Enteignung für den Hochwasserschutz

Simone Höhl

Von Simone Höhl

Do, 06. Dezember 2018

Freiburg

Stadt Freiburg will für das umstrittene Rückhaltebecken im Bohrertal einen Horbener Landwirt zur Abgabe des Grundstücks zwingen.

FREIBURG. Jetzt macht das Rathaus ernst mit dem Hochwasserschutz: Die Stadt Freiburg will die Enteignung eines Grundstücks in Horben einleiten, um das umstrittene Rückhaltebecken im Bohrertal zu bauen. Der Gemeinderat soll dafür am Dienstag grünes Licht geben – wie für das ganze Projekt, das auch Arbeiten in Günterstal und den Ausbau eines Beckens vor der Wiehre vorsieht und wegen des Baubooms inzwischen fast 20 Millionen Euro teuer werden soll.

Bisher läuft es nicht so gut mit dem Hochwasserschutz im Freiburgs Südosten. Ursprünglich plante die Stadtverwaltung einen Staudamm hinter Günterstal. Der Stadtteil ging auf die Barrikaden, doch verhindert hat den Damm die Haselmaus im März 2015 allein mit ihrer Anwesenheit. Dann plante die Stadtverwaltung das Hochwasser-Rückhaltebecken im Bohrertal sowie den Ausbau eines vorhandenen Beckens auf der Breitmatte. Nun ging ein Horbener Bauer auf die Barrikaden: Benedikt von Droste zu Hülshoff gehören 1,3 der benötigten 1,7 Hektar Grünland. Mit zwei anderen Besitzern einigte sich die Stadtverwaltung, von Droste weigert sich, weil er seine Existenz bedroht sieht. Die Verwaltung bot Ersatzflächen und Geld und sagt, die Forderungen des Eigentümers lägen weit über dem Wert. Den taxiert sie laut Sprecherin Martina Schickle auf rund 19 000 Euro, und nur die gäbe es bei der Enteignung. 2,3 Millionen Euro stecken schon in der Planung.

Insgesamt führten Gegner 50 Kritikpunkte auf, einer davon: Das Rathaus habe Alternativen nicht richtig geprüft. Der Arbeitskreis Regiowasser schlug einen Stollen durch den Lorettoberg und ein unterirdisches Becken vor. Es gab eine ganztägige Erörterung, die Verwaltung hält am Plan fest. Alle Behörden seien einverstanden.

Der Bohrerdamm soll bis zu 13,5 Meter hoch, 280 Meter lang und bis zu 80 Meter tief werden sowie 200 Millionen Liter Wasser fassen. Beim Breitmatte-Becken wird der Damm verlegt und zwei Meter aufgestockt. Zudem müssen Engstellen weichen, damit das Wasser nicht auf die Straße und am Becken vorbei in die Wiehre läuft, so das Garten- und Tiefbauamt. Die Anlagen sollen Wiehre, Günterstal, Vauban, Haslach und Weingarten vor Hochwasser schützen, wie es theoretisch alle 100 Jahre vorkommt und praktisch an der Dreisam zuletzt 1991. Sie wirken sich auch positiv auf den geplanten Stadtteil Dietenbach aus. "Das Becken ist keine Voraussetzung dafür", so Schickle.

Das Rathaus hat alle Unterlagen beim Regierungspräsidium eingereicht und rechnet demnächst mit dessen Zustimmung. Noch bis Montag können die Naturschutzverbände Stellung nehmen, sendeten aber Schickle zufolge positive Signale. Das RP entscheidet auch über die Enteignung – einem bisher sehr seltenen Vorgang in Freiburg.

Von Droste, der am Mittwoch nicht zu erreichen war, kann klagen. Die Stadt will auch dann den Zeitplan halten: Baubeginn in einem Jahr, Fertigstellung 2022.