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02. Mai 2011 11:14 Uhr

Maschendraht als Strahlenschutzwall

Erhöhte Handystrahlung an Grundschule - Eltern besorgt

An der Clara-Grunwald-Grundschule im Freiburger Rieselfeld sind erhöhte Strahlenwerte gemessen worden. Verantwortlich dafür sind Antennen von Mobilfunkbetreibern.

  1. Verkleidete Mobilfunksender zieren das Dach eines Hauses und sorgen für Unruhe im Rieselfel Foto: Thomas Kunz

So kann’s gehen: Da hat die Stadtverwaltung extra den Vertrag mit dem Mobilfunkbetreiber T-Mobile gekündigt, damit die Antennen vom Dach des Kepler-Gymnasiums im Stadtteil Rieselfeld verschwinden. Das sollte die Schüler vor der Strahlung schützen. Stattdessen hat der Mobilfunkbetreiber inzwischen Antennen auf einem Privatgebäude in der Rieselfeldallee installiert – in unmittelbarer Nähe zur Clara-Grunwald-Grundschule. Dort haben Messungen jetzt erhöhte Strahlenwerte ergeben.

Bis zu 6000 Mikrowatt pro Quadratmeter haben die Messgeräte in den Klassenzimmern der Clara-Grunwald-Schule angezeigt, am geöffneten Fenster waren es sogar 9000 Mikrowatt. Mobilfunkkritiker befürchten schädigende Wirkungen für die Gesundheit schon ab einem Mikrowatt, kritisch werden soll es ab mehreren hundert Mikrowatt. Allerdings: Die gesetzlichen Grenzwerte liegen um ein Vielfaches darüber – und werden an der Clara-Grunwald-Schule längst nicht erreicht.

Dennoch sind die Eltern der Grundschüler alarmiert. Als die Ergebnisse in der Elternbeiratssitzung vorgestellt wurden, sei "die Betroffenheit sehr groß gewesen", berichtet Birgit Etter, Mitglied im Arbeitskreis Mobilfunk, der sich im Elternbeirat gegründet hat. Sie findet die Ergebnisse besorgniserregend. Zwar ist nach wie vor wissenschaftlich nicht eindeutig belegt, dass Mobilfunk krank macht. Es gibt zahlreiche Studien, die dies bestreiten. Andere Untersuchungen sehen indes einen Zusammenhang – besonders bei Kindern.

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Die Folgen sollen von Kopfschmerzen über Konzentrationsstörungen bis hin zu Krebs reichen. "Das macht Angst", sagt Birgit Etter. Die Eltern überlegen deshalb jetzt, wie sie ihre Kinder schützen können. Es gäbe die Möglichkeit, die Klassenräume durch einen speziellen Anstrich, durch Maschendraht vor den Fenstern oder mit Folien auf den Scheiben abzuschirmen. Das ist jedoch nicht billig. Pro Klassenraum lägen die Kosten bei 3000 bis 10 000 Euro – eine Summe, die die Schule keinesfalls aufbringen könne, betont Direktorin Ingrid Buttmi. Sie selbst schätzt die Situation nicht so dramatisch ein: "Ich sehe derzeit keinen Handlungsbedarf." Draußen auf der Straße seien die Kinder genauso hohen oder sogar höheren Strahlungswerten ausgesetzt.

Die Mobilfunkantennen in der Rieselfeldallee sind seit knapp einem Jahr in Betrieb. Sie ersetzen die Anlage auf dem Kepler-Gymnasium, das am Rand des Rieselfelds liegt. Die dortigen Antennen wurden abgebaut, nachdem die Stadtverwaltung den Vertrag gekündigt hatte, weil nach einem Beschluss des Gemeinderats Mobilfunkanlagen nicht mehr auf städtischen Gebäuden installiert werden sollen. Doch statt auf die Antennen zu verzichten, zog der Mobilfunkbetreiber T-Mobile auf das Privatgebäude in der Rieselfeldallee.

Inzwischen nutzen auch noch andere Anbieter den neuen Standort. Dadurch bekommt das Zentrum des Stadtteils mehr Strahlung ab. Der Arbeitskreis Mobilfunk des "BürgerInnenvereins Rieselfeld" hat gemessen, dass die Strahlenbelastung am Maria-von-Rudloff-Platz von früher 15 Mikrowatt pro Quadratmeter auf 6000 Mikrowatt hochgeschnellt ist. "Ich finde das kriminell", sagt Peter Ahlbrecht vom Arbeitskreis Mobilfunk, der auch die aktuellen Messungen in der Clara-Grundwald-Schule vorgenommen hat. Er wünscht sich im Kampf gegen die Mobilfunkmasten mehr Unterstützung von der Stadtverwaltung. Das Rathaus hat jedoch in den vergangenen Jahren immer wieder darauf hingewiesen, dass die Stadt keine Handhabe hat.

Die Elterninitiative der Schule überlegt nun, sich selbst an die Mobilfunkbetreiber zu wenden – mit der Bitte, die Antennen anders auszurichten oder die Leistung herunterzufahren. Erfolgsversprechend ist dies jedoch nicht: Bei einem ähnlichen Fall vor fünf Jahren bei einer Kindertagesstätte in Vauban bissen die Eltern bei Mobilfunkbetreibern auf Granit.

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Autor: Beate Beule