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21. Oktober 2013

Rettung vor Recyclinghof

Erstes Reparatur-Café des Chaos-Computer-Clubs in Freiburg

Im Reparatur-Café des Chaos-Computer-Clubs kann jedermann unter fachkundiger Anleitung seine Elektrogeräte instandsetzen.

  1. Nur keine Berührungsängste: Mitglieder des Chaos-Computer-Clubs helfen beim Reparieren. Foto: Thomas Kunz

Das Radio ist heruntergefallen. Kaputt. Es ist ein schnörkelloses Modell, noch mit Kassettendeck, und eine Reparatur wäre teurer als ein neues. Für Fälle wie diesen bot der Chaos-Computer-Club (CCC) gestern eine Alternative: In seinem Reparatur-Café im Kulturzentrum Artik konnten Besitzer defekter Elektronikgeräte unter fachkundiger Anleitung selbst Hand anlegen.

"In vielen Fällen ist das Reparieren eigentlich einfach", sagt Birger Brunswiek, Vorsitzender des CCC Freiburg. Aber noch einfacher für jene, die zwei linke Hände haben, ist der Neukauf. Genau darauf bauen viele Hersteller: Das Phänomen, dass sie eine kürzere Haltbarkeit von Geräten in Kauf nehmen zu Gunsten von Einsparungen in der Produktion und um neue Kaufanreize zu setzen, heißt neudeutsch "geplante Obsoleszenz". Mit seinem Reparatur-Café hat der Verein, der Bildung und Spaß an Technik vermitteln will, dem jetzt den Kampf angesagt.

Am meinem Radio werden als erstes Schrauben entfernt – viel mehr, als man an einem Radio vermutet. Unter der Abdeckung befinden sich jede Menge Kabel, Spulen und Platinen. Nur wo der Fehler liegt, ist auf den ersten Blick nicht zu erkennen. Weil es vielen Besuchern genauso geht, helfen die Mitglieder des CCC. "Wir reparieren nicht selber, wir sind keine Dienstleister", sagt der Anleiter, der sich nur als Capo vorstellt, "wir zeigen nur, wie es geht." Das Angebot wird dankbar angenommen. Mehr als 30 Gäste zählen die Organisatoren. Schüler haben kaputte Spielekonsolen dabei, ein Senior legt einen elektrischen Rasierer auf den Tisch. Norbert Pfanner will sein Handy wieder funktionstüchtig machen. "Ich war lange auf der Suche nach sowas", sagt er, "ich finde die Idee super."

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Auch wenn sich nicht alles an Ort und Stelle lösen lässt, gibt es einige Erfolge. Warum das Radio nicht mehr mit Strom versorgt wird, ist noch nicht klar, aber der Transformator und die Sicherung sind als Problem schon ausgeschlossen – ein Schritt weiter also.

Vor dem Aufschrauben und Ausprobieren schrecken viele zurück, so auch Berenice Ehrenberger: "So richtig traut man sich dann doch nicht ran", sagt die Studentin, die wegen ihres Laptops da ist. "Ich bin total untalentiert mit Technik, deswegen ist es gut, hierherkommen zu können."

Über die positive Resonanz freut sich Björn Witt, Sprecher des Clubs. "Die Veranstaltung heute ist ein Prototyp, aber es gibt auf jeden Fall Potenzial zur Regelmäßigkeit." Unabhängig vom Mehrwert der Reparaturen geht es dem Club auch um die Lerneffekte, die simples Aufschrauben und Reinschauen haben kann für die Besucher, die im Alltag wenig mit Technik in Berührung kommen.

So wie ich: Der Riss quer über die Platine ist unübersehbar. Darauf weist Capo hin, aber allein hätte ich ihn nicht gefunden. Mehr als ein Lötkolben und eine Lupe braucht es nicht zur Reparatur, und das Radio ist vor dem Recyclinghof gerettet. Ebenso wie viele andere Geräte an diesem Nachmittag.

Autor: Theresa Martus