Freigabe?

Experten diskutieren über die Legalisierung von Cannabis

Patrick Schliffer

Von Patrick Schliffer

Sa, 17. November 2018

Freiburg

Expertendiskussion über die Legalisierung von Cannabis am Deutsch-Französischen Gymnasium.

FREIBURG. Cannabis legalisieren, ja oder nein? Mit dieser Frage beschäftigten sich am Donnerstag , 15. November, Experten aus Politik, Medizin und Justiz in der Aula des Deutsch-Französischen Gymnasiums (DFG). Die Idee für das Event "Die Legalisierung von Cannabis – was steht auf dem Spiel?" entstand im Zusammenhang mit dem Schulprojekt "Aides Aux Addictions" (Hilfe bei Abhängigkeit), das sich mit dem Thema "Sucht an Schulen" beschäftigt. Christiane Polowykow und Johannes Remmer, die das DFG leiten, betonen in ihren einleitenden Worten: "Cannabis ist ein Thema an jeder Schule und es ist wichtig, dass wir es aus der Tabuzone holen, um einen Raum zu schaffen, in dem wir darüber reden können."

Wie schädlich ist Cannabis?
Allgemein kann darauf keine Antwort gegeben werden, da die Auswirkungen von Cannabis eng mit dem Konsumverhalten und der individuellen Verfassung einer Person zusammenhängen. "Allerdings steigt das Risiko schädlicher Effekte", wie die Fachärztin für Psychotherapie Paula Hezler-Rusch, bemerkt, "je früher man anfängt". Im Gegensatz zu anderen illegalen Drogen führe Cannabis jedoch zu keiner körperlichen Abhängigkeit und könne nicht überdosiert werden, hält Volker Auwärter, forensischer Toxikologe am Institut für Rechtsmedizin der Uniklinik Freiburg, fest. Zu verharmlosen sei die Droge allerdings trotzdem nicht. Gerade die Gehirne von Kinder und Jugendlichen, die sich noch in der Entwicklung befänden, können durch frühen Cannabiskonsum beeinträchtigt werden.

Auf der anderen Seite besitze Cannabis aber auch therapeutisches Potenzial, ergänzt der Freiburger Toxikologe, weshalb im Umgang mit der Droge "neue Wege gegangen werden müssen". Eine Strafverfolgung hält er für den falschen Ansatz, da dies nur die konsumierenden Menschen in die Illegalität dränge, wodurch Hilfe und Aufklärung nicht möglich seien. Eine kulturelle Einbettung hält er für deutlich sinnvoller, da dadurch ein bewusster Umgang gelernt werden könne.

Wie ist die Gesetzeslage?
Cannabis ist in Deutschland nach wie vor eine illegale Droge, deren Erwerb und Verkauf strafrechtlich geahndet und von der Polizei verfolgt werden muss, verdeutlicht Polizeioberkommissar des Präsidiums Freiburg Frank Stratz. Hinzu komme noch, dass in der Bundesrepublik jeglicher Missbrauch der Führerscheinstelle gemeldet wird, auch wenn dieser nicht am Steuer eines Fahrzeuges erfolgte.

Rechtsanwalt Klaus Malek macht hingegen auf einen anderen Aspekt aufmerksam. Er hält das Betäubungsmittelgesetz in Bezug auf Cannabis für mit der Verfassung unvereinbar. Das Gesetz solle die Volksgesundheit schützen, greife aber bei Alkohol oder Zucker nicht, die in entsprechender Dosierung ebenfalls schädlich seien. Aufgrund dieser Unverhältnismäßigkeit plädiert er ebenfalls für eine neuen Ansatz, der weg von der Bestrafung und hin zu verantwortlichem Handeln ist.

Wie ist die politische Lage?
Dass es eine große Kluft zwischen dem Verbot und der bestehender Praxis im Umgang mit Cannabis gibt, weiß auch Kerstin Andreae, Bundestagsabgeordnete der Grünen aus Freiburg. Sie hat mir ihrer Partei ein Cannabiskontrollgesetz entworfen, das den rechtmäßigen Zugang zu Cannabis als Genussmittel ermöglichen soll. Verharmlosen will die Bundestagsabgeordnete die Droge aber auf keinen Fall. "Kiffen ist kein Kaugummi", macht sie deutlich und betont aber auch die Möglichkeiten für Prävention und Aufklärung, die eine Legalisierung mit den dadurch eingenommenen Geldern leisten könnte.

Ähnlich sieht das auch Julia Söhne, stellvertretende Fraktionsvorsitzende der SPD in Freiburg. Sie betont darüber hinaus die millionenschweren Ausgaben für die Strafverfolgung, die bei einer Legalisierung wegfallen würden und somit für Präventionsarbeit zur Verfügung ständen.

Worin besteht Einigkeit?
Ob es nun zu einer Legalisierung kommt oder nicht, in einem Punkt sind sich an diesem Abend alle einig: Man muss aufklären und die Menschen informieren, denn verschwinden wird Cannabis wohl in absehbarer Zeit nicht.