutztieren aus aller Welt, die nach Heimatkontinenten sortiert in der Anlage gezeigt werden. Um das Flair zu verstärken, soll sich daran auch die Vegetation orientieren – etwa wie der asiatische Bambuswald, der 2001 in Kooperation mit Matsuyama, der japanischen Partnerstadt Freiburgs, angelegt wurde.

Nun soll der nordamerikanische Bereich nachziehen: Bereits vor sechs Jahren wurden Samen auf einer knapp 300 Quadratmeter großen Versuchsfläche ausgesät – und seien zu ansehnlichen Präriepflanzen herangewachsen, sagt Susanne Eckert, die den Mundenhof mitleitet. Im Frühjahr 2018 soll die bestehende Prärie um eine 700 Quadratmeter große Fläche erweitert und mit typischen Pflanzen aus Kurz- und Hochgrasprärien bepflanzt werden. Die Kosten für die Neuanlage werden sich auf mehrere tausend Euro belaufen, enthalten sind Samen, Pflanzmaterial und Absperrungen. Fachlich unterstützt wird der Mundenhof neben der Beratung des Staudensichtungsgartens in Weinheim durch den botanischen Garten der Universität Madison.

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Aussichtsplattform ist noch eine Vision

Freiburgs US-amerikanische Partnerstadt lag ehemals selbst in einer der weitverbreiteten Prärien – eine der artenreichsten Pflanzengesellschaften der Erde, wie Susanne Eckert findet: "Mit ihrem extrem tiefen Wurzelwerk überstehen Präriepflanzen längere Trockenzeiten und können eine Größe ausbilden, die für unsere Wiesenpflanzen nicht möglich sind." Im Gegensatz zum mitteleuropäischen Blütespektrum liege der nordamerikanische Blütehöhepunkt im Spätsommer, erklärt die Mundenhofleiterin. "Die Wiesen sind aber bis in den Winter attraktiv." Im August reist sie in die USA und begutachtet in botanischen Gärten und Schutzgebieten vorhandene oder wiederhergestellte Prärieflächen. "Früher zogen sich Prärien durch den gesamten Mittleren Westen, durch unterschiedliche Klimazonen und Bodenverhältnisse. Deshalb können wir für das Projekt die Pflanzen auswählen, die dem spezifischen PH-Wert, Jahresniederschlag und der Bodenzusammensetzung hier entsprechen."

"Das wird eine zusätzliche Attraktion auf dem Mundenhof, passend zu den Bisons die richtige Umgebung zu sehen", sagt Manfred Höfert von der Freiburg-Madison-Gesellschaft, mit der der Mundenhof erstmals zusammenarbeitet. Wie das Sister City Committee in Madison freut sich der Partnerschaftsverein diesseits des Atlantiks darauf, das Prärieprojekt zum Austausch zu nutzen. Besonderes Interesse zeigt Madisons universitärer botanischer Garten an der umweltpädagogischen Arbeit im "KonTiKi" (Kontakt–Tier–Kind) auf dem Mundenhof.

Wie sich die Zusammenarbeit mit Madison, der Freiburg-Madison-Gesellschaft sowie das Projekt insgesamt entwickle, sei noch nicht absehbar, sagt Eckert. "Planung braucht Zeit, das entwirft man bei uns nicht am Schreibtisch. Im Tiergehege gibt es Nutzer mit unterschiedlichen Ansprüchen, deswegen entwickeln wir das Projekt zusammen mit unseren Tierpflegern und Landschaftsgärtnern." Eine Aussichtsplattform ist momentan noch Vision, eines ist aber sicher: Auf der neuen Präriefläche sollen im nächsten Jahr die Bisons grasen – einen Stier und vier Kühe gibt es zurzeit, im Frühjahr kommt Nachwuchs dazu.
Madison-Gesellschaft

Die Freiburg-Madison-Gesellschaft fördert als Freiburger Partnerschaftsverein die Beziehungen zur US-amerikanischen Partnerstadt Madison. Ziel ist es, Kontakte zu Bürgern der US-amerikanischen Universitätsstadt, die ähnlich viele Einwohner wie Freiburg hat, zu erhalten und zu vertiefen. Die Städtepartnerschaft mit Madison, der Hauptstadt des Bundesstaats Wisconsin, besteht seit 1988. In Madison kümmert sich das Sister City Committee um Kontakte nach Deutschland.
Gefördert wird der Austausch von Studierenden, vor Ort betreut die Gesellschaft Studierende aus den USA, die ein "Academic Year" in Freiburg verbringen und informiert sie zum Beispiel über die Geschichte Freiburgs. Regelmäßig lädt der Verein zu Vorträgen und Diskussionen ein – wie über das Brauen von Craft Beer, über historische Themen wie die Flucht badischer Revolutionäre in die USA oder über die Wirtschaftslage unter Donald Trump. Weiter organisiert er Gastauftritte von Bands und Orchestern aus Madison in Freiburg.

Autor: Claudia Förster