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08. November 2016 10:38 Uhr

Dreisam-Mordfall

Ermordete Studentin: Polizei weist DNA des mutmaßlichen Täters an Fahrrad nach

Das lilafarbene Fahrrad, das im Dreisam-Mord am Tatort gefunden wurde, wurde wahrscheinlich vom Täter benutzt. Die Polizei stellte am Rad die gleiche männliche DNA fest wie an der Leiche der Studentin.

  1. Am lila- und türkisfarbenen Damenfahrrad, das die Polizei am Tatort gefunden hat, wurde männliche DNA festgestellt, die auch an der Leiche von Maria L. gefunden wurde. Foto: Polizei Freiburg

Neues im Fall der vor dreieinhalb Wochen getöteten Maria L.: Die Polizei hat am Dienstag bestätigt, dass die sichergestellte männliche DNA an dem herrenlosen lila Fahrrad identisch ist mit dem Genmaterial an der Leiche. Das Rad stand wenige Meter vom Tatort entfernt mitten auf dem Dreisamuferweg. Dass die Bestätigung erst jetzt publik wurde, liege daran, dass immer noch Spurenauswertungen beim Landeskriminalamt liefen, sagt Polizeisprecherin Laura Riske: "Wir möchten eindeutige Ergebnisse erhalten."

Warum ließ der Täter das Rad stehen?

Damit ist klar: Der Nutzer des Fahrrads ist in irgendeiner Form an der Tötung der 19 Jahre alten Maria L. beteiligt gewesen. Wem das lila- und türkisfarbene Damenrad mit markantem Lenker gehört oder wem es möglicherweise gestohlen wurde, ist aber immer noch unklar. Hat der Radbesitzer, der mutmaßlich auch der Täter ist, Panik bekommen und das Rad deshalb mitten auf dem Weg stehen gelassen? Hat er sein Opfer damit bis zum Tatort am Dreisamufer hinter dem Schwarzwaldstadion verfolgt und – das Rad stand auf dem Radweg einige Meter weiter stadtauswärts – überholt?

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"Wir hoffen immer noch, dass wir Hinweise zur Herkunft dieses wirklich auffälligen Rads bekommen", sagt Laura Riske, Sprecherin der Polizei. Markant ist an dem lila Rad der Marke Schauff der Bügellenker, der seit langem in dieser Form nicht mehr im Handel erhältlich ist, sowie eine Kinderanhängerkupplung. Bislang sind zu dem herrenlosen Rad 182 Hinweise bei der Polizei eingegangen, allerdings sei darunter nichts Zielführendes gewesen, sagt Riske.

Die 40-köpfige Sonderkommission verfolgt derzeit 740 verschiedene Spuren, sie hat mehr als 450 Vernehmungen im Zusammenhang mit der Tötung der Studentin am Morgen des 16. Oktober geführt. Von mehr als 100 Männern haben die Ermittler bislang DNA-Speichelproben entnommen, eine Übereinstimmung mit der DNA an der Leiche gab es bislang nicht. Auch der Abgleich des Genmaterials mit der Datenbank des Bundeskriminalamts, in der Straftäter, Tatverdächtige und an Tatorten sichergestellte Spuren gespeichert sind, blieb erfolglos.

Zu Handy- und Funkzellenauswertungen will sich die Soko derweil nicht äußern. "Das ist ein extrem schwieriges Thema", sagt Polizeisprecherin Riske. Wenn man dazu Detailinformationen an die Öffentlichkeit gebe, "verbrenne" man Wissen für künftige Handyortungen.

Staatsanwaltschaft lobt Belohnung aus

Außerdem hat die Staatsanwaltschaft am Dienstag einen Betrag von bis zu 6000 Euro für Hinweise ausgelobt, die zur Ergreifung oder Ermittlung des Täters führen. "Über Zuerkennung und Verteilung der Belohnung wird unter Ausschluss des Rechtsweges entschieden", heißt es in der gemeinsamen Meldung von Staatsanwaltschaft und Polizei.
Die Kriminalpolizei bittet Zeugen dringend um Hinweise unter 0761/882-5777.

Seit dreieinhalb Wochen ermittelt die 40-köpfige Sonderkommission "Dreisam" mit Hochdruck, wer die Medizinstudentin vergewaltigt und ermordet hat. Eine heiße Spur gibt es bislang nicht. Die 19-Jährige hatte am Abend des 15. Oktober eine Party in der Mensa Institutsviertel besucht und sich um 2.40 Uhr offenbar alleine auf den sieben Kilometer langen Heimweg nach Freiburg-Littenweiler gemacht. Am nächsten Morgen gegen 8.20 Uhr wurde ihre Leiche hinter dem Schwarzwaldstadion in der Dreisam gefunden.
Die Ermittler haben aktuell folgende Fragen:

  • Wer kann sachdienliche Angaben zur Herkunft oder zu einem möglichen Eigentümer oder Benutzer des lilafarbenen Damenrads machen?
  • Wer hat in der Tatnacht einen Mann mit diesem Fahrrad gesehen?

Die Polizei bittet Zeugen, sich unter 0761-882 5777 bei der Kriminalpolizei zu melden.



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Autor: Frank Zimmermann